Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Karl Schlimmer: „In keinem anderen Ballsport so wenig Fairness“

Karl Schlimmer
Karl Schlimmer

Karl Schlimmer vergisst nicht, wie ihm ein Funktionär übel mitgespielt hat. In den vergangenen zwölf Jahren führte er den Fußballkreis Südpfalz. Sein Sport habe sich nicht gut entwickelt, stellt er fest.

Herr Schlimmer, am 30. Juni endete Ihre Zeit als Vorsitzender des Fußballkreises Südpfalz. Haben Sie ihren Rückzug schon bereut?
Nein. Ich hatte meinen Entschluss, nicht mehr zu kandidieren, frühzeitig kommuniziert, und konnte mich darauf einstellen. Ich habe mit Peter Bourquin einen Nachfolger mit ganz viel Erfahrung, der den südpfälzischen Amateurfußball bestens kennt. Meine Frau und die beiden Töchter hatten einfach ein Anrecht auf mehr familiäres Miteinander. Sie haben mich all die Jahrzehnte unterstützt und mir den Rücken freigehalten.

Ist es eine Zäsur in Ihrem Leben?
Das kann man so sehen. Der Fußball hat seit dem zwölften Lebensjahr mein Leben geprägt, mit viel Freude, aber auch manch schlafloser Nacht. Doch ich bin ja nicht ganz weg. Ich bin noch zwei Jahre lang Vorsitzender des Pamina-Fußballausschusses, weil mir die Freundschaft zu unseren französischen Nachbarn sehr am Herzen liegt. Zudem habe ich mich bereiterklärt, als Besitzer der Gebietsspruchkammer Vorderpfalz mitzuarbeiten.

Der Verbandstag hat Sie zum Ehrenmitglied gewählt, der Kreistag zum Ehrenvorsitzenden. Ist das Genugtuung oder Ehre?
Genugtuung ist sicher fehl am Platz. Die verschiedenen Aufgaben waren mir eine Ehre. Vor allem die Zeit als Kreis- und Bezirksjugendwart hat mir viel Spaß gemacht hat. Die Führung des Kreises bei den Aktiven war nicht einfach. Ich habe mich immer als Vermittler zwischen Vereinen und Verband gesehen und versucht, neutral zu bleiben.

Was bleibt hängen?
Ich durfte als Spieler und Trainer mit Rot-Weiß Göcklingen, dem SV Klingenmünster und der Spielvereinigung Bad Bergzabern mehrere Titel feiern. Ich stand zweimal im Finale des Wanderschildpokals. Ein Endspiel verloren wir 1:3, weil ein gewisser Werner Melzer drei Tore erzielte. Da sind viele generationsübergreifende Freundschaften entstanden. Anfang der 1970er-Jahre stand ich sogar im vorläufigen Aufgebot für ein Schüler-Landerspiel gegen England in Wembley. Doch der Limburgerhofer Heinz Magura bekam den Vorzug. Tiefpunkt war die Zerstörung meiner Karriere in der SWFV-Auswahl durch einen Vereinsvorsitzenden. Er hatte mir eine Einladung unterschlagen, weil ich nach der Saison zum klassenhöheren TuS Billigheim-Mühlhofen wechseln wollte.

Wie hat sich der Fußball verändert?
Die Entwicklung ist leider negativ. In keiner anderen Ballsportart herrscht so wenig Fairness bei den Spielern untereinander oder gegenüber den Unparteiischen. Viele Dinge hängen auch mit dem Verhalten der Funktionäre der DFL und der Uefa zusammen. Einige neue Regeln haben vieles komplizierter gemacht, Abseits und Handspiel waren mal ganz einfach. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden den Amateurfußball noch eine Weile beschäftigen. Etwas stolz bin ich, dass ich zur Wiedereinwechslung in den unteren Klassen, Erweiterung der Spielgemeinschaften und zu kleineren Mannschaftsstärken beigetragen habe.

Was sehen Sie als größtes Handlungsfeld?
Wir müssen dringend eine Antwort auf die demografische Entwicklung geben. Es gibt immer weniger Fußballer, deshalb verringern sich kontinuierlich die Anzahl der Vereine und damit der Klassenstärken. Deshalb hat das Präsidium beim Verbandstag zurecht den Auftrag erhalten, eine Reform der Spielklassen einzuleiten. Man darf gespannt sein, was da ausgetüftelt wird.

Und was machen Sie mit Ihrer Freizeit?
Ich besuche mit meiner Frau viele Konzerte. Außer Schlager geht da die Bandbreite von Klassik bis Rock. In Annweiler oder in der Karlsruher Schauburg gehen wir regelmäßig ins Kino. Ich lasse mich sehr gerne für die Betreuung meiner drei Enkelkinder einspannen, die alle noch im Vorschulalter sind.

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