Lokalsport Südpfalz
Extremsport: Dösen und andere heikle Momente
Er setzt sich gegen 2 Uhr in der Nacht auf Sonntag auf eine Bank, will für zwei, drei Minuten die Augen zumachen – und verpasst beinahe die rechtzeitige Rückkehr ins Bienwaldstadion. Einmal müssen die Organisatoren ihn von der Toilette holen. Es waren heikle Momente, die Andreas Löfflers Erfolg beim Last Man Standing in Kandel gefährdeten. Auf dem Heimweg nach Böblingen hörte er am Sonntagnachmittag sein Sieger-Interview im Radio.
Wie war’s? Löffler hat sich den Montag freigehalten, ist dann aber doch wieder arbeiten gegangen. Er erinnert sich an seinen ersten Marathon, 4:12 std in Köln: „Da war die Woche komplett gelaufen.“ Seitdem hat er zig Ultraläufe bestritten. „Der Körper passt sich an“, sagt er gestern dazu.
Sein Job im Büro: Software für Mainframes bei IBM. Volle Konzentration.
„Eine gefühlte Ewigkeit“ auf der Bank gedöst
Die war lange weg. „Eine gefühlte Ewigkeit“ habe er sich auf die Bank gesetzt in der 42. Runde, erzählt der Champion. „Ein paar Minuten vor mich hingedöst.“ Weil Löffler nicht zur erwarteten Zeit ins Stadion zurückkam, setzte Lauforganisator Michael Ohler sich aufs Fahrrad, um nach ihm zu sehen. Als Löffler sich wieder aufrappelte, war ihm kalt. Wie viel Zeit noch? Vielleicht zu wenig. Löffler lief schneller. Als Ohler ihn später im Stadion kommen sah an der Stirnlampe, wähnte er ihn Fahrrad fahrend. So schnell huschte das Licht vorbei. Von der Stunde für eine Runde blieben Löffler noch vier Minuten.
Auf der vorletzten Runde hätte er im Stehen schlafen können.
„Ich sah auch fitter aus, als ich war“
Knapp 45 Stunden war der 45-Jährige von Freitag, 8 Uhr, an auf den 6,7-Kilometer-Runden beim Kandeler Stadion gewesen, als die Entscheidung nahte. 301,8 Kilometer hatten er und Harald Menzel von der LSG Karlsruhe in den Beinen. Seit der 27. Runde waren nur noch die beiden im Rennen um den Sieg. Meist lief Menzel vorneweg. Er versuchte zwischendurch, schneller zu laufen, um längere Pausen bis zum nächsten Start bei der nächsten vollen Stunde zu haben, um ein bisschen ruhen zu können. Selten liefen die beiden zusammen, schwätzten ein wenig, schauten sich in die Augen: Wie lange hält der andere das noch durch? „Ich sah auch fitter aus, als ich war“, so Löffler zum Mienenspiel.
Menzel gratuliert vor der 46. Runde
Wieder stand der Wechsel von der Nachtstrecke auf Asphalt auf die Trailstrecke durch den Wald bevor. Ein anderer kritischer Moment. Auf zur 46. Runde. „Wir stehen nebeneinander. Noch zehn Sekunden. Dann klopft er mir auf die Schulter: Glückwunsch zum Sieg! Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll, war am Überlegen, was ich machen soll. Es war etwas komisch.“ Surreal – so erlebte Löffler die Vorentscheidung. Endlich hatte er ein Ziel vor Augen: noch eine Runde laufen bis zum Erfolg. Nach 308,476 Kilometern. Im Ziel kniete er sich auf den Boden. Harald Menzel hatte schon geduscht.
Hans-Jürgen Eichberger überreicht den Pokal
Nach den ersten Gratulationen, gegen 7 Uhr, legte sich Löffler in sein Auto schlafen. Die Siegerehrung wurde um eine halbe Stunde vorgezogen, auf 9.30 Uhr. Löffler stellte sich den Wecker auf seinem Handy, er war schon wach, als Ohler zu seinem Auto kam. Rund 20 Leute waren da, eine Gruppe vom TSV Kandel, Menzel und seine Supporter von der LSG Karlsruhe, Hans-Jürgen Eichberger, der eine kurze Rede hielt und den Siegerpokal überreichte, Bürgermeister Michael Niedermeier. Einem Radiosender gab Löffler, der von anfänglich 18 Teilnehmern am längsten durchgehalten hatte, ein Interview.
Das Interview hörte er auf dem Heimweg im Auto. Gegen 14.30 Uhr kam er zu Hause an. Seine beiden Kinder, acht und elf Jahre alt, kamen ihm entgegen. Später hat die Familie gegessen. Löffler hing am Abend ganz normal ins Bett. Bis sechs Uhr habe er geschlafen, sagte er gestern auf seinem Platz im Büro. thc