Lokalsport Südpfalz
Helden im Hintergrund: Als der Fußball ins Dorf kam – Gerhard Rihm und der SV Mörlheim
Bei einem B-Jugendspiel zwischen dem FC Insheim und dem ASV Landau fehlte dem Gastgeber ein Spieler. „Daraufhin wurde ich angesprochen, ob ich nicht auflaufen möchte. Sehr zügig wechselte ich meine Sandalen gegen ein paar viel zu kleine Fußballschuhe“, erzählt Gerhard Rihm. „Durch dieses Ereignis habe ich im wörtlichen Sinne Blut geleckt für den Fußballsport.“ Später drängte er darauf, mit anderen im Heimatort einen Fußballverein zu gründen, den SV 1964 Mörlheim.
Der erste Torschütze
Der 73-Jährige wohnt sein Leben lang im Landauer Stadtteil. Sein Eigenheim hat er im großen Garten des in der Hauptstraße liegenden Elternhauses gebaut. Wie war das mit dem Fußball im Ort? „Nach den üblichen anfänglichen Schwierigkeiten, nicht selten setzte es deutliche Niederlagen, da die taktische Ausrichtung fehlte und jeder stürmen wollte, konnten wir uns rasch fußballerisch verbessern und im Jahre 1970 den Aufstieg in die B-Klasse feiern“, schildert der erste Torschütze des SV Mörlheim. Bis 1973 bereicherte Rihm das Angriffsspiel der Grün-Weißen auf der Position des linken Läufers.
Am Otto-Hahn-Gymnasium in Landau legte Rihm das Abitur ab. Danach machte er eine Ausbildung zum Elektromechaniker in Herxheim. Nach der Lehre ging er zur Bundeswehr in Germersheim – und entschied sich für ein Nachrichtentechnik-Studium an der Karlsruher Hochschule. Bei der Firma Siemens machte der Diplom- Ingenieur (FH) seinen Abschluss und bekam dann ein tolles Jobangebot. „Jedoch hatte ich nicht die Motivation, täglich eine gute Stunde im Verkehrschaos zu verlieren“, erzählt er. Seine Brötchen verdiente sich der dreifache Großvater bei der Bundespost in Neustadt im Fernmeldeamt. „Ich war im Vertrieb tätig und half mit, größere Kunden zu betreuen.“
Sein größtes Hobby
Heute unternimmt er gerne mit seiner Frau und befreundeten Ehepaaren Fahrradausfahrten entlang der Flusslandschaften im süddeutschen Raum. Vor allem von den Radfahrwegen an der Donau, an Kocher und Jagst und am Rhein sind sie angetan. Jeden Mittwoch stehen kleinere Radtouren an den Paddelweiher in Hauenstein, die Straußwirtschaft Junghof in Heuchelheim und Einkehrmöglichkeiten in Hainfeld, Speyer oder Germersheim an. Er schaut sich die Spiele des 1. FC Kaiserslautern und des SV Mörlheim an und nennt die Arbeit im heimischen Garten als weitere Leidenschaft. Sein größtes Hobby: lesen. Er hat zwei Nachrichtenmagazine abonniert, liest die RHEINPFALZ, recherchiert gerne naturwissenschaftliche Berichte oder greift sich ein Buch. Zuletzt las er „Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus“ von Juan Moreno.
Sein Organisationstalent hat er durch regelmäßige Teilnahmen an Veranstaltungen verbessert. In seiner Jugend half er viel beim Aufbau der Veranstaltungen des Radsportclubs. Er organisierte Fußballturniere und brachte sich mit seiner Frau jahrelang bei den Thekendiensten nach den Trainingseinheiten oder an Spieltagen ein. Nach wie vor hilft er bei Arbeitseinsätzen und Festlichkeiten des SV Mörlheim tatkräftig mit.
250 Exemplare mit Infos aus dem Verein
Beim SV Mörlheim war Rihm von Anfang an Beisitzer im Vorstand. Ab dem Jahr 1976 war er für 23 Jahre Schriftführer. Ab 1985 brachte er sechs Jahre lang das Vereinsmagazin „Fußball Info“ heraus. Im April 2015 konnte sich der Ur-Mörlheimer wieder dafür begeistern, das umbenannte Vereinsmagazin „SVM Knaller“ zu betreuen. Er, der Vorsitzende Georg Messerschmitt, Martin Boewen, Ralf Horder, Christian Traxel und Marco Neumann veröffentlichen jährlich bis zu zehn Ausgaben mit aktuellen Informationen rund um den SVM, Spielberichten der sechs Jugend- und zwei Herrenteams und Berichten über andere Vereine. „Als Redakteur bin ich pro Magazin zwölf bis 15 Stunden mit dem Schreiben von Berichten, dem Formatieren von Bildern und dem Recherchieren zuständig. Pro Auflage werden 250 Exemplare gedruckt und an vielen Anlaufstellen innerhalb der Ortschaft ausgelegt“, erzählt Rihm.
Die Sache mit dem Container
Bei Fußballturnieren ist er am Bräter zu finden, bei Schlachtfesten in der Küche. Mit Rechner Gerhard Neumann, seit 1990 im Amt, widmet er sich einem neuen Projekt: „Dem Verein wurde ein rund sechs Meter langer und zwei Meter breiter Schiffscontainer geliefert, der als Stauraum für Spiel- und Trainingsutensilien genutzt werden soll. Für die Neudeckung des maroden Daches habe ich eine Skizze entworfen und die Materialbeschaffung durchgerechnet. Danach soll der Container noch ein Fenster bekommen und farblich seiner Umgebung angepasst werden.“
Grundlage seines Engagements „ist die Begeisterung für den Fußball“. Interessant sei zu sehen, wie schnell sich die Kleinsten entwickelten und wie früh fußballerisches Talent erkennbar sei. Das Zusammensitzen nach Training und Spielen bereitet dem kontaktfreudigen Menschen viel Freude. „Es läuft alles sehr kameradschaftlich ab und wir sind eine große Fußballfamilie. Viele Spieler von auswärts finden beim SV Mörlheim ihre sportliche Heimat, da wir über eine gute Infrastruktur verfügen. Die Summe vieler Entscheidungen brachte dem SV Mörlheim ein gutes Vereinsleben ein“, meint Rihm, der sich einbringen will, „so lange ich laufen kann und meine Mithilfe gebraucht wird“. Mit seinem Sohn konnte Rihm einmal in der zweiten Mannschaft gemeinsam auflaufen. Aber auch die Enkelinnen sind allesamt fußballbegeistert.