Lokalsport Südpfalz Cross: Überlebenskampf auf der Härtesten Meile in Hatzenbühl

Rauf. Heuschnupfen wäre grerade doof.
Rauf. Heuschnupfen wäre grerade doof. Foto: Iversen

Über 260 Teilnehmer quälen sich bei der „Härtesten Meile der Pfalz“ durch die 1605 Meter lange Strecke. Um den Sieg gibt es bei der Veranstaltung des TV Hatzenbühl ein hitziges Fernduell. Viele Teams kommen in bunten Kostümen. Gibt’s das wirklich? Der jüngste Finisher ist elf Monate alt.

Als einige Leute mit Dreck verschmiertem Gesicht, nasstriefender Kleidung und einer Medaille um den Hals am Samstag aus dem Wald „An der Schelmenhecke“ in Hatzenbühl laufen, ist klar: Sie kommen von der „Härtesten Meile der Pfalz“. Über 260 Teilnehmer quälten sich durch die 1605 Meter lange Strecke.

Etwas versteckt hinter Bäumen geht es in sechs Läufen durch einen Bach, über Heuballen und unter Autos durch. „Wenn ihr die Wahl habt zwischen Brücke und Bach, wählt den Bach. Immer da, wo es schlammig ist“, gibt Jürgen Eichberger vom Veranstalter TV Hatzenbühl den Teilnehmern per Megafon mit auf den Weg. Ein Countdown von zehn runter und dann geht es auch schon los. Über Stock und Stein und durchs kalte Nass.

„Das war deutlich anstrengender als erwartet“, sagt Lukas Wiedemann aus Karlsruhe. „Besonders das kalte Wasser merkt man in den Knochen.“ Der 27-Jährige, mit dem Lauftreff des Landratsamtes Karlsruhe unter dem Namen „Walk dirty to me“ gestartet, holt den Sieg im vierten Lauf. Dafür gibt es ein Weinpräsent.

Einer rennt in Lederhosen

Auch wenn der eigentliche Straßenläufer, der auch Marathons rennt, nach dem Lauf auf seine Uhr schaut, ist dem in pink gekleideten Team die Zeit nicht wichtig. Als Wiedemann seine Chance sieht, nutzt er sie jedoch: „Ich dachte, die vor mir sind noch greifbar, dann habe ich sie überholt. Ab dann war es einfach nur Überlebenskampf“, sagt er.

Pink ist nicht die einzige Trendfarbe der Teilnehmer. Neongrüne T-Shirts, bunte Hosen und Tütüs sprechen für ein kreatives Teilnehmerfeld. Einer rennt in Lederhosen, ein anderer hat eine Go-Pro-Kamera auf dem Kopf. Der jüngste Teilnehmer ist elf Monate alt. „Seine Mutter ist mit dem Kinderwagen mitgerannt“, erzählt Eichberger. Der kleine Elyas erhält wie jeder, der durchs Ziel kommt, eine Medaille. Zur Erfrischung gibt’s selbstgemachten Eistee. Einige hunderte Zuschauer stehen am Streckenrand verteilt.

Fast komplett als Team auf dem Treppchen landet die CAS-Software- AG aus Karlsruhe. „Wir haben eine Laufgruppe und nehmen an verschiedenen Läufen, auch Marathons, teil. Jetzt wollten wir mal in den Matsch“, sagt die Bellheimerin Verena Scheurer, die im fünften Lauf bei den Frauen auf Rang zwei landet. Team-Kollege Sebastian Kaupp gewinnt das dünn besetzte Einzelrennen. „Es war mega lustig. Nächstes Jahr wieder“, sagt er.

Im letzten Lauf sind die Besten

Mehr als eine Medaille will Vorjahressieger Luca Nappa vom Team Tri-Together. Mit der Startnummer 1 ist der Rülzheimer der Erste, der durchs Ziel läuft. Seine Zeit von 9:00 Minuten bleibt lange die beste. Im letzten Lauf zieht der Vorjahreszweite Florian Brückom (Team Ephilates) aus Römerberg in 8,33 Minuten noch vorbei. „Ich glaube, er hat sich zwölf Monate auf seine To-Do-Liste geschrieben, den Kerl aus Rülzheim zu schlagen“, sagt Nappa, der sonst Spartan Races und Triathlons läuft.

Brückom ist normalerweise bei Ultra-, Halb- und Marathons zu Hause und läuft viel mit der Landau Running Company. Nach seinem Sieg gibt’s eine Bratwurst: „Die habe ich mir verdient. Jetzt noch zur Siegerehrung, dann geht’s nach Hause.“

Auch bei den Frauen kommt die Siegerin aus dem letzten Lauf. Natascha Hartls Sieg in 10:15 Minuten ist ungefährdet. Die nächstschnellere Frau ist Nicole Kuhn von der LG Rülzheim in 12:18 Minuten. Reibungslos verläuft Hartls Lauf aber nicht: „Ich bin um ein Hindernis herumgelaufen. Ein Zuschauer hat dann gerufen, dass ich drüber muss. Die Streckenposten haben zwar nichts gesagt, ich bin trotzdem zurück und drüber.“

Die 31-jährige Sporttherapeutin vom TuS Heltersberg nutzt den Lauf zum Test einer Uhr für eine Studie des Uni-Klinikums Saarland. „Ich begleite eine Krebsstudie, wo es um Gehirntumore und Sport geht. Das war quasi der Materialtest“, sagt sie.

Felix Schönhöfer

Runter. Das gibt mehr als nasse Füße.
Runter. Das gibt mehr als nasse Füße. Foto: Iversen
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