Interview
„Ein Achter aus einer Stadt ist sehr selten“
Frau Kamplade, zehn Starts, Ihr Pensum bei der Euro-Masters-Regatta München, vier Siege: Geht es Ihnen gut?
Die Tage waren schon recht kräftezehrend, sowohl physisch als auch psychisch. Ich habe ein paar Tage zum Verarbeitung und Erholen gebraucht. Jetzt genieße ich die Freude über die erreichten Erfolge und eine kleine Trainingspause. Am Montag starten wir in den Urlaub. Darauf freue ich mich jetzt sehr.
Rennen von Donnerstag bis Sonntag. Wie haben Sie sich bei Laune gehalten und den Fokus behalten?
Wir sind als Team Karlsruhe mit insgesamt 16 Athleten nach München gereist. Da unterstützt man sich gegenseitig und verbringt die Zeit gemeinsam. Abends ging es dann immer in ein schönes Restaurant zum Essen. Dort wurde der vergangene und der kommende Tag besprochen. Vor den einzelnen Rennen haben wir eine gute Routine, die den Fokus auf die anstehende Herausforderung richtet: eine Stunde vor dem Rennen trifft man sich als Mannschaft, legt die Skulls / Riemen an den Steg, holt die Bugnummer, geht zum Boot und prüft die Einstellungen, findet etwas Ruhe. 30 Minuten vor dem Rennen geht es dann aufs Wasser. Hier gibt es auch den immer gleichen Ablauf: Schlagaufbau, 2 km warmfahren, wenden, Richtung Startanlage fahren. Dann wird noch einmal ein Start gefahren mit 10 schnellen Schlägen. Dann legt man sich an den Start und wartet, dass es losgeht. So kommt man gut in den Rennmodus.
Mehr als 3000 Teilnehmer aus 41 Ländern. Wird da die Nacht zum Tag, weil sich jeder so viel zu erzählen hat?
Es ist schon ein buntes Treiben an der Regattastrecke. Natürlich gibt es nette Gespräche mit den anderen Teams. Aber letztendlich sind doch alle sehr beschäftigt an den Regatta-Tagen. Wenn die Rennen des Tages vorbei sind geht es Richtung Hotel und abends zum Essen mit dem eigenen Team. Da finden dann tolle Gespräche statt. Aber man bleibt doch vernünftig und macht die Nacht nicht zum Tag … die nächsten Rennen warten ja schon auf einen.
Haben Sie am vorletzten Tag die berüchtigte Münchner Masters-Party ausgelassen?
Ja, die Masters-Party haben wir tatsächlich ausgelassen. Es standen noch wichtige Rennen am Sonntag an und die wollten wir ausgeruht auf die Strecke bringen. Es hat sich auch bezahlt gemacht, denn der Sonntag lief recht gut für uns.
Die Euro-Masters-Regatta ist eine internationale Ruderregatta speziell für Masters-Ruderer und -Ruderinnen. Wann zählt frau dazu, in welcher Klasse sind Sie gestartet?
Zu den Masters zählt man ab 27 Jahren. Es gibt dann verschiedene Altersklassen A – M. Ich gehöre mittlerweile in die Altersklasse C (43 bis 49 Jahre). Man hat aber auch die Möglichkeit jünger zu melden. In München bin ich bei den meisten Bootsklassen in der Altersklasse C gestartet. Im Doppelvierer und im Doppelzweier aber auch jeweils einmal in der jüngeren Altersklasse B.
Ihr schwerstes Rennen?
