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Gerd Mühldorfer: Der Erlenbacher, der fast alles kann
„Ich habe eine solche Fülle und Bandbreite an Tätigkeiten bei einem vorher noch nie erlebt.“ Das sagt der Südpfalz-Kreisvorsitzende Karl Schlimmer (Klingenmünster) über den Fußballer Gerd Mühldorfer vom SV Erlenbach. Der 51-Jährige ist mit dem DFB-Ehrenamtspreis 2021 ausgezeichnet worden.
Ein Schwerpunkt: die Pflege des Rasenplatzes. Bei vielen Vereinen erledigt das die Kommune, beim SVE macht das Mühldorfer. Neben dem Mähen ist er gerade im Sommer häufig mit Walze und Gitter unterwegs, der Zustand des Platzes hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.
„En Zehner fer de Mäher“
Als im vergangenen Jahr der Rasenmäher defekt war, rief er die Aktion „En Zehner fer de Mäher“ ins Leben. Er legte aus eigener Tasche für jede eingegangene Spende der Vereinsmitglieder einen Zehner drauf. So kamen 4000 Euro zusammen, von Mühldorfer zusätzlich 750 Euro.
Er organisiert alles rund um den Wirtschaftsbetrieb im Clubhaus, das außer montags jeden Tag geöffnet ist. Bei den Schlachtfesten bereitet er tagelang alles vor, macht am Freitag die Wurst und bereitet am Samstag die Schlachtplatten zu. Eine Haupteinnahmequelle des Vereins sind die fünf bis sechs Rumpsteakabende im Jahr. Sie sind im ganzen Kreis bekannt, an Donnerstagen gehen dann rund 300 Rumpsteaks über die Theke. Mit den Vorarbeiten beginnt Mühldorfer schon Tage vorher: Soßen vorkochen, Fleisch ausputzen. In der Küche wird er von seiner Tante am Herd unterstützt.
Der „Brasilianische Abend“
Das Vereinsheim ist ein beliebter Ort für Betriebsfeste und Familienfeiern. Mühldorfer kümmert sich um den Belegungsplan. Ein Höhepunkt ist der „Brasilianische Abend“, an dem rund 80 Brasilianer feiern und tanzen.
Montag ist Ruhetag, doch nicht für Mühldorfer. Er nennt es „Hausmeistertag“. Er reinigt die Bierleitungen, kehrt das Vordach, räumt das Lager auf. Erlenbachs Ortsbürgermeister Maik Wünstel: „Gerd ist ein ganz wichtiger Baustein des kulturellen Miteinanders in unserem Dorf. Wir sind heilfroh, dass wir ihn haben.“
Seit 1987 in der Vereinsführung
Die Kerwe dümpelte jahrelang vor sich hin. Dann holte die Gemeinde den Sportverein ins Boot. Seitdem verköstigt Mühldorfer mit seinem Team drei Tage lang im Bürgerhaus die Gäste. Bei den Theaterabenden führte er schon Regie, steht als wilder Casanova oder Bauernsohn auf der Bühne.
Besonders am Herzen liegt ihm die Jugendarbeit. Mühldorfer war viele Jahre selbst Trainer im Nachwuchsbereich. In den zurückliegenden Jahren hat er diesen wiederbelebt.
In der Coronazeit haben die von ihm bekochten Mitglieder unter seiner Regie neue Fenster im Clubhaus eingebaut, die Einfahrt gepflastert und das Vordach erneuert. Seine Partnerin hat Verständnis für sein Engagement, sie unterstützt ihn häufig. Sie ist selbst ein „Vereinsmeier“ und gibt Tanz- und Fitnesskurse in der TG Karlsruhe-Aue.
Mühldorfer schätzt seine wöchentliche Tätigkeit auf mindestens 40 Stunden. Seit 1987 arbeitet er in der Vereinsführung mit, seit 2001 als Vorstand für den wirtschaftlichen Bereich. Was treibt ihn an? „Ich habe immer ein gutes Team um mich herum. Mich freut es, wenn die Leute zufrieden sind. Vor allem unsere alten Mitglieder, die den Verein aufgebaut haben, sollen sehen, dass es weitergeht.“
Der früher gefürchtete Verteidiger arbeitet bei Daimler-Benz in der Entwicklungs- und Prototypenwerkstatt. Bei der Deutschen Bahn hatte er Maschinenschlosser gelernt. Dort war er bis zum Jahr 2000 für die Lok-Instandhaltung zuständig.