Lokalsport Südpfalz Kugeln vor die Säue
«HERXHEIM.» Die elfte Saison der Deutschen Pétanque-Bundesliga geht am Samstag und Sonntag beim BC Herxheim zu Ende. Die Herxheimer, Achte im Wettbewerb, erhoffen sich noch einen Treppenplatz. Gespielt wird immer ab 9 Uhr an den zentralen Sportanlagen in der St. Christophorusstraße.
Wer montags oder mittwochs auf dem Boulegelände in Herxheim vorbeischaut, sieht keine Hobbyspieler. Auf einem Feld, das nach Regelwerk, mindestens vier Meter breit und 15 Meter lang sein muss, trainiert an diesen Tagen der BC Herxheim. Wohl mit Erfolg, denn seine Spieler sind vorige Saison in die Bundesliga aufgestiegen. Benjamin Lehmann aus Offenbach ist 29 Jahre alt. Der zweimalige Deutsche Meister, der dreimal an der Pétanque-WM teilnahm, ist der Chef der Pétanque-Bundesligamannschaft. Sie besteht aus sieben Männern und zwei Frauen. Der Team-Kapitän erklärt: Man braucht für eine Runde sechs Spieler, mindestens eine Frau muss dabei sein. Zu Beginn werden parallel zwei Tripletten gespielt – drei gegen drei. Es geht weiter mit drei Doubletten – zwei gegen zwei. Auch hier muss eine Partie „Mixed“ gespielt werden. Mit einem Münzwurf wird gelost, wer die Zielkugel, auch Sau genannt, vorlegen darf. Es geht darum, sie geschickt zu platzieren, um mit den eigenen Kugeln möglichst nahe heranzukommen und es dem Gegner möglichst schwer zu machen. Eine Sache der Taktik. Man kann „Legen“ (die Eisenkugel nahe zur Sau bringen) und „Schießen“ (die gegnerische Kugel schwungvoll wegballern). Der jüngste Spieler der Herxheimer Mannschaft ist Micha Ballmann (Landau). Der 27-Jährige mauserte sich 2006 zum jüngsten Deutschen Meister aller Zeiten in der Disziplin Schießen. 2010 war er Bundesliga-Meister mit seiner ehemaligen Mannschaft Lützelsachsen Weinheim. Sascha Koch (34) aus Speyer spielt schon seit 1990. Er kann über 400 Turniersiege vorweisen. Er ist siebenmaliger Deutscher Meister, hat zweimal an der Europameisterschaft teilgenommen, achtmal an der WM. Seine Frau Lara Koch (42) war schon Vizeweltmeisterin mit der Frauen-Nationalmannschaft und war auch schon bei einer Frauen-Europameisterschaft auf dem Treppchen. Stefan Thieß (35) aus Landau kam durch einen Sportunfall zum Pétanque. Sein Vater nahm ihn damals mit zum Bouleplatz. Nach Angaben des Kapitäns gewann Thieß bereits alle großen Turniere in Deutschland. Steffen Kleemann aus Edenkoben hat vor 27 Jahren mit Pétanque begonnen. 2004 war er Deutscher Meister im Triplette, 2010 Deutscher Meister im Doublette mit Lehmann. Carsta Glaser (48) aus Worms hat bei einer Deutschen Meisterschaft für die Damen Bronze eingeheimst. Seit 2015 ist sie im Nationalteam. Achim Schlichter (50) aus Dernbach ist das älteste Mitglied der Mannschaft. Er war viermal Rheinland-Pfalz-Meister. Einzig Robert Fox, der 46-Jährige Neuzugang der Mannschaft aus Landau, ist noch nicht mit Titeln geadelt. Herxheim befindet sich in einer Position, in der rechnerisch vieles möglich ist: Treppchen- und Abstiegsplatz. Drei Mannschaften steigen ab. Stellt sich noch die Frage, warum die Zielkugel Sau heißt. Im Volkssport der Franzosen wird sie liebevoll Cochonnet – übersetzt Ferkel, Schweinchen, auch „Sau“ – genannt, weil sie tatsächlich mal aus Schweineknochen hergestellt wurde.