Lokalsport Südpfalz
Inlineskaterhockey: Die Aufrechten – Meister IHC Landau vor seiner größten Herausforderung
Der IHC Landau hat in den 20 Jahren seines Bestehens so manches geschultert. So eine Herausforderung hatte der Meister noch nicht: den Bau einer Heimstätte in Landau-Arzheim. Wer ist der IHC, wer sind die Spieler, die in der Landesliga Baden-Württemberg jeden Konkurrenten beherrschten?
Was eigenes haben! Den Wunsch haben Mannschaftssportler selten. Im Speziellen ist er leicht zu verstehen: „Abgerissen“ (die alte Halle in der Eutzinger Straße wich der Landesgartenschau), nicht gelitten in der LGS-Halle, deren Boden seinen Sport nicht aushielt, kaum zukunftsfähig in der Süwegahalle, hat der im Schulzentrum Ost spielende IHC Landau den Wunsch auf einen eigenen „Spielplatz“. Eine Erfolgsstory wird weitergeschrieben, die Inlineskaterhockeyer spielen nächste Runde in der Regionalliga. Die andere hängt ab von weit über einer Million Euro.
Wer sind die Aufrechten, die sich an einen Sport klammern, der unter dem Dach des ISHD in der Region weit und breit nur in einer Stadt gespielt wird? Die Inline-Skaterhockey Deutschland nennt sich Sportkommission für Inline-Skaterhockey des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbands. 2004 haben sich die Landauer ihr angeschlossen.
Unterm Dach des ISHD
Dominic Humbert (31) weiß das, er spielt seit 2002. Inzwischen ist alles professioneller geworden. Die 2. Bundesliga ist weiter entfernt als 2007. In jenem Jahr tourten die Landauer durch den Westen, hatten sie in der VT Zweibrücken gar einen Konkurrenten in der Nähe. Als die Zweibrücker keine Spielstätte mehr hatten, kamen einige nach Landau. Von diesen ist Daniel von Gyldenfeldt, er ist Beamter, beim Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken zuständig für den Rosengarten, noch dabei.
In Düsseldorf, Essen, Köln, Duisburg, Iserlohn und Augsburg sitzen heute Bundesligisten. Darunter gibt es zwei 2. Bundesligen, drei Regionalliga-Staffeln und die Landesligen Rheinland, Westfalen und – Baden-Württemberg, Landaus Liga in den vergangenen Jahren.
„Je kleiner die Gruppe, umso mehr rauft man sich zusammen“: Humbert erklärt sich so, wieso der IHC Landau so lange am Ball bleiben konnte. Der Verein veranstaltet Inliner-Laufkurse. Er ist dicke mit den Mannheimer Adlern, die für Benefizspiele nach Landau kommen. Er ist auf Facebook und Instagram unterwegs und könnte schon bald in die U10-Trainingsarbeit einsteigen. Der IHC weckt Interesse bei Kindern und Eltern, die Auswärtsspiele der U13 und U16 zu Events machen.
Topscorer Jochen Weisbrod
Sechs IHC-Spieler haben auf dem Weg zur überlegenen Landesliga-Meisterschaft kein Ligaspiel verpasst: Torhüter Michael Mietho, Jochen Weisbrod, mit 64 Scorerpunkten der erfolgreichste Spieler, Humbert (44), Leon Hülsenbeck (52), Lucas Hillenbrand (29) und Sven Frank (15). 14 Spieler wurden eingesetzt, in den Play-offs kamen Moritz Rötzer, Stefan Brossart und Sebastian Faller dazu. Mit einem Korsett wurde Spaichingen im zweiten Finale der Best-of-Three-Serie mit 6:4 zum zweiten Mal geschlagen. Seit Mai 2018 haben die Landauer nicht mehr verloren.
Jochen Weisbrod ist Verteidiger. Der 31-Jährige, der beim SV Mörlheim wieder als Fußball-Torhüter einsteigen will, dort angefangen hat, die E-Jugend zu trainieren, hat auf dem Feld den Überblick. Wieso ist er der Erfolgreichste in der Liga? „Ich weiß, wo ich hinlaufen muss“, sagt er zu seinen 40 Toren und 24 Assists. Teamfähigkeit, Tempo, Kraft und Ausdauer müsse man mitbringen und mit dem Schläger umgehen können.
