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Zeiskams Nummer 1 Kai Anschütz.
Zeiskams Nummer 1 Kai Anschütz.

Im Torwarttraining geht es um mehr, als Bälle abzuwehren. Was muss ein moderner Torwart können? Beim TB Jahn Zeiskam ist Björn Streib zuständig. Zwei seiner Söhne spielen woanders im Tor.

Was haben Zahlen und Farben mit Torwarttraining zu tun? „Wir bauen in jedem Training eine Übung ein, um die Synapsen im Kopf zu trainieren, sodass die Torhüter im Spiel schneller handeln können“, sagt Björn Streib. Er ist der Torwarttrainer des Fußball-Verbandsligisten TB Jahn Zeiskam, der am Sonntag um 14.30 Uhr zu Hause gegen den SC Idar-Oberstein antritt. Zeiskams zweiter Torhüter wird fehlen.

Live-Kinetik-Übungen sollen die kognitiven Fähigkeiten der Torhüter verbessern. Da liegen zum Beispiel zwei Hütchen im Quadrat mit unterschiedlichen Farben, wie Streib erklärt. Auf den Zuruf „Rot, grün“ müssen die Torhüter zuerst das rote und dann das grüne Hütchen berühren, bevor sie etwa einen Ball fangen. Das geht auch mit Zahlen oder einer Kombination aus beiden.

Automatismen

„Wichtig ist, dass die Torhüter ihre kognitiven Fähigkeiten regelmäßig trainieren“, sagt Streib. Genau so wichtig seien aber auch regelmäßige Belastungstests. Sprungkraft, Flugbälle, Druckpässe, Fausten, Reaktionsschnelligkeit: Das alles müsse automatisiert sein. Denn zum Nachdenken hat der Torhüter auf dem Spielfeld keine Zeit. „Macht der Torwart einen Fehler, ist der Ball meistens drin. Der Torwart ist auch der Spieler, der von der Psyche her am meisten belastet ist. Das wird von den Trainern oft unterschätzt“, sagt Streib.

Kai Anschütz, Zeiskams Nummer 1, macht spielentscheidende Fehler in der Regel mit sich selbst aus. „Ich brauche im Normalfall schon einen Abend, um darüber hinwegzukommen. Man muss das dann aber schnell abschütteln, sonst macht man sich selbst das Spiel kaputt“, sagt der 28-Jährige. Das Verhältnis mit Streib und dem zweiten Torwart Sebastian Weisser bezeichnet Anschütz als sehr angenehm. Zu dritt machten sie oft Scherze und seien nie verkrampft untereinander. Das kann Weisser bestätigen. „Wir sind wie eine kleine Familie. Das war auch ein Grund für mich zu sagen, ich bleibe noch länger hier“, sagt der 36-Jährige, der vergangene Saison eigentlich nur den Verletzten Benny Baumann vertreten sollte, nach dessen Abgang aber dabei blieb.

„Väterliches Verhältnis“

Der Bundeswehrsoldat kann nicht immer ins Training kommen. Außerdem habe er ein gewisses Alter und „Kai ist in Topform. Der Trainer hat gerade keinen Grund, den Torwart zu wechseln“, sagt Weisser. Auf ihn kommen während der Spiele meist andere Aufgaben zu: weggeschossene Bälle holen, verletzte Spieler versorgen, Wasserflaschen bringen. Für Weisser eine Selbstverständlichkeit: „Ich bin von Natur aus hilfsbereit. Das wird im Verein aber auch wertgeschätzt. Was ich dem Verein gebe, zahlt er mir auch zurück, sonst würde ich die hohe zeitliche Belastung auch nicht in Kauf nehmen.“

Der 53-jährige Streib hat ein „väterliches Verhältnis“ zu den beiden Keepern. Noch enger ist es bei seinen anderen Jobs als Torwarttrainer: Bei der Viktoria Herxheim steht sein Sohn Aaron im Tor, in der A-Jugend des TSV Königsbach hält dessen jüngerer Bruder Ruben den Kasten sauber. Der 25-jährige Hendrik Streib ist in Zeiskams Abwehr aktiv und hat sich nie für die Torwartposition interessiert.

Vorbild Gerry Ehrmann

Bei Björn Streib gibt es aber nicht nur Streicheleinheiten. Sein Grundsatz: Qualität kommt von Qual. Sein Vorbild ist FCK-Legende Gerry Ehrmann, deshalb ist sein Spitzname auch Gerry.

In Zeiskam gibt es eine klare Rangordnung. Anschütz ist die 1. Seit seinem Wechsel vom FV Dudenhofen 2019 habe der Verein ihm immer den Rücken gestärkt und den Druck von den Schultern genommen, sagt er. Die aktuell guten Leistungen unterstreichen das auch. Zu Beginn der Saison sah das noch etwas anders aus. Der BWL-Masterstudent zeigte in der kleinen Krise des TB Jahn ungewohnte Schwächen. In den vergangenen fünf Partien habe der „Trainingsweltmeister“ Anschütz aber wieder sehr gut gehalten, findet Streib: „Er hat uns in Hermersberg oder am vergangenen Sonntag gegen Gau-Odernheim den Sieg festgehalten.“

Am Sonntag kommt der ungeschlagene SC Idar-Oberstein. Der habe die besten Einzelspieler der Liga, „da kann immer mal was aufs Tor kommen“, sagt Anschütz. Der in Idar-Oberstein stationierte Weisser wird dann nicht auf der Bank Platz nehmen. Er ist beruflich auf einem Übungsplatz in Baumholder. Ob er über den Winter hinaus in Zeiskam bleibt, darüber will er mit Teammanager Patrick Pfaff und vor allem mit seiner Frau sprechen.

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