Hintergrund
Marco Gensheimer übernimmt Kandeler Bienen
„Sinnlos, einen Eyub 2.0 zu suchen“, sagt Frank Mohrmann. Der 52-Jährige aus Wörth ist geschäftsführender Vorstand des TSV Kandel, der sich nach einem Trainer für die Frauenhandball-Mannschaft umschauen muss, seit Eyub Erden angesagt hat, dass er nach dieser Saison aufhört. Mohrmann hat den Nachfolger gefunden: Marco Gensheimer (46), Sportlicher Leiter des TV Offenbach und Trainer dessen zweiter Männermannschaft.
„Ich war mal sein Trainer“, erzählt Mohrmann. Er war vom TV Wörth als Spielertrainer zum TV Herxheim gekommen. Gensheimer hatte eine Freundin in Herxheim und wohnte, wie er sagt, zeitweise direkt hinter der Sporthalle. Später, Mohrmann war schon weg und fand in Kandel eine neue sportliche Heimat, war Gensheimer Spielertrainer in Herxheim – neben seinem Engagement in Offenbach.
„Mal was ganz anderes?“
Nach Mohrmanns Darstellung ist das Gespräch etwa so abgelaufen: Gensheimer, ewig beim TVO (Sportlicher Leiter bleibt er), spürt nach fünf Jahren als Trainer der zweiten Mannschaft, die am 22. Januar das Pfalzligaspiel in Kandel verliert, eine gewisse Müdigkeit. Er hat in Offenbach schon jede Mannschaft trainiert, auf allen Positionen selbst gespielt, und denkt über einen Tapetenwechsel nach. „Kannst du dir mal was ganz anderes vorstellen?“, fragt Mohrmann den Jugend- und Heimerzieher, der den B-Schein hat. Trainer zu sein der Kandeler Frauen?
Gensheimer überlegte: „Frauen – traue ich mir das zu?“ Er hat schon Frauen trainiert, aushilfsweise für Akin Calisir, Trainer der HSG Landau/Land, wo seine Frau Julia Gensheimer spielt. Er könnte in große Fußstapfen treten. Erden leistet in Kandel mehr, als von einem Trainer erwartet werden darf.
Er traut es sich zu.
„Teile von Erdens Konzept“
In Gesprächen mit Kandels Frauenwartin Anna Heib wurde es konkret. Sie schauten sich Spiele der Mannschaft an. „Beim nächsten Gespräch kannte er schon die ganzen Namen“, erzählt Mohrmann, der in Kandel lange als Trainer gearbeitet hatte und seit ein paar Jahren andere Funktionen im Verein hat. „Marco war direkt Feuer und Flamme. Er schaute sich einige Spiele der Bienen an, fand sich in deren Spielsystem wieder und brachte sich direkt mit neuen Impulsen und Ideen ein“, wird Mohrmann auf der Homepage des TSV Kandel zitiert.
Gensheimer kennt Eyub Erden, seit der Jugendtrainer in Offenbach war. „Teile des damaligen Konzepts erkenne ich immer noch, Kandeler Spielzüge, die er mal in Offenbach eingeführt hat“, sagt er.
Zweigleisige Planung
Seit Juni vergangenen Jahres ist der 46-Jährige Beigeordneter in seiner Heimatgemeinde. Er folgte auf Oliver Siebert, der sich nach zwölf Jahren entpflichten ließ. Überhaupt sind viele Handballer im Offenbacher Gemeinderat: Benjamin Knoblauch, Thorsten Scheurer, Jens Nord, Thorsten Fuchs, Frank Peter, Matthias Dworak, Volker Schwarzweller – und Christoph Morio, der gerade als künftiger Trainer des Frauen-Oberligisten SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam vorgestellt worden ist.
Mohrmann findet es in Ordnung, wenn Gensheimer Sportlicher Leiter beim TV Offenbach bleibt: „Die Offenbacher haben keine Frauenmannschaften, da gibt es keine Konflikte.“
Der TSV Kandel plant zweigleisig für die Oberliga und die Dritte Liga: „Damit stehen wir der Mannschaft im Wort, wenn sie es sportlich schafft“, sagt Mohrmann. Im Kampf um die Tabellenführung haben die Kandelerinnen an diesem Samstag frei, das Spiel in Saarbrücken wird verlegt. Die SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam kann mit einem Erfolg heute in Zweibrücken (18 Uhr) wieder an Kandel vorbeiziehen. Wenn tatsächlich gespielt wird. Viele Partien des Wochenendes wurden abgesetzt.