Er ist Fleischer im elterlichen Betrieb, den nun sein älterer Bruder Stephan (37) führt. Der gehörte zu den Ersten, die in Landau Skaterhockey spielten, Landau Fire nannte sich die Gruppe. 1999 ist das Gründungsjahr. Ein Jahr später kam Jochen Weisbrod dazu. In der Verteidigung spielt er mit wechselnden Partnern, zuletzt mit Lucas Hillenbrand: „Das hat in den Play-offs wirklich gut funktioniert.“
Dominic Humbert ist Stürmer. Der 31-Jährige hat Bankkaufmann gelernt, studierte danach Wirtschaftsrecht in Mainz. „Ab Dezember geht es endlich wieder beruflich weiter“, sagt er zum zunächst befristeten Job bei SAP im Personalbereich. Wenn er aufzählt, wie sich Skaterhockey-Spieler kleiden, kommen, mittlere Qualität, schnell 1000 Euro zusammen: Skater, Schienbeinschützer, Hose, Handschuhe, Ellbogenschützer, Helm, Visier, Schläger. Wenn gewünscht Schulterschutz.
Der IHC hat einen festen Ausrüster. Für Jugendspieler, so Humbert, gebe es Startersets für etwa 350 Euro. Sein Sturmpartner ist Hülsenbeck. Jeweils vier Feldspieler sind auf dem Feld, ein Stürmer- und ein Verteidigerpaar. Im Idealfall kommen alle vier blockweise aufs Feld.
Die Mannschaft
Humbert stellt die anderen der Mannschaft vor: Torhüter Michael Mietho ist Gruppenleiter bei Daimler, Martin Spengler, Ersatztorhüter, arbeitet für den Tüv. Christopher Keßler (23), seit fast fünf Jahren Kapitän, ist in der Logistik bei Caratec, Lucas Hillenbrand, zweiter Teamchef, ist Bankkaufmann in Bad Bergzabern. Stefan Brossart arbeitet im gleichnamigen Fliesen-Meisterbetrieb in Minfeld, Sebastian Faller führt ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen in Hatzenbühl. Christoph Braun ist bei Hornbach im Einkauf tätig. Moritz Rötzer ist Pfleger. Leon Hülsenbeck studiert in Karlsruhe Architektur und gehört zu den jungen Spielern wie Sven Frank, Maximilian John, Adrian Hund und Tobias Lindemann, die Abiturienten oder in Ausbildung sind.
Zur Sache: Die geplante Halle
Im Millionenspiel Inlinehockey-Halle im dreigeteilten Mehrgenerationen-Park in Arzheim geben Banken dem IHC Landau im Idealfall günstig Darlehen. Dominic Humbert, der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, zählt auf, was gut läuft: Die Stadt hilft bei Bebauungsplan und Erbpacht; in der Sportstättenförderung ist das Projekt auf der Eins; bis zu 40 Prozent Förderung vom Land sind möglich.
Ein Spielfeld zu bauen und später ein Dach drüber, das wurde verworfen. Denn Förderung gebe es nur an einem Stück. 40 x 20 Meter misst das Spielfeld auf einem Boden ähnlich dem in der früheren Halle in der Eutzinger Straße: fest, glatt. Dazu ein Kabinentrakt. Sanitäranlagen. Küche. Besprechungszimmer. Eine Halle in Fertigbauweise soll entstehen. „Die Dachträgerkonstruktion ist am teuersten“, sagt Humbert. Anfänglich mit 600.000 bis 800.000 Euro gerechnet, sind es inzwischen, bei einer abgespeckten Variante, etwa 1,1 Millionen Euro, die für die Halle zu investieren sind. Das erste Architektenhonorar wird fällig.
Dominic Humbert denkt an eine Art Anleihe für Vereinsmitglieder. Der Rollsportverein und Bogenschützen könnten die Halle auch nutzen. Sie könnte für Veranstaltungen vermietet werden.
Thomas Cattarius