Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Webers und ihre Abenteuer mit Pfeil und Bogen

Die Webers (von links): Birgit Dickemann-Weber, Dirk, Ronna und Perrin.
Die Webers (von links): Birgit Dickemann-Weber, Dirk, Ronna und Perrin.

Sie bringen Lehrlingen Lehrbücher auf den Tisch. Bogenschießen trainieren sie im Verlag in Erlenbach, im Garten und im BSV Kandel. Zum zweiten Mal schossen Dirk Weber, seine Frau und die Kinder Pfeile in Las Vegas. Die Tochter ist deutsche Meisterin.

Familie Weber aus Erlenbach aus Erlenbach, Dirk (52), Birgit (52), Perrin (19) und Ronna (12), ist dem Sport mit Pfeil und Bogen verfallen. Familienoberhaupt Dirk Weber kam 1983 zum Bogensport, mit seiner Mutter besuchte er ein Osterturnier in Horb am Neckar. Zu Beginn der 90er-Jahre erlangte er die Lizenz als Trainer. Mit der Geburt der Kinder und aus beruflichen Gründen, der Verlag Dickemann-Weber ist nach eigenen Angaben seit vielen Jahren Begleiter bei Prüfungen der Industrie- und Handelskammer, rückte der Bogensport in den Hintergrund. Doch drei Jahre nach dem Umzug nach Erlenbach führte 2017 der Weg zum Bogensportverein nach Kandel, dem größten in Rheinland-Pfalz.

Deutlicher Vorsprung in Lehmingen

Sohn Perrin begann auch mit dem Bogensport. 2018 stieg Birgit Dickemann-Weber ein. Zu guter Letzt kam Tochter Ronna 2019 dazu. Sie mauserte sich zum erfolgreichsten Mitglied der Familie, die mehrfach Top-Ten-Plätze bei deutschen Meisterschaften errungen hat.

„Ronna liefert immer ganz tolle Wettkämpfe und kämpft immer bis zum letzten Pfeil“, sagt Birgit Dickemann-Weber über ihre Tochter. „Es ist ihre große Stärke, das Feld von hinten aufzurollen.“ Bei der Landesmeisterschaft und Anfang September bei der deutschen Meisterschaft in Lehmingen gewann die Jüngste in der Familie mit deutlichem Vorsprung in der Schüler-B-Klasse (U12). Mit der Anzahl an geschossenen Ringen hält Ronna in ihrer Klasse auch den Rekord in Rheinland-Pfalz. Wie Vater Dirk in seiner Leistungsklasse.

Compound oder Recurve

Mit dem Sieg bei der deutschen Meisterschaft, ihrer vierten, nachdem sie 2022 und 2023 in der Halle und nun zum zweiten Mal im Freien abgeräumt hat, hat Ronna Weber ihrem Vater dennoch schon was voraus. „Eine deutsche Meisterschaft möchte ich noch gewinnen, egal, in welcher Altersklasse“, sagt Dirk Weber zu seinem großen Ziel, das er mit dem Compound-Bogen verfolgt.

Als einziges Mitglied der Familie schießt er mit dem Compound-Bogen, der mit einem Seilsystem und Rollen an den Bogenarmenden ausgestattet ist und die Zugkraft technisch im Bogen speichert, wodurch der Pfeil rund 300 km/h schnell wird. Der Rest der Familie schießt mit dem klassischen Recurve-Bogen, dem olympischen Bogen, mit dem Pfeilgeschwindigkeiten von über 200 km/h erzielt werden. Der Recurve-Bogen besteht aus einem Aluminium-Mittelteil und Wurfarmen aus einem Verbundwerkstoff, deren Form dem Bogen den Namen gibt.

50 Dollar Preisgeld

Mit dem Bogensport kommt die Familie in Deutschland herum, auch fährt sie immer wieder zu einem Privattrainer nach Hanau. Schon zweimal ging es zum größten Turnier der Welt nach Las Vegas. 2019 flog Dirk Weber mit Sohn Perrin, inzwischen vierfache Landesmeister, zum „Vegas-Shoot“. Dieses Turnier wird seit 1962 in den USA ausgetragen und zieht rund 4000 Schützen aus aller Welt an. „Das erste Mal in Vegas war stark, da hat für mich alles geklappt“, erinnert sich Perrin Weber an den Moment, der ihn noch intensiver zum Bogensport brachte.

In diesem Jahr flog die ganze Familie in die USA. Dirk, Perrin und Ronna nahmen am Turnier teil. Papa Dirk konnte sich im oberen Drittel seiner Gruppe aus 1300 Teilnehmern platzieren und neben der Scheibe als Erinnerung auch ein Preisgeld von 50 Dollar einstreichen.

Mental anstrengend

Während der Corona-Pandemie nutzten Webers die Chancen, die das eigene Grundstück bietet. Das Training der Schusstechnik fand in den Wintermonaten im eigenen Verlag in Erlenbach statt, danach ging es raus in den Garten. All das Training ersetzt aber nicht den Wettkampf.

„Mit drei Trainings in der Woche tritt dann das Körperliche irgendwann zurück und die mentale Anstrengung steigt“, weiß Dirk Weber um die Herausforderungen des Sports. „Wenn man sich mit Kontrahenten misst, muss man beweisen, dass man auf den Punkt genau abliefern kann.“ Mit Nervenstärke könne man auch mal Talent oder bessere Technik im Wettbewerb schlagen.

Der Sport verbindet

Was zu den größten Herausforderungen im Wettbewerb zählt? „Die wechselnden Bedingungen im Freien. Regen, Hitze, Windböen, Kälte sind Einflüsse, die den Schuss beeinflussen können und auf die man sich auch individuell einstellen muss.“

Üben und trainieren wird die Familie Weber weiterhin im Verein in Kandel und auf dem eigenen Grundstück. Selbst wenn die Kinder mal eigene Wege gehen, will Birgit Dickemann-Weber noch lange mit ihrem Mann Bogen schießen: „Der Sport verbindet uns und man kann ihn auch im hohen Alter noch betreiben. Und das will ich mit meinem Mann noch lange ausüben.“

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