mein schönstes Spiel RHEINPFALZ Plus Artikel Leo und Papas Déjà-vu

Rinnthals Bürgermeister Torsten Hertel mit seiner Frau Daniela als Prinzenpaar.
Rinnthals Bürgermeister Torsten Hertel mit seiner Frau Daniela als Prinzenpaar.

Torsten Hertel war im Fußball „der Bomber“, ehe er ins Tor ging. Gänsehaut bekam Rinnthals Bürgermeister, als er seinen Buben bei dem Trainer beobachtete, der ihn und andere früher zum ASV Lug-Schwanheim gebracht hatte. Der Junior macht inzwischen etwas anderes.

Torsten Hertel ist Bürgermeister von Rinnthal. Er interessiert sich für Fußball, in seiner Jugend hat er gekickt. Bei seinem schönsten Spiel stand er aber weder auf dem Platz, noch war er im Stadion. Auch vor dem Fernseher saß er nicht. Es war eine Art Begegnung mit seiner eigenen Vergangenheit.

Der heute 46-Jährige erzählt beim Gassigehen mit dem Hund, wie er Mitte der 1980er-Jahre mit dem Fußballspielen begonnen hatte. Damals gab es in seinem Heimatort mit der markanten Kirche schon keine Fußballmannschaft mehr. Also schloss er sich dem ASV Lug-Schwanheim an. Einer seiner Cousins vermittelte. Damals sammelte ein gewisser Winfried Schäfer die Spieler in der Region ein und chauffierte sie zum Training. „Mit seinem Privat-Pkw oder so einem ganz alten Vereinsbus in Rinnthal, Sarnstall, Dimbach, Darstein und Wilgartswiesen“, zählt Hertel einige Haltestellen auf.

Torwarthandschuhe an Nagel gehängt

Nicht nur wegen eines Viererpacks, den er mal erzielte, bekam er den Spitznamen „Bomber“. „Aber das war wohl nicht nur in Anlehnung an Gerd Müller, sondern auch wegen meiner Statur“, sagt Hertel augenzwinkernd.

Als er ein paar Jahre später zum SC Hauenstein wechselte, landete er im Tor. Der ASV konnte keine Mannschaft in seiner Altersklasse aufbieten. „Bis 1990/1991 in der B-Jugend habe ich sogar in der Südwestliga gespielt“, erzählt Hertel. „Dann habe ich meine Torwarthandschuhe an den Nagel gehängt, weil ich ja noch die Schule hatte und auch noch Volleyball spielte“, sagt der heutige Förderschullehrer, der in Landau-Queichheim arbeitet und mit seiner Frau Daniela, der elfjährigen Tochter Finnja, dem heute sechsjährigen Sohn Leo und dem Hund direkt unterhalb der Bundesstraße 10 lebt.

Für Leo alte Kontakte aktiviert

Sohn Leo war es, der ihm das schönste Spiel bescherte. Dabei war es gar kein so richtiges Spiel, aber „sehr bewegend“: Denn als Leo mit viereinhalb Jahren immer eifriger mit dem Vater Fußball schaute und auch seinen Patenonkel beim Kicken sah und unbedingt selbst ans Leder treten wollte, da begann Vater Torsten mit der Suche nach einem Bambiniteam für seinen Junior. „Ich habe alte Kontakten aktiviert und landete schnell bei Winfried Schäfer. Ich war aber richtig überrascht, dass er heute, gut 30 Jahre später, immer noch so aktiv ist in der Nachwuchsarbeit und sich da noch als Trainer einbringt“, sagt Torsten Hertel.

„Die gleiche Freude wie bei mir“

Als er dann mit Leo zum Training fuhr, seinen Spross hinter dem Ball herlaufen sah, da überkam den Vater ein Gänsehautgefühl: „Es war so, als ob sich ein Kreis schließen würde: Nach 30 Jahren macht der Sohn das, was ich früher auch gemacht habe – und dann noch beim gleichen Trainer. Es war einfach wunderschön, ihn da bei den Bambini zu sehen, wie er Spaß an der Bewegung hatte. Es war die gleiche Freude und das gleiche Engagement wie bei mir damals.“

Hertel stellte auch gleich Unterschiede fest: „Ich war ja der klassische Stoßstürmer, auch schon älter, als ich anfing. Leo ist genau das Gegenteil, ein Leichtgewicht, eher grazil. Mit dem Ball müsste er noch üben.“

Entspannung mit Rockmusik

Obwohl das Probetraining toll war, hat Leo inzwischen eine andere Sportart entdeckt: Handball, das seine Schwester bei der SG Wernersberg/Annweiler schon ambitionierter spielt. Auch Tanten und Cousinen waren dort aktiv. „Ich wünsche mir einfach, dass Leo den Sport findet, der ihm Spaß macht, bei dem er Freude mit seinen Kameraden hat. Sport ist wichtig, wir waren auch schon früh im Kinderturnen, daher ist Sport für meine Kinder heute auch irgendwie selbstverständlich, sie machen das gerne“, betont Hertel. Er hat auch schon eine negative Seite als „Sportlervater“ kennengelernt: „Es gibt doch schon Vereine, die sehr früh weniger auf Spaß und mehr auf Leistung Wert legen. Das hat mich etwas erschreckt. Auch dass es schon im Nachwuchs- und unteren Amateurbereich um Geld geht. Uns ging es damals um den Verein, dessen Trikot wir mit Stolz trugen.“

Er selbst bewegt sich heute fast ausschließlich im Wald - mit der Familie und dem Hund. „Das Amt des Bürgermeisters ist doch breitgefächert, nimmt viel Zeit in Anspruch. Obwohl ich als Lehrer eigentlich mehr Freizeit habe als ein Schichtarbeiter, bleibt da kaum Zeit für große Hobbys“, gesteht Hertel ein. Entspannung findet er mit guter Rockmusik oder vor dem Fernseher, auf dem im Hause Hertel grundsätzlich viel Sport – insbesondere die Fußball-Bundesliga – läuft. Eine Ausnahme gibt es dann doch: In der närrischen Zeit gehört Hertel dem Annweilerer Elferrat an. Er bildete mit seiner Daniela vor zwei Jahren sogar das Prinzenpaar.

 Leo
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