Radsport
Der Klassiker feiert in Bellheim runden Geburtstag
Absperrgitter ankarren, Absperrbänder spannen, den Veranstaltungsmittelpunkt in der Jahnstraße mit Zelten für Catering und das Wettkampfbüro bestücken. Dazwischen: das klingelnde Handy. Wer etwas wissen will zum langen Radsportwochenende in Bellheim, ruft Peter Weber, den Vorsitzenden des Vereins, an. Über 550 Radsportler erwartet der RC Silber-Pils Bellheim. Höhepunkt: das Jubiläumsrennen über 200 Kilometer am Sonntag um den 70. Großen Silberpils-Preis. An diesem Samstag steht der Gerhard-Hage-Renntag mit Kriteriumsrennen an.
„Läuft alles. Die Strecke für das große Rennen am Sonntag fahren wir morgens noch mit der Kehrmaschine ab“, erzählt Weber. Der Silberpils-Preis über 200 Kilometer, zehn Runden über Bellheim, Zeiskam, Lustadt und Westheim und zurück nach Bellheim, ist das längste Amateurstraßenrennen in Deutschland. Es gilt als Monument des Bundes Deutscher Radfahrer. Es ist die höchste Stufe, die ein Radrennen in Deutschland erreichen kann.
Jeden Tag am Rechner
Vor einer Woche. „Bisher ziemlich schlecht. Ich hoffe, es kommt noch was rein“, beschrieb Marc Dörrie, aktiver Fahrer des Teams Bellheimer Silberpils, den Stand bei den Anmeldezahlen. Er dachte wohl ans vergangene Jahr, als mit einer Offensive in den sozialen Medien die Starterfelder noch aufgehübscht wurden. Von der unerwartet hohen Zahl an Nachmeldungen wurde das Wettkampfbüro überrumpelt, die Rennen mussten später gestartet werden.
Dass Dörries Sorgen in diesem Jahr unbegründet waren, lag mehr an technischen Problemen: „Ich musste viele Meldungen nachpflegen, saß jeden Tag bis zu fünf Stunden am Rechner“, so Dörrie, der vor zwei Wochen in Herxheim mit vielen Weggefährten aus dem Radsport seine Hochzeit feierte.
Huppertz: „Bellheim ist immer wichtig“
Über 140 Fahrer der Continental-Teams und Elite-Amateure werden über 200 Kilometer an den Start gehen. Das drittklassige Continental-Team Lotto Kern – Haus PSD Bank stellt 14 Fahrer. 2023 gewann Leslie Lührs in einem Massensprint. Zweiter war Joshua Huppertz, der das Rennen 2017 und 2022 gewinnen konnte. Der 29-jährige Polizeibeamte aus Wiesbaden wähnt sich in guter Form, bereitet sich mit seinem Team auf die am 21. August beginnende Deutschland-Tour vor.
„Bellheim ist für uns immer ein wichtiges Rennen, allein schon, weil es das größte Amateurrennen in Deutschland ist“, so Huppertz, der den Sonntag jedoch nicht nur als Vorbereitung für kommende Aufgaben sieht: „Natürlich ist es ein gutes Training. Wenn man aber Radrennen fährt, steht man am Start um zu gewinnen, nicht um zu trainieren.“ Wie die taktische Vorgehensweise als zahlenmäßig dominierendes Team sein wird? „Das besprechen wir am Sonntag vor dem Rennen. Ich denke mal, dass wir mit so einer großen Mannschaft versuchen werden, ein schweres Rennen auf die Beine zu stellen, um nicht mit so vielen Fahrern auf die Zielgerade kommen. Bestenfalls vielleicht sogar ein Alleingang.“
Mayr peilt am Samstag 100. Sieg an
Die Planung sei jedoch nur eine Seite der Medaille, wie Huppertz erklärt: „Generell muss man immer schauen, wer sonst noch am Start steht und wie sich das Rennen entwickelt. Taktik ist Taktik. Ob man es so umsetzen kann, ist die andere Frage.“
Mit Rad-Net Oßwald und Storck – Metropol Cycling sind zwei weitere Continental-Teams mit zweistelliger Fahrerzahl am Start. Lediglich Außenseiterchancen haben die südpfälzischen Teams Bellheimer Silberpils und Möbel Ehrmann. Generell haben es Kriteriumsfahrer bei der Länge schwer. Simon Nuber, ehemaliger Spitzenfahrer der Ehrmänner, fuhr 2013 und 2014 aufs Podium. Sie werden sich auf die Kriteriumsrennen am heutigen Samstag konzentrieren. Bellheim zu viert, Möbel Ehrmann mit dem Vorjahresdritten Joshua Asel zu fünft, Rad-Net Oswald zu zehnt. Dazu die Spezialisten des RSC Kempten mit Vorjahressieger Andreas Mayr. Mit 99 gewonnen Kriteriumsrennen in seiner Laufbahn ist Mayr hochmotiviert, in der Südpfalz den 100. Sieg zu feiern.
Zeitplan
Samstag: Kriterium: 12 Uhr: U11 (8,8 km); 12.30 Uhr: U13 (13,2 km); 13 Uhr: U15 (19,8 km); 13.40 Uhr: Junioren U17, Juniorinnen U19, Elite Frauen (30,8 km); 14.20 Uhr: Continental-Teams und Elite-Amateure (77 km); 16.50 Uhr: Masters 2, 3 und 4 (44 km); 18.40 Uhr: Amateure und Junioren U19 (66 km)
Sonntag: Kriterium: 10.30 Uhr: U11 (8,8 km); 10.50 Uhr: U13 (13,2 km); 11.20 Uhr: U15 (19,8 km); Straßenrennen: 12 Uhr: Amateure und U19 (80 km); 12.05 Uhr: Elite Frauen, Juniorinnen U19, Juniorinnen und Junioren U17 (60 km); 14 Uhr: Continental-Teams und Elite-Amateure (200 km); 14.05 Uhr: Masters 2, 3 und 4 (80 km)