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Erfolgreich und jung: Landauer Tanzpaar Lauth/Scherer beendet Karriere
Das für den TSC Dresden startende Paar Yahor Boldysh und Irina Averina gewinnt am 4. November mit Einsen in allen Tänzen die deutsche Meisterschaft der Hauptgruppe S-Standard in Pinneberg. Bei William Lauth und Julia Maria Scherer vom TSC Landau, vor einem Jahr in Bielefeld in der Endrunde der besten sechs Paare, laufen Anfragen ein: Wo seid ihr?
Am 15. Oktober in Rotterdam „war unwissentlich unser letztes Turnier“, sagt Lauth. Nach zehn Jahren mit einem geschätzt finanziell sechsstelligen Aufwand ist die gemeinsame Tanzsportkarriere des 21- und der 22-Jährigen vorbei.
Sympathisches Paar
Ein Knall in der Tanzsportszene. Lauth reicht einige Facebook-Nachrichten weiter, die bei ihnen aufgelaufen sind: „Das ist so schade für euch, aber auch für alle, die euch über so viele Jahre begleiten durften. ... Tanzsportlich, aber auch menschlich seid ihr eine Bereicherung für alle, die euch kennen.“ – „Oh nein, ihr habt uns so inspiriert und seid so wunderbare Menschen.“ – „Sooooo schade, euch nicht mehr gemeinsam tanzen zu sehen.“ Für Lauth eine Bestätigung, ziemlich viel richtig gemacht und erreicht zu haben, als sympathisches Paar wahrgenommen zu werden.
Das hatte die Traurigkeit ausgelöst: „Genau zehn Jahre ist es her, als wir die ersten gemeinsamen Schritte auf dem Tanzparkett gemacht haben. Zehn Jahre, die uns als Menschen, Team, Freunde und Sportler geformt haben. Aus zwei Familien ist eine geworden. Schweren Herzens müssen wir jetzt jedoch mitteilen, dass zukünftig auf uns – in dieser Konstellation – verzichtet werden muss.“ Das Paar deutet die Probleme an, die Lauth im vergangenen halben Jahr immer wieder hinderten zu trainieren: „Unser physischer Größenunterschied hat uns in den vergangenen Jahren vor Herausforderungen gestellt, für die es galt, Lösungen zu finden. Diese Lösungen haben zeitweise für uns funktioniert, mittlerweile aber gesundheitliche Folgen eingefordert. Deshalb müssen wir unsere gemeinsamen Ziele aufgeben.“
1,90 sowie 1,67 Meter
In Rotterdam blieb das Paar unter seinen Möglichkeiten. Lauth erklärt, was bei ihm Schmerzen ausgelöst hat. Er ist auf 1,90 Meter angewachsen, hat Schuhgröße 45 1/2, Scherer misst 1,67 Meter. Ein paar Zentimeter konnte sie mit den Absätzen an ihren Schuhen aufholen. Zusammen mit ihren Trainern haben sie es lange geschafft, den Unterschied kaum sichtbar zu halten. Lauth: „Ich gehe nicht aus den Knien raus, immer gebeugt, und gehe nicht auf die Zehenspitzen, damit wir in der Mitte nicht rutschen.“ Er tanzte auf dem halben Fußballen. Im Juli traten zum ersten Mal Schmerzen an beiden Großzehengrundgelenken auf, das Paar sagte die Teilnahme an DanceComp in Wuppertal ab.
Eine Fehlstellung der Großzehe ist häufig Ursache für Schmerzen am Fußballen. Lauth sagte immer wieder ein Training ab, die Schmerzen waren zu stark. Diagnosen wurden gestellt. Die Arthrose lasse sich aufhalten, hat Lauth erfahren. Das andere könne nur schlimmer werden.
Erfolge und Kadertraining
Von 100 in zehn Jahren auf null in einigen Monaten. Das Paar tanzte in Italien, in den Niederlanden, in Österreich, Frankreich, Belgien, war europaweit unterwegs. 2019 waren Lauth/Scherer U21-Vizemeister sowohl im Standard als auch in der Kombination, 2021 Zwölfte auf der DM in der Hauptgruppe S, im Januar 2022 lagen sie auf Platz drei der deutschen Standard-Rangliste. Kadertraining in Düsseldorf, Privattraining in Pforzheim, Turniere: Bis auf einen freien Tag in der Woche, zwei Wochen Urlaub „und wenn wir krank waren“, das schildert Lauth, war das Paar täglich stundenweise zusammen fokussiert auf eine Karriere, die in den Profibereich hätte führen können. Plan B: Er will bei Antenne Landau sein Volontariat beenden, sie ihr Studium in Mannheim. Die Drähte glühen, um für Scherer einen neuen Partner auf ihrem Niveau zu finden.
Aus Trainern werden Freunde
„Wir hatten Trainer hinter uns, die zu Freunden wurden und unseren Tanzstil maßgeblich geformt haben“, heißt es in ihrer Abschiedsrede. „Für unseren Verein, den TSC Landau, sind wir seit Kindheitstagen gestartet, und mit dem Tanzsportverband Rheinland-Pfalz stand uns ein Landesverband an der Seite, der uns unermüdlich unterstützt hat.“ Lauth nennt die Trainer Anatoliy Novoselov und Tasja Schulz-Novoselov, zu denen sie nach Pforzheim fuhren, Bundestrainer Rüdiger Knaack und dessen Vorgängerin, die 2022 gestorbene Martina Weßel-Therhorn, und andere, „die unsere Entwicklung nicht aus den Augen gelassen haben“.
„Was mache ich mit der Zeit und meinem Talent?“, fragt sich Lauth. Im TSC Landau will er weiterhin Unterricht geben: „Die Ärzte haben gesagt, das geht in Sportschuhen. Ich würde liebend gerne wieder einsteigen, aber ich kann nicht sagen, inwiefern, wann und ob.“ Die Unterstützung von ihren Eltern und Großeltern könnten sie gar nicht in Worte fassen.