Radsport
Luca Spiegel erlebt einen emotionalen Tag in Offenbach
„Meine Mama hat davon erfahren und gleich gesagt, dass wir da hingehen können“, erzählt der elfjährige Noah aus Rheinzabern, als er vom Training mit Olympiastarter Luca Spiegel beim RV Offenbach erfahren hat und zusammen mit seinem kleinen Bruder sofort Feuer und Flamme war. Weil sie ihn über Freunde und Verwandte vorher schon kannten, hingen sie bei den Olympischen Spielen vor dem Fernseher und fieberten mit: „Wir waren schon traurig, als er gestürzt und deshalb rausgeflogen ist. Trotzdem ist es toll, dass er mitgemacht hat.“ Den Brüdern ist die Vorfreude auf das gemeinsame Training anzumerken. Danach besser Fahrradfahren zu können, hoffen sie. Und vielleicht mal so gut werden wie ihr Vorbild.
Als die Kinder nach und nach eintrudelten – aus elf Voranmeldungen wurden 24 Teilnehmer – musste Spiegel noch überlegen, was er ihnen überhaupt beibringen solle. Ein Blick zurück auf seine Anfänge an gleicher Stelle und die Ideen sind da: „Ich erinnere mich noch, dass wir da vorne Antritte gefahren sind. Dann werden wir uns wohl erst mal einfahren, Anfahren im Stehen üben und überhaupt erst mal den Lenker richtig halten und richtig auf dem Rad zu sitzen.“ Das war mit 13. Andreas Gensheimer, Vorsitzender des RVO, erkannte das Talent des heute 20-jährigen und vermittelte ihn an seinen jetzigen Trainer.
Spaß soll es machen
Mit Gensheimer wird er das Training leiten. Nachdem die Aufregung der Kinder immer größer wurde, geht es los: In zwei Gruppen Einfahren über die Stadionrunde, erste kleine Kreise fahren im Innenraum an Hochsprungmatte und Weitsprunggrube vorbei, danach wieder Parallelfahren der Gruppen. Die sind nach Alter aufgeteilt, aber bunt gemischt: manche mit Alltagsklamotten, andere mit Trikot, einer mit auf die Helmfarbe angepasster Brille. Bei den Kleinen ragt der Helm teilweise bis zu den Augenbrauen, wie bei dem sieben Jahre alten Marc. Der fährt bei Fette-Reifen-Rennen mit und hat Straßen- und Bahnwettbewerbe bei Olympia verfolgt. Wie hat er Spiegels Leistung gesehen? Kennt er ihn überhaupt? „Nee.“ Was er erwartet? „Dass es Spaß macht.“
Wie es überhaupt dazu kam, dass ein Olympiateilnehmer ein Training für kleine Kinder anbietet? „Sowas wollten wir schon länger mal machen. Da ich mit Andreas sowieso regelmäßig in Kontakt bin, hat es sich in Verbindung mit der Ehrung nachher angeboten.“ Zu dieser hatte der RV Offenbach geladen, um Spiegels Leistung zu würdigen. Bei der Ehrung, der auch Marietta Heid-Gensheimer, Beigeordnete der Verbandsgemeinde sowie Elke Thomas, Ortsbürgermeisterin von Bornheim, beiwohnten, zeichnete Gensheimer Spiegels Weg nach und baute seine Erzählung auf „Platz 18“ auf. Diesen belegte Spiegel 2017 bei einem Juniorenrennen in Hatzenbühl und im August bei den olympischen Spielen in Paris. Im Teamsprint fuhr er dort auf Rang sechs, im Keirin wurde er, nach einem Sturz im Halbfinale, in der Endabrechnung Neunter. „Es war eine runde Sache. In 120 Jahren Vereinsgeschichte ist er der erste, den wir zu Olympia gebracht haben“, so Gensheimer.
Alles klappt
Ein positives Fazit zogen die Offenbacher auch vom Kindertraining, wie der Vorsitzende berichtet: „Wir sind sehr zufrieden, es hat alles gut geklappt. Auch wenn man nicht alle Vornamen kannte, war es noch gut zu händeln. Alle waren mit Spaß dabei und danach teilweise K.o. Das entspricht genau dem, was wir wollten. Drei Kinder kamen danach und haben sich nach dem Vereinstraining erkundigt. Das ist eine ordentliche Quote und es wäre schön, wenn wir unsere Nachwuchsgruppe damit aufpeppen könnten.“
Luca Spiegel war am Tag danach immer noch überwältigt. „Es hat extrem viel Spaß gemacht, den Kindern ein bisschen was beizubringen und zu erzählen. Sie waren mit Spaß dabei und haben sich richtig angestrengt. Die Ehrung danach war einfach nur krass. Andreas hat sehr schöne Worte gesagt. Es war sehr rührend, wie er meinen Weg von Anfang bis heute aufgezeigt hat. Einen großen Dank an den RV Offenbach, der einen wunderbaren Job macht. Es war sehr, sehr schön.“