Lokalsport Südpfalz Der Weltklasse-Mann aus Eritrea
«HERXHEIM/DAHN.»Ende August, nach dem Abend-Straßenlauf des TV Herxheim, bedauerte Sieger Kiflom Sium, dass er keine Konkurrenz hatte, um noch schneller laufen zu können. Was nicht sehr verwundert: Er ist ein Marathon- und Halbmarathonläufer von Weltklasse.
Sium wohnt in Dahn und kommt aus Eritrea. Seit 2017 in Deutschland, ist er inzwischen anerkannter Flüchtling. Seine Bestzeit über zehn Kilometer: 28:30 Minuten! Den Marathon ist er schon in 2:20 Stunden gelaufen – bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau. Seine Halbmarathonbestzeit liegt bei 1:01 Stunden, das sind drei Minuten über dem Weltrekord. Kiflom Sium wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft in der Wasgaustadt, Frau und Kinder sitzen in einem Flüchtlingsheim in der Türkei fest und warten sehnsüchtig auf die Familienzusammenführung. Der Familienmensch leidet sichtlich unter der Trennung. Er trainierte zuletzt wenig und suchte einen Verein, bei dem er unter professionellen Bedingungen trainieren darf. Dass in Dahn Mitte August ein Kerwelauf war, bekam er zufällig mit. Kiflom Sium meldete sich ohne jede Vorbereitung an, durchlief als Erster mit neuem Streckenrekord und mit fast zwei Minuten Vorsprung auf Wasgaucup- und Pfälzerwaldmarathon-Gewinner Mark Weidler die Ziellinie. Die Topografie kannte er nicht. Sein Jubel beim Zieleinlauf war verhalten. Kiflom Sium fühlt sich wohl in Dahn, die Mentalität der Menschen liegt ihm. „Ich würde gerne wieder laufen, professionell trainieren“, sagt er in seiner Heimatsprache, die ein Freund übersetzt. Hilfe erhält er von der zuständigen Mitarbeiterin der Verbandsgemeinde, wo immer sie helfen kann. Kiflom Sium packt kräftig an. Arbeit hat er in einem großen Dahner Hotelbetrieb gefunden. Inzwischen besucht er einen Deutschkurs, die ersten Worte in der für ihn fremden Sprache spricht er noch zaghaft aus, er hat aber den unbedingten Willen, mit 32 Jahren Deutsch zu erlernen. Er hofft inständig, dass seine Frau und seine beiden Töchter, fünf und sieben Jahre alt, sowie sein einjähriger Sohn, bald im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland kommen. Erst mit 20 begann die Laufkarriere. Schnell schaffte er den Sprung in den eritreischen Nationalkader. „Es macht mir Spaß zu laufen“, sagt der zurückhaltende Sportler. Dass vor Kurzem in Pirmasens der Pfälzerwaldmarathon stattfand, habe er zu spät mitbekommen, sonst hätte er sich angemeldet. Seine sportliche Zukunft sieht er im Leistungssport. In einem Profiverein, vielleicht auch irgendwann einmal mit dem Bundesadler auf der Brust für Deutschland zu laufen, das ist sein Traum. Auch über die Gründe seiner Flucht aus Eritrea spricht er. Im Jahr 2015 habe er mit seiner Frau ein schönes Haus in der Landeshauptstadt Asmara gebaut. Regierungstruppen hätten es dann dem Erdboden gleich gemacht. Ein Grund wurde ihm nicht genannt. Kiflom Sium wurde seiner Existenz beraubt. Im Frühjahr 2017 nutzte er den Aufenthalt in Hamburg anlässlich eines Laufwettbewerbs, um in Deutschland zu bleiben und einen Asylantrag zu stellen. Alles in Absprache mit der Familie. Einige Zeit verbrachte er in Frankfurt, bevor er im Juli 2017 in die rheinland-pfälzische Aufnahmeeinrichtung in Ingelheim kam. Von dort aus führte ihn der Weg über Speyer in den Wasgau. Als Leistungssportler ist er es gewohnt zu reisen. Von daher ist er auch bereit, seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlagern, wo er trainieren kann.