Lokalsport Südpfalz Die Kooperation macht’s rund
. Weg von Schweißgerät und Schraubenschlüssel – ran an den Ball! Jeden Donnerstag ist für die Mannschaft der Südpfalzwerkstatt Fußball angesagt. Im Jahr 2005 fasste Reinhold Lutz, Angestellter der BASF SE und ehrenamtlich im Vorstand des FSV Offenbach tätig, den Entschluss, dass der Verein behinderten Menschen ein „Stück mehr Lebensfreude“ geben könnte. Unter dem Motto: „Mitarbeiter bewegen die Region“ machte er sich auf den Weg in die Südpfalzwerkstatt und fand bei Helmut Heller offene Ohren. So wurde das Projekt „Fußballkooperation mit Behinderten“ ins Leben gerufen. Heller sieht es „als ein vorbildliches, ehrenamtliches Engagement“. Die Firma Trifa aus Annweiler unterstützt die Kooperation von Anfang an. Die Werkskicker sind wiederholt Rheinland-Pfalz-Meister und traten gerade wieder bei der DM in Duisburg an. Beim viertägigen Bundeswettbewerb der Werkstätten für behinderte Menschen belegten sie den siebten Platz. Jürgen Knorr, Ex-Nationalspieler des Deutschen Behindertensportverbandes und Mannschaftskapitän der SPW-Kicker, war wie in vorherigen Turnieren einer der besten Torschützen. Alik Didenko, genannt Alex, kommt ihm gleich – ein Typ wie der Brite Wayne Rooney. Robust, kurze Stoppelhaare, immer unter Dampf. Diese beiden spiegeln auch die Mannschaft wider, welche zielstrebig und voller Elan die bisherigen Turniere bestritt. An der Deutschen Meisterschaft nahmen diesmal 16 Mannschaften aus allen Bundesländern teil. In etwa 2600 deutschen Werkstätten für behinderte Menschen sind ungefähr 250.000 Menschen beschäftigt. Sport spielt in rund 700 Werkstätten eine wichtige Rolle. Gerade der Fußballsport hat hier eine besondere Bedeutung. Die Sepp-Herberger-Fußballstiftung nennt die Kooperation des FSV Offenbach mit der Südpfalzwerkstatt „ein Musterbeispiel für gelebte Integration“. Der FSV übernimmt das Training und stellt das Trainingsgelände zur Verfügung. Jeder erhielt am Anfang einen Trainingsanzug des Clubs. Am Anfang, der Walsheimer Karl-Heinz Eberle ist seit zehn Jahren dabei, unterstützte der damalige Erstmannschaftstrainer Peter Kobel die Spieler. Fußball wurde indes auch schon vorher gespielt. Walter Mardo und davor Karl Siener trainierten die Werkskicker. Bisher beste DM-Platzierung war der dritte Platz im Jahr 2006. Welchen Effekt der Fußball für die Integration Behinderter in die Gesellschaft hat, ist erforscht worden. Der Politikwissenschaftler Richard Kolbe, Geschäftsführer des Vereins Special Olympics Niedersachsen, befragte für seine Magisterarbeit bundesweit Werkstätten über die Organisation von Sportangeboten sowie über die Einflüsse des Fußballs auf die Aktiven. 235 Einrichtungen nahmen an der Studie teil. Kolbe kommt zu dem Schluss, dass dem Fußball eine hohe integrative Wirkung zugesprochen wird – vor allem durch Kontakte während des Sports zu Menschen, die nicht in einer Werkstatt beschäftigt sind. Zudem belegt die Erhebung: Training und Wettkampf fördern Selbstbewusstsein und Teamgeist der Kicker. Die Offenbacher „Fußballkooperation mit Behinderten“ hat bundesweit Beachtung gefunden und gilt als vorbildlich. Ihrem Beispiel folgten schon viele Vereine und Werkstätten für Menschen mit Behinderung.