Lokalsport Südpfalz
Fußballgeschichten: Die Fußball-WM 74 und die Flut in Zeiskam
30 Millionen Menschen sahen bei der Fußball-WM 1974 die Wasserschlacht von Frankfurt, die Deutschland ins Finale gegen die Niederlande brachte. Darunter war Roland Humbert. Der „Tag, als der Regen kam“ ruft beim ehemaligen Vorsitzenden des TB Jahn Zeiskam Erinnerungen wach, wurde doch an diesem Sonntag der Rasenplatz an der Bellheimer Straße eingesät.
Um 8 Uhr hatten sich der Vorsitzende und sein Stellvertreter Kurt Hecky an diesem Sommertag eingefunden, um den Grassamen mit einer Rasensämaschine auf dem vorbereiteten Platz auszubringen. „Die Maschine konnte in der Breite lediglich 80 Zentimeter gleichzeitig besamen. Im Zeitlupentempo brauchten wir bis zum späten Nachmittag, um die gesamte Grundfläche einzusäen“, erinnert sich Humbert.
Bedenken in der Bahnhofswirtschaft
Zur Belohnung ging es in die Bahnhofswirtschaft, ein beliebter Treffpunkt der Zeiskamer Fußballanhänger, wenn das Clubhaus geschlossen war. Dort bestaunten sie das WM-Spektakel von Frankfurt. Es dauerte nicht lange, dann erreichte das Unwetter die Vorderpfalz. Humbert freute sich zunächst über das „Angießen“. Schnell kamen Bedenken auf.
Tatsächlich. „Da der Platz in der Mitte 30 Zentimeter höher als an den Außenseiten angelegt war, schwemmte die Flut einige Grassamen nach außen“, sagt der 78-Jährige. Die Maschine hatte zum Glück gut gearbeitet. Viele Samen waren in die Erde eingearbeitet, bald entstand ein schöner Rasenteppich.
Die Vereinsführung beschloss damals, das neue Grün als Ausweichplatz auf dem lange brach liegenden Gemeindegelände zu erstellen. Der damalige Bürgermeister Heinrich Butz förderte die Idee. Zuschüsse konnte sich die Gemeinde, nach Kanalisation und Straßenbau im gesamten Dorf, nicht leisten. Auch von der öffentlichen Hand gab es nichts. Der Verein hatte zu der Zeit einige aktive Mannschaften und bis zu acht Jugendteams. „Das war für den alten Sportplatz am Dorfrand, dessen Untergrund aus Lehm und Letten bestand, ganz einfach zu viel“, sagt Humbert.
Aus Ausweichplatz wird Hauptplatz
Der neue Platz sollte zumindest in der Zeit, in der kein Flutlicht benötigt wurde, Ausweichstätte sein, vor allem für den Trainingsbetrieb der Jugend. Nachteil: Dort gab es keinerlei Infrastruktur. Aber der Platz, auf sandigem Untergrund gebaut, war immer noch bespielbar, wenn das Gelände an der Friedhofstraße längst unter Wasser stand. Er entwickelte sich somit, eigentlich ungeplant, zum Hauptspielfeld. Eine Entwicklung, mit der der Verein bei der Planung nicht rechnete. Dann wäre sicher auch eine Drainage eingebaut worden. Heute ist das ein Nachteil, auch wenn das Spielfeld nach fast 50 Jahren immer noch in gutem Zustand ist. Viele motivierte, ehrenamtliche Kräfte kümmern sich um den Rasen.
Die Ablösung
Bürgermeister Butz ermunterte den Verein schließlich, den gesamten Spielbetrieb in die „Sauheide“ zu verlegen. Wohl wissend, bemerkt Humbert, dass dann etwa 14.000 Quadratmeter baufreies Gelände direkt am Ortsrand und mit Anschluss an das Straßennetz und die Versorgungsleitungen an die Gemeinde übergehen würde. 1986 baute sie dort einen Tennenplatz mit einem Eigenanteil von 360.000 Mark. Für etwa 40 Prozent der zurückgewonnenen Fläche habe die Gemeinde einige Jahre später 900.000 Mark erlöst. Geld für Neubau und Generalsanierung der Grundschule, Generalsanierung des Rathauses und Gestaltung des nördlichen Ortsrandes, einschließlich der Anlegung der Parkplätze im Bereich der Fuchsbachhalle.
Bald steht wieder eine Wachablösung des Zeiskamer Hauptspielfeldes an. Geht alles gut, entsteht bis Ende des Jahres ein neuer Kunstrasen mit Flutlichtanlage.