fussball-landesliga RHEINPFALZ Plus Artikel Der FSV Offenbach erwartet die Viktoria

Der Offenbacher Jan Löffelmann (in Rot, in einem Spiel gegen Bodenheim) wird zum Heilerziehungspfleger ausgebildet.
Der Offenbacher Jan Löffelmann (in Rot, in einem Spiel gegen Bodenheim) wird zum Heilerziehungspfleger ausgebildet.

Jan Löffelmann, Stürmer des FSV Offenbach, hat beruflich mit Straftätern und am Freitag mit Herxheimer Verteidigern zu tun.

Wenn am Freitagabend ab 19.30 Uhr der FSV Offenbach und der SV Viktoria Herxheim in der Fußball-Landesliga aufeinandertreffen, dann steht ein Mann auf dem Platz, von dem sich jeder etwas abschauen kann. So sieht es jedenfalls FSV-Trainer Daniel Jahnke. Er spricht von einem seiner Stürmer: Jan Löffelmann.

Im Sturm scheint der FSV sein größtes Problem zu haben. „Wir haben schon eine komische Verletztenmisere zusätzlich zu den Corona-Problemen, und dann kommen noch zig kleinere Faktoren zusammen, die das große Ganze stören“, sagt Löffelmann. Luca Felix’ Offensivdrang, Jonas Mittenbühlers Wirbelwind und Daniel Szadorfs Dynamik vermisst Jahnke. Immerhin: Letztgenannter könnte gegen Herxheim spielen.

„Einer mit Meinung“

Es gibt noch mehr fehlende Puzzleteile: die Manger-Brüder, Sven Glaser, dazu nun Agmir Bajraktari (Corona-Quarantäne). Bei der jüngsten 0:3-Pleite in Ruchheim musste die Bank mit zwei Torleuten, zwei A-Jugendlichen und einem Spieler der D-Klasse gefüllt werden. Und dann erwischte der FSV einen rabenschwarzen Tag.

„Das und der 7:0-Erfolg der Herxheimer machen die Ausgangslage noch interessanter“, sagt der 21-jährige Löffelmann, den der Trainer so beschreibt: „Ein Paradiesvogel, ein Typ, einer mit Meinung. Kommunikation war schon immer sein Handwerkszeug. Auf dem Feld hat er das Thomas-Müller-Gen, macht Dinge, die keiner erwartet, hat einen Torinstinkt und kann auch von der Bank kommend Impulse setzen.“ „Löffels“ anfängliche Defizite im Fitnessbereich und bei der Trainingsbeteiligung seien Schnee von gestern: „Aber er hat als Spieler noch sehr viel Potenzial“, sagt Jahnke.

„Übergriffe gehören dazu“

Löffelmann macht in der forensischen Psychiatrie eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, arbeitet mit weggesperrten Straftätern. Er gibt zu: „Es ist herausfordernd, Übergriffe gehören dazu. Deshalb habe ich schon Respekt, aber keine Angst.“ Nach Feierabend müsse man abschalten, dann könne man im Beruf aufgehen. „Wir bekommen auch sehr viele Schulungen, lernen, wie man deeskalierend einwirken kann, lernen verschiedene Kommunikationstechniken“, sagt der 1,94 Meter große Hüne. Das hilft sicher auch auf dem Platz? „Ja, schon, man stellt sich dadurch vielleicht cleverer an, aber die Emotionen sind trotzdem da“, sagt der Psychologie-Fan, der in seiner Freizeit Fachlektüre verschlingt.

Mit dem FSV-Gen

Jahnke hat ihn vom Innenverteidiger zum Stürmer (ein Saisontreffer) umgeschult: „Ich spielte bis zur C-Jugend auch weiter vorne, hatte schon immer Offensivdrang. Inzwischen habe ich mich da vorne ganz gut eingefunden“, sagt der Lingenfelder, der in Ruchheim einen Schlag abbekommen, individuell trainiert hat.

Ausbildung in Wiesloch, Wohnort Lingenfeld, Fußball in Offenbach: Das sind weite Wege. Doch Löffelmann schwört Treue. „Ich blühe in der Gemeinschaft auf. Hier sind wir eine geile Truppe, wir haben alle das FSV-Gen. Das ist mir sehr, sehr wichtig.“

Drei Punkte gegen Herxheim sollen nach einem, so Jahnke, „Training voller Energie und Leidenschaft“ nun eingetütet werden. Herxheims Stürmer André Nenning hat etwas dagegen. Beim 7:0 gegen Südwest Ludwigshafen traf er zweimal.

Nenning kennt sich in Offenbach aus

Der 38-Jährige jagte vor seinem Wechsel zur Viktoria für den FSV dem runden Leder nach. Bis Januar war der Zeiskamer Soldat. Parallel studierte er drei Jahre Wirtschaftsjura und steht kurz vor dem Examen. „Ich bin ein Stürmer, der für die Mannschaft arbeitet“, sagt Nenning, der von 2001 bis Dezember 2003 beim 1. FC Kaiserslautern war, Oberliga in Worms und Hauenstein gespielt hat. Nach seinem Wechsel von Kandel 2014 zum VfR Sondernheim war er als Trainer tätig.

Nenning, der neben Fußball auch Basketball und die Familie als seine schönsten Hobbys nennt, ordnet den 7:0-Kantersieg wie sein Trainer Jens Bodemer als Befreiungsschlag ein: „Wir haben das Tempo und die Intensität im Training nochmals verschärft und dadurch auch mehr Präsenz auf dem Platz gehabt.“ Andelo Srzentic, der auch zweimal traf, und Rexhep Mustafa seien wieder in die Mannschaft zurückgekehrt. Ob Alex Schultz nach seiner Verletzung wieder zum Einsatz kommen kann, bleibt abzuwarten. Bodemer: „Ich bin voller Zuversicht, dass wir schon bald wieder aus dem Vollen schöpfen können.“

Außerdem spielen: SV Geinsheim – TSV Fortuna Billigheim-Ingenheim (Samstag, 15.30 Uhr), SV Büchelberg – SV Südwest Ludwigshafen (Samstag, 17 Uhr).

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