Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Physiotherapeut Mike Steverding Berater für Bahrain

Mike Steverding (links) vor zwei Jahren mit dem Österreicher Konrad Laimer, der seit 2023 für den FC Bayern München spielt.
Mike Steverding (links) vor zwei Jahren mit dem Österreicher Konrad Laimer, der seit 2023 für den FC Bayern München spielt.

Physiotherapeut Mike Steverding braucht für eine neue Aufgabe seine Vielseitigkeit. Und Geduld. Er berät das Olympische Komitee von Bahrain. Die Sportler aus dem Staat im Persischen Golf sind bislang für Rehamaßnahmen ins Ausland gereist.

Seit 35 Jahren betreut Physiotherapeut Mike Steverding Sportler auf Topniveau aus ganz vielen unterschiedlichen Sportarten. Nun hat er eine neue Aufgabe: Für das Olympische Komitee von Bahrain soll er als Berater fungieren, um die Sportler des Landes fit für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles zu machen.

Seit 1997 betreibt Steverding das MS-Therapie- und Rehabilitationszentrum in Landau und Herxheim. Er hat Handball gespielt, ist viel geschwommen und bezeichnet sich selbst als extremen Wintersportler. Diese Vielseitigkeit hat er auch in sein Berufsleben mitgenommen. Fußball, Handball und Basketball stehen ebenso auf seiner Vita wie Leichtathletik, Ski- und Reitsport.

Bei den Spielen in Lillehammer

Zu den schönsten Erinnerungen aus seiner langen Karriere zählen die Betreuung der österreichischen Biathleten bei den Olympischen Spielen in Lillehammer 1994 und die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft 2016 mit der österreichischen Fußballnationalmannschaft. Mit dem Königreich Bahrain verbindet ihn eine 20-jährige Geschichte.

Der Staat am Persischen Golf hat 1,5 Millionen Einwohner auf einer Fläche, die etwas kleiner ist als das Hamburger Stadtgebiet. Die Auswahl der potenziellen Athleten ist also stark beschränkt. Deshalb behelfen sich die Bahrainer, indem sie Athleten einkaufen und einbürgern, wie die ursprünglich aus Kenia stammende Olympiasiegerin über 3000 Meter, Winfred Mutile Yavi.

In Paris unter 45 Bahrainern neun Sportler

Mit fünf Medaillen bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris belegte das kleine Land Platz 33 des Medaillenspiegels, noch vor Österreich. Die Bemühungen tragen also Früchte. Trotzdem gibt es in vielen Bereichen Verbesserungsmöglichkeiten, gerade auch in der medizinischen und therapeutischen Betreuung der Athleten. Das fängt schon bei ganz grundsätzlichen Dingen an, wie Steverding berichtet: „Bahrain hat insgesamt 45 Leute zu den Olympischen Spielen geschickt, obwohl sie nur neun Athleten dabei hatten. Da stimmt das Verhältnis nicht. In diesen Bereichen muss man helfen und dem einen oder anderen die Augen öffnen.“

In den Ballsportarten schlagen sich die Bahrainer ganz gut, besonders im Handball. Das Nationalteam wird vom ehemaligen Rhein-Neckar-Löwen-Cheftrainer Aron Kristjánsson aus Island trainiert. Das Männerteam nahm an mehreren Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teil. Die medizinische Betreuung des Teams ist allerdings komplett outgesourct, wie Steverding berichtet: „Die bahrainischen Mitarbeiter sind zwar gut ausgebildet, haben aber nicht viel Erfahrung und fassen auch nicht viel an. Deshalb finden Rehamaßnahmen oft im Ausland statt.“ Zukünftig sollen alle wichtigen und dringlichen Fälle in Landau behandelt werden.

Medizinischer Berater

Schon jetzt findet ein Austausch von angehenden Therapeuten vom Persischen Golf und MS-Mitarbeitern statt, die in Bahrain ihr Wissen vermitteln sollen. Sogar Shaikh Salman Bin Ebrahim Al Khalifa, der erste Vizepräsident des Weltfußball-Verbandes Fifa, hat schon in Landau Reha gemacht. Langfristig soll Bahrain in die Lage versetzt werden, die medizinische Betreuung der eigenen Athleten komplett selbst zu übernehmen.

Um dahin zu kommen, soll Mike Steverding als medizinischer Berater des Olympischen Komitees von Bahrain im mittleren Osten Grundlagen für Medizin, Physiotherapie und Rehatraining auf der Basis des Standards des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) etablieren und Zeitpläne erstellen, um Schritt für Schritt dieses Ziel zu erreichen. Geleitet wird die Kommission von Issa Eshaqi, dem Sohn des Präsidenten des Handballverbandes von Bahrain.

Betreuung vor Ort

Eshaqi spricht mehrere Sprachen, hat in Deutschland studiert und ist dabei ebenfalls von Mike Steverding ausgebildet worden. Außerdem soll der Landauer den Olympiakader in der Vorbereitung und bei internationalen Meisterschaften vor Ort betreuen.

Auf dem Weg zum Ziel ist Geduld gefragt, wie Steverding aus Erfahrung weiß: „Organisatorisch geht in Bahrain alles etwas langsamer. Es wird viel geredet. Gefühlt gibt es 1000 Diskussionen, um einen Schritt nach vorne zu kommen.“ 20 Jahre Erfahrung mit diesen Abläufen helfen Steverding, sich davon nicht frustrieren zu lassen.

Vorbild Novak Djokovic

In der praktischen Arbeit mit den Athleten trifft der Landauer immer wieder auf die gleichen Probleme: „Alle haben große Ziele, aber nicht genug Zeit. Oft wird dabei übersehen, dass man dem Körper Pausen gönnen muss und sich selbst mit unterschiedlichen Perspektiven helfen kann, wie Tennisprofi Novak Djokovic, der auch mal über den Tellerrand schaut und sowohl athletisch als auch mental sehr vieles macht.“

Um diesen ganzheitlichen Ansatz an die Sportler aus Bahrain zu vermitteln, braucht es einen Therapeuten, der selbst extrem vielseitig aufgestellt ist. Einen wie Mike Steverding.

x