Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Raus aus dem Wellental – Sven Sellentin will zur Polizei

Sven Sellentin bei einem seiner letzten Spiele für den FKP.
Sven Sellentin bei einem seiner letzten Spiele für den FKP.

Einst in der Jugend beim 1. FC Kaiserslautern schon aussortiert, stand er einige Jahre später ganz kurz vor der Dritten Liga, heute befindet sich der Landauer Sven Sellentin in einer Phase der Umorientierung – weg vom Profifußball, hin zum Polizisten. Sein Wechsel zum FK Pirmasens sei schon einer dieser Schritte gewesen. Der nächste folgt. Dem 26-Jährigen sind noch ganz andere Dinge wichtig.

Sellentins Weg ist gewiss kein gewöhnlicher. In der Jugend des FV Queichheim begann die fußballerische Laufbahn des rechten Mittelfeldspielers, für den es über den FSV Offenbach – auch mit Förderung von Talenttrainer Hanjo Schellberg, wie Sellentin anmerkt – in die Jugend des 1. FC Kaiserslautern ging. Während Sellentins Ausbildung lief, schaffte der FCK sogar noch mal den Sprung in die Bundesliga – und auch Sellentin gehörte zunächst zum Stamm seiner Nachwuchself. Als der Landauer in die A-Jugend aufrückte, sah es plötzlich anders aus: Der Verein signalisierte dem Vorlagengeber, dass er wohl nur noch selten zum Einsatz kommen werde.

Sellentin landete ausgerechnet bei Lauterns Erzrivale SV Waldhof Mannheim. „Ich hatte damals keinen Berater und nur wenige Kontakte, trainierte dort mit und bekam dann die Gelegenheit, dort in der U19-Bundesliga zu spielen“, berichtet Sellentin von damals: „Außerdem ist die Rivalität der Vereine im Nachwuchsbereich eigentlich nicht zu spüren.“

Aus einem Jahr werden drei

Mit dem altersbedingten Wechsel zu den Erwachsenen hatte der Südpfälzer inzwischen zwar einen Berater, der ihm auch Angebote vom 1. FC Nürnberg und dem damaligen Regionalligisten SC Idar-Oberstein offerierte; doch „weil ich unbedingt mein Fachabitur zu Ende machen und auch daheim bleiben wollte, entschied ich mich für ein Jahr in der Oberliga beim SC Hauenstein. Schließlich spielte der SC ja unter Heiko Magin und Rudolf Benkler oben mit.“ Aus dem einen Jahr wurden dann aber drei, Sellentin lernte auch den heutigen Münster-Coach Sascha Hildmann als Trainer kennen. „Es war nicht leicht, aus der Oberliga zu kommen. Die Vereine aus den höheren Klassen suchen Spieler, die viele Tore machen, ich aber bin eher der Vorlagengeber“, sagt Sellentin, dessen Karriere ins Stocken geraten war.

Fahrt nahm sie aber wieder auf, als er den Berater gewechselt und dazu in einem Ligaspiel gegen den SV Elversberg drei Treffer aufgelegt hatte. Die Saarländer verpflichteten den Pfälzer. Dort trat Sellentin in eine neue Fußballwelt. Er lebte und trainierte teils in Frankreich, das Tempo war viel höher, mit Michael Wiesinger hatte er einen Ex-Profi als Trainer, der eine Professionalität an den Tag legte, wie Sellentin sie nie zuvor erlebt hatte. Er biss sich rein, wurde vom Ergänzungsspieler gegen Ende der Hinrunde zum Stammspieler. Dann riss das Syndesmoseband.

Verflixte Relegation

Dennoch stand Sellentin in den Aufstiegsrelegationsspielen zur Dritten Liga gegen den FSV Zwickau zweimal auf dem Platz. „Wir waren in beiden Spielen besser, aber Zwickau hat gewonnen. Es war unheimlich bitter, sie feiern zu sehen und dann acht Stunden heimfahren zu müssen“, erinnert er sich an seinen Karrierezenit eher mit gemischten Gefühlen. Im nächsten Jahr schaffte Elversberg wieder den Einzug in die Relegation, scheiterte aber an Unterhaching. Sellentin verfolgte das auf der Tribüne – mit einem Kreuzbandriss.

Seine Zeit beim SVE, mit dem er Saarlandpokalsieger wurde, tolle Derbys vor 10.000 Zuschauern gegen Saarbrücken erlebte, neigte sich auch deshalb dem Ende entgegen. Beim FC 08 Homburg wollte er vor gut einem Jahr neu durchstarten. „Ich war wieder völlig fit, aber lag mit dem Trainer nicht auf einer Wellenlänge, spielte wenig.“ Sein Vertrag wurde nach einem Jahr aufgelöst. „Mit dem Wechsel zum FKP war eigentlich dann klar, dass ich die ganz große Karriere nicht mehr schaffe.“

FKP-Amateure gegen Profis

Unglücklich ist der Rechtsfuß (63 Regionalligaspiele/7 Tore) aber nicht: „Die Kameradschaft ist hier ganz anders, weil in der Regionalliga alle Profis sind und viel härter um ihre Plätze und Karrieren kämpfen.“ Während in Elversberg und Homburg zweimal täglich trainiert wurde, geben sich in der Schuhstadt alle große Mühe, um mit Amateuren auf Regionalliganiveau mitzuhalten, weiß Sellentin diesen Umstand sehr gut einzuordnen. „Daran sieht man, warum wir es so schwer haben, gegen Teams wie Homburg, Elversberg oder Kickers Offenbach mitzuhalten, wenn hier jeder abends nach der Arbeit noch zum Training kommt.“

Sellentin, der immer „früh und viele Kinder wollte“, wird das künftig so nicht leisten können – oder wollen. Er steht kurz vor einer Einstellung als Azubi bei der saarländischen Polizei, ist Familienvater dreier Kinder – und dankbar, dass er mit seiner Frau so gut harmoniert.

„Zuerst kommt Jesus“

Die Kraft für alles holt sich der schnelle Fußballer, dem auf dem Feld immer wieder kleine Geniestreiche gelingen, auch aus seinem Glauben. Er hat sich in Landau der Erlebt-Gemeinde am Neuen Messplatz angeschlossen, nachdem er in Elversberg über einen Mitspieler zu Hauskreisen und Gebeten gekommen war und den Verein Sportler ruft Sportler kennenlernte. Heute sagt er: „Zuerst kommt Jesus, dann der Rest“, beispielsweise das Fitnesstraining, das er momentan in der dafür eingerichteten Garage absolviert.

Nebenbei bewahrt sich Sellentin seine Kontakte zu ehemaligen Mitspielern wie Steffen Litzel, Julian Scharfenberger (beide Dudenhofen), Nico Pfrengle (Jockgrim) sowie Milot Berisha und Patrick Brechtel (Rülzheim): „Die Fußballwelt ist doch ziemlich klein. Ich verfolge immer die Ergebnisse der Jungs, aber bin auch oft mal mit der Familie in Rülzheim oder Zeiskam, um zuzuschauen.“

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