Lokalsport Südpfalz „Die Füße tragen durchs Leben“

91-94379052.jpg

KANDEL. Mechaniker, erfolgreicher und mehrfach ausgezeichneter Langstreckenläufer, Laufikone der Südpfalz, Rekordhalter im Marathon und 25-Kilometer-Lauf, Buch-autor, Spezialist für Laufschuhe – das ist Hans-Jürgen Eichberger. Heute wird „Eichi“ 70. Und mit einem wertenden Blick zurück auf die vergangenen Jahre würde er auch „alles wieder so machen – sportlich und privat sowieso“.

Startnummern, Streckenverläufe und abgelaufene Schuhe, die einst Eichbergers Füße trugen, haben einen festen Platz in „Eichi’s Laufladen“ und erinnern an 38 glorreiche Sportjahre. Etwa an den ersten Sondertitel über 10.000 Meter (1968), an die über 100 Pfalzmeister-Titel auf der Bahn und im Crosslauf, an die mehrfachen Rheinland-Pfalz-Meistertitel bei 5000- und 10.000-Meter-Läufen wie auch bei den Senioren im Berg und Crosslauf. Und auch an die Teilnahmen bei Deutschen Meisterschaften mit über zehn Platzierungen von eins bis drei. Noch heute hält „Eichi“ den Pfalzrekord im Marathon, gelaufen 1981 in Kandel in einer Zeit von 2:19:52 Stunden. Ebenfalls unangefochten der Landesrekord im 25-Kilometer-Lauf bei einer Zeit von 1:18:34 Stunden in Frankenberg/Eder 1978. Und dabei lief es sportlich in jungen Jahren gar nicht rund, erinnert sich der Wassermann im Sternzeichen. Im Fußball ins Tor verbannt, im Turnen ganz schlecht, erwiesen sich auch Bundesjugendspiele als ein wahrer Albtraum. So war der gebürtige Deidesheimer als Kleinster unter den Fußballern auf der Suche nach einer Sportart, in der er Größe zeigen könnte. Und eines Tages, beim Waldlauftraining mit der Fußballmannschaft, wurde der junge „Eichi“ fündig. Denn kurz vorm Ziel, da habe er sich umgeschaut und keiner sei mehr da gewesen. Im Verein LG Ludwigshafen trainierte der Langstreckenläufer dann mit Größen wie Willi Wagner und Gerhard Fontana, Deutsche Meister und Olympiateilnehmer. Als „Fußkranker“ ins kalte Wasser geworfen, habe ihn gerade dieses Training geprägt und letztlich mit viel Biss ausgestattet. Als „guten, zuverlässigen und fairen Kameraden“ bezeichnet der ehemalige Mittelstreckler Günther Lenske, den langjährigen sportlichen Wegbegleiter. Es müsse „mehr Menschen geben von seiner Sorte.“ Auf sein Geheimmittel für die Erfolge angesprochen, lacht der humorvolle Mann schelmisch. Mit der Disziplin und dem begleitenden nötigen Biss, war das vor jedem Rennen tatsächlich das Nationalgericht der Normandie: Tatar mit Zwiebeln. Immer mit dabei auf den Wettkämpfen in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich waren Ehefrau Thea und Sohn Dirk. Das war „herrlich“ damals, lässt Eichberger im Gespräch mit der RHEINPFALZ die Vergangenheit und die „vielen Kurzurlaube“ kurz wieder aufleben. Überhaupt, betont der Jubilar, sei „das alles nur gegangen mit der richtigen Partnerin an der Seite“. Seine Laufkarriere beendete der Sportler 2002 nach der Teilnahme am Karwendel-Berglauf. Er habe heute noch Kontakt mit Sportlern. In der Leichtathletik verhalte sich das wie in einer großen Familie. Der gelernte Mechaniker, der von sich sagt, nicht nachtragend zu sein und Menschen nicht in unterschiedliche Klassen zu unterteilen, machte sein Hobby zum Beruf. Nach einer siebenjährigen Probephase in Herxheim folgte ein „nächster entscheidender Schritt“: das gleichnamige Fachgeschäft in Kandel. Zunächst in der Wasgaustraße, findet sich die Adresse für Läufer seit 2013 in der Marktstraße 2a, mit Norden ben Hassan an Bord. Eichis Philosophie: Die Füße tragen durchs Leben – und nach dem Bedarf des Trägers wird der passende Schuh gewählt. Bewegungsapparate studieren und kennen, das sei einem Mechaniker nicht fremd, erklärt Eichberger, der sich bei biomechanischen Schulungen stets weiterbildet. Als Trainer in Kandel und Weißenburg gibt er nun schon seit 15 Jahren sein Wissen weiter und hat dabei an alle seine „Schützlinge“ den „wichtigsten Rat: auf das eigene Körpergefühl achten“. Das sei schließlich das Entscheidende. Sein Training funktioniere ohne Tadel, ohne militärischen Drill. Vielmehr stehe jede seiner Trainingseinheiten für veränderte und keineswegs für gewohnte Abläufe. Einer seiner Schützlinge, Michael Ohler, spricht von seinem Trainer als ein „Vorbildsmensch und eine Respektsperson“, der sein „volles Vertrauen“ verdiene. Der „sehr humorvolle, ehrliche, hilfsbereite und immer positiv eingestellte“ Trainer habe dank eines „richtig guten Blickes“ immer hilfreiche und motivationssteigernde Tipps. Ganz nach dem Motto „eher weniger als mehr“. Mit 60 habe er sich dann mal gefragt, was er noch vorhabe in seinem Leben, das mit seiner Familie, mit Haus und gepflanztem Baum vollständig schien. Ein Buch sei die Antwort gewesen, was er schließlich gemeinsam mit Medizinern, Osteopathen und Physiotherapeuten mit dem Titel „Lauf doch einfach“ umsetzte. Nach dem Anfängerlaufhandbuch folgte mit „Lauf doch einfach schneller“ die Fortsetzung. Nach wie vor ist Eichi täglich im Laufladen. Und wenn sich dort die Türen zum Feierabend schließen, dann geht es meist weiter zum Training oder zum Sohn und dessen Familie mit den drei Enkelinnen. „Mein Ausgleich“, wie der 70-Jährige bekräftigt.

Mehr zum Thema
x