Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Wie Torhüter Felix Schilling zur HSG Landau/Land gekommen ist

Felix Schilling im Tor der HSG Landau/Land beim verlorenen Auftaktspiel in Kuhardt.
Felix Schilling im Tor der HSG Landau/Land beim verlorenen Auftaktspiel in Kuhardt.

Blaue Flecken nach dem Spiel? „Eigentlich nicht“, sagt Felix Schilling. Unter der Dusche erkennt er vielleicht noch Rillen des Balls, die Spuren verschwinden. Seit dieser Runde ist der 25-Jährige aus Speyer Torhüter beim Handball-Pfalzligisten HSG Landau/Land – und behebt eine kleine Größen-Schwäche. Cedric Hener und Jonas Hoffmann, die beiden anderen Torhüter, erreichen nicht seine 1,87 Meter an Körpergröße.

Eingefädelt hat den Wechsel Schillings von der HSG Lingenfeld/Schwegenheim zur Landauer Spielgemeinschaft ein ehemaliger Torhüter, Manfred Siener. Der 58 Jahre alte Spielleiter der HSG, der sich mit Infos aus Facebook und Telegram und „von Leuten, die andere Leute kennen“, ein Spielerregister mit Kontakten angelegt hat, kombinierte, nachdem klar war, dass Schillings Mannschaft sich freiwillig von der Verbandsliga in die A-Klasse zurückziehen wird, und rief an: „Kannst du dir vorstellen, in der Pfalzliga zu spielen?“ Schilling habe gezögert, er habe ihn überreden können. Am 18. August kam der Spieler, der in Schwegenheim aufwuchs, zum Probetraining, die Woche darauf stieg er ins Mannschaftstraining ein. Aus heiterem Himmel sei der Anruf gekommen, sagt Schilling. „Der erste Eindruck war positiv. „Ich habe mich relativ schnell entschieden und habe es noch nicht bereut.“

Freilich wurde erst zweimal gespielt. Nach dem 39:32-Heimsieg am 11. Oktober gegen die HSG Kaiserslautern bekam er viel Lob von Trainer Joachim Held. Danach waren Herbstferien. Und seitdem ist Pause wegen des zweiten Lockdowns.

Signal auf Corona-Warn-App

Mittlerweile hat Schilling selbst indirekt Corona-Erfahrungen gemacht. Nach einem familiären Treffen gab es ein positives Ergebnis aus diesem Kreis. Er wartete darauf, dass er vom Gesundheitsamt benachrichtig wird, wann und wo er sich testen lassen soll. Und wartete. Er würde heute noch warten.

Schilling, freiwillig in Quarantäne, wurde selbst aktiv, nachdem ein Signal auf der Corona-Warn-App einging. Er kontaktierte seinen Hausarzt und kam über ihn zu einem Test. Ergebnis: negativ. Auch die anderen seien negativ getestet worden. Was Schilling stört: Die Gruppenmitglieder hätten sich zu drei unterschiedlichen Teststationen begeben müssen. „Das hätte man einfacher machen können“, meint er.

Dem positiv Getesteten, der starke Grippe-Symptome gehabt habe, soll es wieder gut gehen. Schilling überlegt: „Entweder ist es vom Gesundheitsamt gewollt, dass sich nicht so viele testen lassen, oder die Kapazitäten sind ausgeschöpft.“

Seit der D-, C-Jugend im Tor

Er hat Youtube-Videos erhalten mit Übungen und Anleitung für ein Training zu Hause. Dass die Meisterschaft im Dezember weiter geht, kann er sich nicht vorstellen. Sein Kalkül: 15 Spieler treffen bei einem Spiel auf 15 andere Spieler, die alle berufliche oder private Kontakte haben. Das Risiko, dass sich einer infiziert hat und das Virus überträgt, sei hoch. Die Euphorie, die von der Nachricht über den von Biontech und Pfizer entwickelten Impfstoff ausgelöst worden ist, hat sich bei ihm schnell gelegt, nachdem er ein Erklärvideo der Reihe „quarks“ gesehen hat: Die Impfung dauert Jahre.

Schilling besuchte den Kindergarten, als er in Schwegenheim mit dem Handball in Berührung kam. Da waren Kinder von Handballern, ihnen schloss er sich an und ging mit ins Training. In der D- oder C-Jugend, viele gingen mal ins Tor, schälte sich die Position heraus, die der Sport für ihn ausgesucht hat: Torhüter. Wobei er nie ein Vorbild hatte.

Prozessmanager im Homeoffice

In der Quarantäne hat Schilling nicht sehr viel verpasst. Seit März arbeitet er als Prozessmanager im Homeoffice. „Ein BWL-Bürojob.“ In Ludwigshafen hatte er den Bachelor in Wirtschaftsinformatik abgelegt, in den USA den Master of Business Administration.

Es ist nicht abzusehen, wann er mit seinem VW-Golf wieder ins Training nach Albersweiler fährt. 35 Minuten ist er unterwegs. Die Position Torhüter habe auch schöne Seiten, sagt er. Es sei ein sehr gutes Gefühl, dem Gegner klare Chancen zu vereiteln. Auch zwei Brüder sind Torhüter, einer spielt ebenfalls Handball, einer Fußball. Beim Fußballer hat er sich einen Spruch auf dem Handschuh gemerkt: „Man muss nicht verrückt sein, um ins Tor zu gehen. Aber es hilft.“

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