futsal
FC St. Pauli erster Gegner in der Relegation
Ein Verein aus dem südpfälzischen Steinfeld spielt mit dem FC St. Pauli um den Aufstieg in die Bundesliga? Unglaublich, aber wahr. Der Futsal Nova Club Steinfeld empfängt am 23. April (18.30 Uhr, Sporthalle Rheinsheim) den Kiezclub zum ersten Relegationsspiel.
Der 52-jährige Alexander Heiss coacht das Team seit zwei Jahren. Der gebürtige Karlsruher wohnt seit 1996 mit seiner Familie in Steinfeld, als Sozialversicherungsfachangestellter arbeitet er bei der Betriebskrankenkasse von Siemens. Mit knapp 19 Jahren musste Heiss wegen einer schweren Knieverletzung seine Karriere als Spieler bei seinem Heimatverein VfB Knielingen in der Zweiten Amateurliga beenden. Er wurde Trainer. Zwei Jahrzehnte lang trainierte er bei der SG Siemens Karlsruhe von den Bambini bis zur ersten Mannschaft fast jedes Team. Er war Trainer beim VfR Ittersbach und SV Au am Rhein. Vor zwei Jahren erreichte ihn der Ruf von Nova-Vereinsmitgründer Samir Hasani. 2008 in Karlsruhe-Durlach ins Leben gerufen, hatte der Verein den Spielbetrieb 2015 eingestellt.
Die meisten Spieler kommen aus Baden
Heiss reaktivierte das Team. Viele von ihm früher trainierte Spieler zogen mit. Als Steinfelder ging Heiss den Wechsel vom Badischen zum Südwestdeutschen Fußballverband an. „Hier wird sich sehr um den Ausbau des Futsal bemüht“, sagt er. Nach einem Herzschlagfinale standen die Hallenkicker am 27. März als Meister der Regionalliga Südwest fest. Mit 17 Punkten lagen sie gleichauf mit dem TV Nierstein, auch die Tordifferenz war identisch. Vorteil Nova-Club: der direkte Vergleich. Nach einem 1:1 zu Hause hatte er bei den Rheinhessen mit 5:4 gewonnen. Der Torschützenkönig spielt für ihn.
Die meisten Spieler kommen aus Baden. Es ist eine Multi-Kulti-Truppe. „Es ist ein wichtiger Beitrag zur Integration, zudem hat Futsal gerade in den südeuropäischen Ländern einen viel höheren Stellenwert“, erzählt Heiss.
Vergebliche Hallensuche
Der Bosnier Anes Klicic ist Innenverteidiger beim Oberligisten TuS Mechtersheim und spielte zuvor beim TB Jahn Zeiskam und beim SV Büchelberg. Der Italiener Cosimo Chiarella war für Fortuna Kirchfeld und den ASV Durlach in der Landes- und Verbandsliga aktiv. Danijel Lucic aus Kroatien sicherte sich mit 15 Treffern die Torjägerkanone. Für Kickers Baden-Baden gelangen ihm in der Kreisliga A Südbaden bisher neun Treffer. Der Weißrusse Andrey Polegoshko ist Torhüter und Kapitän der Mannschaft.
Die Übungseinheiten sind montags und die Spiele samstags, um dem Spielbetrieb im Freien aus dem Weg zu gehen. Die Futsaler hatten ihre Heimat bis zum Februar in der Verbandsgemeindehalle in Bad Bergzabern. Nach der Sperrung wegen eines Wasserschadens machte sich Heiss vergeblich auf die Suche nach einer anderen Spielstätte in der Südpfalz. Die Bienwaldhalle in Kandel stand nur kurz zur Verfügung. Der Steinfelder kontaktierte Bürgermeister, überall bekam er mangels freier Kapazitäten Absagen. Aktuell werden die Partien in der Halle im Philippsburger Stadtteil Rheinsheim ausgetragen.
Südpfalz-Chef bietet Hilfe an
Acht Tage nach dem Spiel gegen St. Pauli geht die Relegation mit dem Heimspiel gegen die TSG Mainz-Bretzenheim als Neuntem der Bundesliga weiter. Nach dem Rückspiel am 8. Mai in Mainz geht es am 14. Mai zum Meister der Regionalliga Nord ans Millerntor. Trainer Alexander Heiss wähnt seine Mannschaft als Außenseiter: „Mainz ist die Hochburg des Sports in Rheinland-Pfalz, die Paulianer haben ganz andere finanzielle Möglichkeiten. Sollten wir uns dennoch durchsetzen, werden wir das Abenteuer Bundesliga wagen.“ Für die Schiedsrichterkosten und die teuren Auswärtsfahrten konnte er einen Bruchsaler Personaldienstleister als Sponsor gewinnen.
Südpfalz-Kreisvorsitzender Karl Schlimmer (Klingenmünster) gilt als Verfechter der Variante des Hallenfußballs, er möchte die Futsaler bei der Suche nach einer geeigneten Halle in der Region unterstützen. Er sagt: „Ein Regionalligist oder gar ein künftiger Bundesligist ist ein absolutes sportliches Aushängeschild für unseren Fußballkreis.“