Handball
Feuerwehr? Wird schwierig
Ein Autounfall hinter Hochstadt. Adrenalin schießt durch den Körper des jungen Feuerwehrmannes. Er fühlt sich überfordert. „Ich bin da noch ziemlich unerfahren“, sagt Marc Busch. Der 21-Jährige ist wie sein Zwillingsbruder Christoph in einer Findungsphase. Bei der Feuerwehr haben die beiden die Truppmann-Ausbildung Teil 1 – das sind 16 Stunden Erste Hilfe und 54 Stunden allgemeine Ausbildung. Sie befähigt zum Lösch- und Hilfeleistungseinsatz unter Anleitung. Gerade haben die Zwillinge aus Offenbach anderes vor: Handball in der HSG Landau/Land. Sie sind vom erfolgreichsten südpfälzischen Männerverein, dem TV Offenbach, nach Albersweiler gewechselt, wo die HSG-Männer trainieren und spielen. Sie trainieren in der Vorbereitung je zweimal in der ersten (Pfalzliga) und der zweiten (Bezirksliga) HSG-Mannschaft.
Teambuilding in Berlin
Marc Busch wollte in die Pfalzliga-Mannschaft des TVO. Weil das nicht klappte, verlor er die Lust. Was ihm gefallen hat: Von der HSG wurde er zur Saisonabschlussfahrt, ein verlängertes Wochenende in Berlin, eingeladen, obwohl er noch gar nicht für sie gespielt hatte. Was in Berlin anstand? Der Auszubildende beim Automatisierungsprofi Stadler und Schaaf grinst: „Teambuilding“. Er ist im dritten Lehrjahr auf dem Weg zum Elektroniker für Automatisierungstechnik. Weil die Eltern im Nebenberuf einen Bauernhof führen, haben die Kinder nebenbei fast immer zu tun: „Heute haben wir Kürbisse geerntet und mit der Kartoffelernte angefangen“, erzählt Marc Busch.
Mit Handball hatte er in Offenbach bei den Superminis angefangen. Obwohl er sich zuletzt nicht durchsetzen konnte, ist er nicht im Streit gegangen. „Ich kann ja wieder zurückwechseln“, sagt er. „Man sollte sich nie die Türen verschließen.“ Er will sich weiterentwickeln, Spaß und Einsätze in der ersten oder zweiten Mannschaft der HSG Landau/Land haben.
17-Mann-Kader und neuer Cotrainer
Die Pfalzliga-Mannschaft beginnt die Runde am Samstag um 20 Uhr – in Offenbach. Es sei das letzte verbliebene echte Derby, sagt Spielertrainer Lukas Gerstle, obwohl der TV Wörth (am Samstag um 18 Uhr beim TuS Heiligenstein) und der TSV Kandel (beginnt am 2. Oktober in Speyer) auch in der Liga sind. Gerstle erachtet die Spiele gegen den TSV Speyer als ein Muss für jeden, der erfahrene Spieler aus höheren Klassen sehen wolle.
Er geht die Runde mit einem 17-Mann-Kader an. Wolfgang Riebel springt als Cotrainer für Christian Kopp ein. „Ich helfe gerne“, sagt der 68-Jährige, der ein Auge auf die Abwehr und die Torhüter hat. Torhüter Philipp Trogler ist einer der neuen Spieler. Er kommt vom TV Dahn, war vorher in Rodalben. Er ist für uns wirklich eine Verstärkung, er braucht noch ein bisschen“, sagt Riebel zur Besonderheit der Keeper: Trogler ist groß, Cedric Hener ist kleiner und „unten unheimlich schnell“. Felix Schilling nimmt sich eine Pause.
Florian Gerstle der Senior im Team
Zig Jahre als Trainer haben Riebel, der früher in Mengen Haferflocken mit Milch löffelte, jung gehalten. Seit er in Rente ist, hat er einen Kniff, um sein Gewicht, 74 Kilo, zu halten: nicht sattessen, mal einen Tag gar nichts essen.
Teamältester ist Florian Gerstle. Beim jüngsten Testspiel gegen Dahn setzte der 35-Jährige aus. Er schaut zu, als die Mitspieler zu Beginn des Trainings kicken. Er war hängengeblieben, bekam wieder Schmerzen im Knie. „Ich war beim Physio, es ist besser geworden“, sagt er und will am Samstag spielen. Teamjüngster ist Joel Rogers, er kommt aus der B-Jugend. Er ist groß, Kreisspieler. „Der Erste aus der Jugendabteilung, der kommt“, sagt der Spielertrainer. Von der B-Jugend, die zum ersten Mal in der Oberliga spielt, erwartet er sich künftig viel.
Gebirgsjäger in Mittenwald
Christoph Busch, der Ältere der Zwillinge, hat sich ausprobiert: Praktikum als Metallbauer und als Tischler, nun die Lehre zum Bäcker im Jugendwerk St. Josef. Elf Monate lang habe er freiwillig Wehrdienst geleistet, erzählt der 21-Jährige. Die Grundausbildung war in Bischofswiesen, danach war er bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe“, sagt Busch. Auf Menschen schießen könne er nicht.
Auf den TV Offenbach lässt er nichts kommen, aber: „Der Teamzusammenhalt war nicht mehr so.“ Bei der HSG Landau kann er mit einem weiteren Offenbacher trainieren, mit Marcus Benz. Zweitmannschaftsspieler Jan Schnabel, der 2020 noch in der Offenbacher A-Jugend war, gehört zum Freundeskreis.
Das Gefühl für eine gute Runde
Feuerwehrmann neben dem Handball, das werde schwierig, sagt Christoph Busch. „Und dazu noch Bäcker, das ist nicht optimal.“ Da ist ja auch noch der Ackerbau. Mais, der trocken sein muss, um geerntet zu werden, Weizen, Roggen, Zuckerrüben. Busch kann sich vorstellen, einmal in diesem Bereich ein Geschäft zu führen. „Ich arbeite schon gern. Aber ich will auch mal Zeit haben für mich“, sagt der Handballer.
Lukas Gerstle kann junge Leute, die schon ziemlich viel gemacht haben, gut gebrauchen. Er will, dass sein Team gemeinsame Werte schafft, sich auf und neben dem Feld „lupenrein“ verhält. Elliot Igbinedion ist ein erfahrener Spieler, kann aber nicht immer trainieren. Gerstle ist mutig: „Vom Gefühl her sind unsere Chancen auf eine erfolgreiche Runde so gut wie lange nicht mehr.“