Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Der Philosoph in Zeiskams Sturm

Marko Andrijanic (links( mit dem Bretzenheimer Lukas Fischer.
Marko Andrijanic (links( mit dem Bretzenheimer Lukas Fischer.

Marko Andrijanic ist beim TB Jahn Zeiskam angekommen. Dabei geholfen haben ihm drei Weggefährten, die auch mental mit dem Stürmer arbeiten. Am Freitag geht es in der Verbandsliga beim FC Speyer gegen die ehemaligen Kollegen. Andrijanic hat ein großes Ziel.

Wenn du morgen ein Angebot aus der 1. Liga bekommen würdest, würdest du es annehmen? „Ja“, sagt Marko Andrijanic. Es gehe darum, ob man sich den Schritt zutraue, erklärt der Stürmer des Fußball-Verbandsligisten TB Jahn Zeiskam, der heute um 19.30 Uhr beim FC Speyer antritt. „Seit meinem achten Lebensjahr, als mein Weg beim 1. FC Kaiserslautern angefangen hat, träume ich davon, Profi zu werden. Es wäre ein Riesenschritt. Aber wer nichts wagt, der nicht gewinnt“, sagt der Fußballspieler.

Tagebuch

Die Frage hat ihm sein Mentor und Privattrainer Christian Pilarski gestellt. Er kümmert sich nicht nur mit Ernährungs- und Trainingsplänen um Andrijanics körperliche, sondern auch um seine mentale Fitness, arbeitet mit ihm an seiner Ausstrahlung und seiner Sicht auf die Welt. Neben dem Tagebuch, das Andrijanic führt, helfen ihm eben auch die Fragen, die Pilarski ihm in regelmäßigen Abständen stellt. „Das sind auch philosophische Fragen, wie: Was fange ich im Leben mit meiner Zeit an? Seit ich ihn im Sommer kennengelernt habe, habe ich mental einen Riesenschritt gemacht“, betont der 22-Jährige.

Hossein Salmani, früher Physiotherapeut im Deutschen Fußball-Bund und später Andrijanics Trainer bei Phönix Schifferstadt, begleitet ihn schon länger und hilft ihm ebenfalls, körperlich und mental fit zu sein. Fußballerisch lernt Andrijanic im Einzeltraining mit dem U17-Trainer des 1. FCK Dennis Will immer mehr dazu. Der hatte ihn 2021 zum FC Speyer geholt.

„Ich wollte in der Oberliga bleiben“

In der vergangenen Saison warfen den Stürmer einige Muskelverletzungen zurück. Als klar war, dass Speyer aus der Oberliga absteigt, äußerte er seinen Wechselwunsch: „Ich wollte in der Oberliga bleiben. Ich habe aber keine verbrannte Erde hinterlassen. Speyer ist ein toller Verein.“

Aufgrund ausbleibender Angebote aus der Oberliga ging es dann zu Zeiskam. Er brauchte ein paar Wochen, um anzukommen. In den vergangenen beiden Partien spielte er von Anfang an. Er möchte das Vertrauen seinem Trainer Stefan Ronecker mit Toren und guten Leistungen zurückzahlen. Auch damit sein Traum Fußballprofi weiterlebt.

Zweites Standbein

Dieser kommt nicht von ungefähr. In der Jugend spielte er bei der TSG Hoffenheim, sieben Jahre beim 1. FC Kaiserslautern und beim SV Sandhausen. Andrijanic ist dankbar dafür, dass seine Eltern, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen und nach Deutschland flüchteten, ihn bei der Verwirklichung seines Traums unterstützen. Nun aber soll der Ludwigshafener ein zweites Standbein aufbauen. Seit Oktober studiert er in Heidelberg Philosophie und Geschichte. Bisher hat ihn das Studium nicht enttäuscht.

Jahrelang Geige gespielt

Zu Hause liest Andrijanic viele Bücher und philosophische Texte, meditiert und interessiert sich für die Geisteshaltung Stoiker. Er verbringt viel Zeit in der Natur und hört Musik. Diese gebe ihm einen Anker, wenn er glücklich sei und wenn er traurig sei. Seine Lieblingsinterpreten? Bach, Mozart, Beethoven. „Ich habe jahrelang Geige gespielt und höre am liebsten Klassik, wenn ich mich beruhigen und in Gedanken schwelgen möchte“, verrät er. Aber auch Musik der 80er-, 90er-Jahre und moderne Sachen wie spanischen Rap oder Reggaeton hört er.

Gastgeber FC Speyer ist der Tabellenletzte. „Ich freue mich auf die alten Teamkollegen. Als ich letztes Jahr dort spielte, haben wir trotz der Tabellensituation immer dagegengehalten. Auch dieses Jahr tun sich viele Mannschaften gegen Speyer schwer“, warnt Andrijanic. „Das Momentum spricht aber für uns. Wir wollen unsere Serie auf sieben ungeschlagene Spiele in Folge ausbauen.“

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