Lokalsport Südpfalz
Handball: Risiko Derby – Wenn sich Sportverletzungen häufen
Wenn es emotional wird wie bei Derbys, steigt das Risiko von Sportverletzungen. Das weiß Physiotherapeut Tristan Benz. Er war einige Jahre Betreuer der Ottersheimer Männermannschaft. Am Sonntag spielt die SG OBK in der Pfalzliga gegen den TV Wörth.
Ist Handball hart? „Sehr. Ein richtiger Männersport.“ Sind Derbys härter? „Ich kann mich an Spiele erinnern, da war ich mehr auf dem Platz als auf der Bank. Immer wenn Emotionen ins Spiel kommen, wird es hart.“ Der Ottersheimer Tristan Benz kennt sich aus. Aus zwei Blickwinkeln: der Perspektive des Spielers (bis zur Pfalzliga-Meisterschaft 2011) und der Perspektive des Mannschafts-Physiotherapeuten (bis vergangene Runde). Am Sonntag spielt die SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam in der Handball-Pfalzliga gegen den TV Wörth (18 Uhr, Spiegelbachhalle Bellheim).
Auf einem Meisterfoto der Ottersheimer steht Benz, Rückraumspieler, 1,88 Meter groß, hinten links. OBK stieg nach einem 29:25 beim härtesten Verfolger TSV Iggelheim 2011 in die Oberliga auf. Auch auf dem Foto als Betreuerin: Melina Dörr, Handballerin und ebenfalls Physiotherapeutin.
Zwei schwere Verletzungen pro Jahr
Warum ist er nach dem Aufstieg ausgestiegen? „Es wurde mir zu viel“, sagt der 29-Jährige, der noch zweimal in der Oberliga aushalf. Damals arbeitete er am Klinikum Landau, Schwerpunkt Orthopädie und Schmerztherapie. 2013, er fing an, sich seine eigene Praxis aufzubauen, übernahm er die medizinische Betreuung der Ottersheimer Männermannschaft. Seit drei Jahren ist er selbstständig. Heute hat er fünf Mitarbeiter, nicht jeden in Vollzeit. Darunter Melina Dörr. Es wurde ihm zu viel, die Mannschaft als Physio zu begleiten: „Den Eispack drauflegen, das können andere auch.“
Wunden zu kühlen, ist das Erste, woran man bei leichten Verletzungen denkt. Prellungen, Kratzer sind beim Handball alltäglich. Heftige Verletzungen? Kreuzbandrisse, Schultersehnenverletzungen. „Zwei pro Team im Jahr schätzte ich mal“, sagt Benz, dessen Praxis die erste Adresse ist, wenn sich OBK-Spieler verletzen. Seltene Schultereckgelenksprengungen, sehr schmerzhaft, sind ein Fall für Chirurgen.
VBG-Sportreport: Knie vor Sprunggelenk
Oft wird der VBG-Sportreport 2018 herangezogen. Ergebnisse: Nur etwa jeder fünfte Handballer kommt verletzungsfrei durch die Saison. Nur bei jeder fünften Verletzung ist ein Foul ursächlich, die meisten Verletzungen gibt es bei üblichen Zweikämpfen. 2016/17 in der 1. und 2. Bundesliga am häufigsten betroffen: Kniegelenk vor Sprunggelenk, Oberschenkel, Schulter. Gut jede siebte Verletzung geht auf einen Stoß oder Schlag zurück, die häufig zu inneren Blutungen bei Gelenken, Muskeln und Sehnen führen. Frauen sind verletzungsanfälliger als Männer. Die Saisonvorbereitungsphase ist risikoreich.
Bänderverletzungen, Meniskus, Kreuzband, Sehnenentzündungen: Physiotherapeuten können helfen. Benz ist Lymphtherapeut, Manualtherapeut und Heilpraktiker für Physiotherapie. Er berichtet von extrem viel Verletzungspech bei OBK in den vergangenen beiden Runden in der Vorbereitung.
Jeder Spieler reagiert anders
Lars Spielmann ist wieder dabei. Schultersehnenverletzungen, gerade bei Handballern, wenn ihnen in den Wurfarm gegriffen wird, „kommen recht häufig vor“, sagt Benz. Torhüter Timo Bauchhenß spielt auch wieder. Harte Würfe mit gestrecktem Arm abzufangen, kann zu Schleimbeutelentzündungen im Ellbogen führen. Ein anderer Spieler ist bei ihm in der Nachbehandlung nach einem Kreuzbandriss, der noch mal operiert werden musste. Benz: „Das ist schon ein großes Drama bei ihm.“
Genetische Dispositionen, die Anatomie, X- oder O-Beine, Muskelgewebe, Belastungsverteilung: Jeder Spieler reagiert anders. Patrik Sefrin, der sich wieder in die Mannschaft zurückkämpft, zuletzt vier Tore erzielte, machen immer wieder die Knie zu schaffen.
Der Kreuzbandriss an sich führe zu einem kurzen, stechenden Schmerz, sagt Benz. Wenn operiert wird, wird in der Regel von mindestens sechs Monaten Pause ausgegangen. Benz rät, Verletzungen zu kurieren: Zu viel Ehrgeiz, zu schnell zurückkommen zu wollen, sei ein großer Fehler, der Rerepturen begünstige.
Mal sehen, ob sich am Sonntagabend ein Spieler in Bellheim verletzt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch im Südpfalz-Derby. thc