Es gab zwei sehr herausfordernde Rennen: die beiden mixed Rennen am Sonntag. Zuerst sind wir unseren Doppelvierer gefahren. Wir waren etwas angespannt, da es in dieser Bootsklasse für uns auf den Deutschen Meisterschaften nicht so gut wie erhofft gelaufen ist. Allerdings war unser Schlagmann da krank. Wir konnten aber eine wirklich gute Leistung abrufen und starteten toll ins Rennen. An der 500-Meter-Marke (halbe Strecke) lagen wir mit 0,57 Sekunden Rückstand an zweiter Stelle. Mit einem wirklich kraftvollen Endspurt konnten wir uns an die Führenden heranarbeiten. Im Ziel war dann unklar wer gewonnen hatte. Mein Doppelzweierpartner und ich hatten aber keine Zeit das Ergebnis abzuwarten. Denn wir hatten 30 Minuten nach dem Start des Doppelvierers bereits den Start unseres Doppelzweiers. So sind wir von dem einen Boot direkt ins andere gestiegen, hoch zum Start und direkt wieder auf die Strecke. Das war im doppelten Sinn eine sportliche Herausforderung. Wir konnten uns aber gut fokussieren, legten einen guten Start hin und lagen an der 500-Meter-Marke mit 0,84 Sekunden vorn. Auch hier gaben wir im Endspurt alles und lieferten uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Zweitplatzierten. Im Ziel mussten wir uns dann mit 0,21 Sekunden geschlagen geben. Im Nachhinein schade, aber es war ein tolles Rennen. Wer weiß wie es mit etwas mehr Pause ausgegangen wäre. In der Zwischenzeit hatte sich aber auch das Rennen unseres Doppelvierers geklärt: totes Rennen, zwei Boote zeitgleich im Ziel. Das war schon unglaublich! So konnten wir dann überglücklich zu acht unsere Medaillen am Siegersteg in Empfang nehmen.
Wie fühlt es sich im Achter an, für den sich Ihr Karlsruher Rheinklub Alemannia und der Ruder-Verein Wiking zusammengetan haben?
Ich hatte mich im Vorfeld aufgrund meiner Renndichte bei der Euro Masters Regatta aus dem Achter-Training ausgeklinkt. In München habe ich kurzfristig ausgeholfen. Es war für mich selbstverständlich einzuspringen, auch wenn es vier Rennen an einem Tag für mich bedeutete. Es ist schon toll wenn man einen Frauen-Achter mit Athleten aus einer Stadt bestreiten kann. Das ist sehr selten und macht dann natürlich auch viel Spaß.
In einem Vierer gewannen Sie mit Ruderinnen von Trier, Hongkong und Luzern. Wie geht das? Vermutlich weiß man nichts von der anderen.
Diesen Doppelvierer bin ich im Teams der Masters International gefahren. Hier rudern sehr leistungsstarke Athletinnen aus der ganzen Welt zusammen. Für mich war es der erste Einsatz in diesem Team und ich war selbst sehr gespannt. Die Organisatorin aus den USA stellt die Mannschaften für die Masters International zusammen. Es gibt dann für jedes Boot ein Training vor der Regatta. Hier kann man ein paar Starts üben, Schläge mit Renngeschwindigkeit und die Taktik absprechen. Aufgrund des starken Leistungsniveaus findet man recht schnell zusammen. Viel weiß man natürlich nicht von den anderen. Zumindest nicht im ersten Jahr. Ich bin zwei Mal für die Masters International gestartet und hatte zwei tolle Teams. Im kommenden Jahr kennt man dann schon einige und weiß wie alles abläuft.
Die für die Olympischen Spiele 1972 eigens angelegte Wettkampfstätte liegt zur Hälfte auf Münchener Stadt- und Oberschleißheimer Gemeindegebiet im Dachauer Moos. Verströmt sie noch den Hauch von Olympia?
Es ist schon eine sehr schöne Wettkampfstätte. Natürlich auch in die Jahre gekommen. Aber ein bisschen etwas vom olympischen Flair hat die Strecke noch immer. Zumindest für mich. Es ist schon etwas Besonderes dort rudern zu dürfen … mit der Vorstellung, dass dort einmal die olympischen Spiele stattgefunden haben.
Welches Rennen war Ihnen das wichtigste?
Das waren die beiden Doppelzweier-Rennen. Wir wissen, dass wir sehr stark sind und haben uns deshalb in zwei Altersklassen der Konkurrenz gestellt. In der jüngeren Altersklasse hatten wir allerdings den schwersten Lauf mit der stärksten Konkurrenz von allen. Wir haben uns vorgenommen unser Rennen zu fahren egal wo wir am Ende landen würden. Überraschender Weise konnten wir souverän mit mehr als 4 Sekunden Vorsprung gewinnen und waren am Ende das schnellste Boot aus allen Läufen. Auch das zweite Rennen im Doppelzweier verlief sehr gut und so konnten wir in unserer eigentlichen Altersklasse mit mehr als 5 Sekunden Vorsprung als Erste den Bugball über die Ziellinie schieben, als zweitschnellstes Boot aus allen Läufen. Das war schon toll. Allerdings am meisten gefreut habe ich mich über unseren Sieg im mixed Doppelvierer. Dieser gemeinsame Erfolg war einfach etwas ganz Besonderes!