Sportstypen
Ludwig Röhrig und sein Geschenk zum Siebzigsten
Das orangenfarbene Welsumer Haushuhn. Die Harzburger Trommeltaube. Mit Ludwig Röhrig kann man anscheinend über alles reden. Über den Mitternachtslauf in Albersweiler. Über Bad- und Küchenmöbel. Über die Entwicklung des Deutschen Sportabzeichens. Apropos: Zu seinem 70. Geburtstag wollte er das 50. haben. Paul List half ihm dabei. Er prüfte ihn im Januar. Januar? Drohte die Welt da nicht in Corona zu versinken?
Sie verabredeten sich, so erzählt es Röhrig, in der Halle in Offenbach. List, der 76-jährige Sportabzeichen-Abnehmer des TVO, und Röhrig, der da noch 69-jährige Sportabzeichen-Abnehmer aus Ottersheim, der im Sommer fast jeden Tag mit seiner Frau Rosemarie Bahnen im Offenbacher Freibad schwimmt. 50 Jahre sind sie verheiratet, ihre zwei Buben haben längst eigene Familien.
Standweitsprung und Seilhüpfen
Standweitsprung auf der Matte: drei Punkte. Seilhüpfen: „Meine leichteste Disziplin“, sagt Röhrig, der bis 1971 Handball gespielte hatte („was in Ottersheim normal war“) und nach der Hochzeit mit einer Offenbacherin zur Leichtathletik übergegangen war. In Offenbach.
List und Röhrig verabredeten sich ein weiteres Mal am Lauftreff. 200 Meter Radfahren mit fliegendem Start. Dann noch 3000 Meter Laufen im Wald. Röhrig hatte die vier Bereiche Kraft, Koordination, Schnelligkeit und Ausdauer erfüllt. Den Schwimmnachweis hatte er vom Vorjahr. Fertig. Er hatte zum 70. sein 50. Sportabzeichen. Und erhielt die Urkunde mit Nummer 1 im Kalenderjahr 2021.
Früher mit Passbild
1971 erlangte er das erste Abzeichen. „Da hat man noch ein Passbild gebraucht.“ Erich Bentz sprach ihn an: „Wir bräuchten noch ein paar Leute.“ Im nächsten Jahr begeht Röhrig das nächste Jubiläum: Er ist dann 50 Jahre Sportabzeichen-Abnehmer.
„Ich bin immer noch im 70-Kilo-Bereich“, sagt er über sich und wird nachdenklich, wenn er sich die älteren Urkunden ansieht: „Wenn man die Leistungen vergleicht ...“ Früher war eh alles anders. Da gab es das bronzene Abzeichen für 18- bis 32-Jährige und Gold erst mit 40. Erzählt Röhrig. Wer fünf bronzene und fünf silberne Abzeichen hatte, konnte eher an Gold kommen. Heute geht es nach Punkten: elf und zwölf Punkte Gold. Vier bis sieben Punkte Bronze. Früher musste Röhrig nach Herxheim, um zu schwimmen. Da seien Prüflinge am Beckenrand hochgezogen worden, die fix und fertig gewesen seien. Damals hätten noch zwei Prüfer unterschreiben müssen.
Von Volkslauf zu Volkslauf
Damals. In Offenbach gab es weder Stadion noch Halle. „In Offenbach ist alles da, solche Voraussetzungen gibt es selten“, sagt Röhrig heute und ist amüsiert, wenn aus dem Nachbardorf Prüflinge kommen. „In Ottersheim haben wir ja nix.“ Jeden Donnerstag sind Prüfer im Stadion. Schwimmprüfungen werden dienstags abgenommen.
Röhrig hat scheinbar alles mitgemacht. Den ersten Volkslauf in Offenbach. Läufe in Albersweiler in der Nacht, in Rhodt, Steinfeld, in Rheinzabern den ersten Osterlauf und den 40. Beim Herxheimer Triathlon sei er der älteste Teilnehmer gewesen, aber nie Letzter. Die Aktionen Sportabzeichen an Silvester.
Ein ausgezeichneter Züchter
Schreiner hat der Ottersheimer in Offenbach gelernt. Er arbeitete für Lanzet und später für Nolte. Hüner- und Taubenzucht sind andere Hobbys. Das Welsumer habe er herausgezüchtet, 1986 sei es anerkannt worden. Er ist dran an der Taube, die sich auch mit einem neuen Farbenschlag herausheben wird. Als Züchter hat er viele Preise gewonnen. Man müsse immer ein bisschen was machen, um nicht einzurosten. Röhrig will beim Lauf ins Ziel kommen und noch geradeaus laufen können. Dafür gibt es wohl auch die Sportgruppe, die sich „alte Turner“ nenne. „So langsam fangen wir wieder an. Immer mittwochs.“