Voltigieren RHEINPFALZ Plus Artikel Congia im Interview: „Das WM-Ticket ist unser Ziel“

Ehrenrunde: 2019 feierten Chiara Congia, Longenführerin Alexandra Knauf und Justin van Gerven den Europameistertitel im Doppel.
Ehrenrunde: 2019 feierten Chiara Congia, Longenführerin Alexandra Knauf und Justin van Gerven den Europameistertitel im Doppel. Am Wochenende wollen sie das Ticket zur Weltmeisterschaft lösen.

Die Offenbacher Voltigiererin Chiara Congia ist Weltmeisterin im Team und Europameisterin mit ihrem Partner Justin van Gerven. Am Wochenende geht es für die 23-jährige Psychologiestudentin in Warendorf um die Nominierung für die Weltmeisterschaft. Es immer noch nicht so, wie es einmal war.

Am Wochenende steht mit der dritten Sichtung für die Weltmeisterschaft in Budapest Ende August das dritte Turnier innerhalb von sechs Wochen für Sie an. Fühlt sich das nach der über einjährigen Corona-Zwangspause schon an wie eine normale Saison?
Nein, wie eine ganz normale Saison bestimmt nicht. Das ist schon noch mal ein Unterschied. Sonst ist man gefühlt jedes Wochenende woanders hingefahren. Die Turniere waren mit viel mehr Teilnehmern und Publikum, das jetzt ist noch nicht wieder ganz normal.

2018 waren Sie mit dem Team Norka des Voltigiervereins Köln-Dünnwald Weltmeisterin. Warum ist die Vorbereitung und die Qualifikation für die WM in Ungarn nicht ganz so gelaufen, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Bei der ersten Sichtung haben wir mit dem Team nur die Pflicht gezeigt, was wir auch so geplant hatten. Bei der zweiten Sichtung hatten wir vor, normal zu starten, also Pflicht und zwei Küren zu zeigen. Dann hat sich Rebecca Verlage im Abschlusstraining freitags so schwer verletzt, dass sie nicht starten konnte. Kurzfristig sprang Mona Pavetic (Junioren-Weltmeisterin 2019, die Red.) ein, die bei uns im Verein und manchmal auch mit der Mannschaft trainiert.

Kann man so einen Ausfall kurzfristig kompensieren?
Nein, schon gar nicht einen Tag vor dem Wettkampf. Wir sind in der Kür total aufeinander abgestimmt, und das ist das Ergebnis zahlreicher Trainings. Das war dann erst mal nur eine Notlösung.

Brach die große Hektik aus?
Nein, Hektik war nicht. Nachdem Rebecca im Krankenhaus war, haben uns unsere Trainer Patrick Looser und Torben Jacobs mitgeteilt, dass Mona mitmachen wird. Die Pflicht ist ja nicht so teamabhängig (die Pflicht turnt jedes Teammitglied alleine auf dem Pferd, die Red.). In der Kür haben wir dann geguckt, wie wir sie einbauen. Wir mussten relativ viel umstellen und auch ein paar Dinge weglassen. So, wie es mit der fehlenden Vorbereitungszeit eben möglich war.

Wie geht es Rebecca Verlage?
Diagnostisch ist noch nicht alles durch. Beide Füße hatten etwas abbekommen, mehrere Bänder sind gerissen, sodass sie jetzt erst mal eine Weile ausfällt.

Denkt man in dem Moment, dass die WM-Qualifikation gelaufen ist?
Nein, die Gedanken an die WM haben erst mal keine Rolle gespielt. Da stand ganz alleine das Wochenende im Fokus, dass und wie wir da trotzdem unseren Wettkampf bestreiten können.

Gehen Sie am Wochenende noch einmal mit Mona Pavetic an den Start?
Nein, wir werden noch einmal eine Umstellung haben.

Wie steckt das Team das weg?
Natürlich waren wir traurig, dass wir unser ursprünglich geplantes Programm nicht zeigen konnten. Wir wussten aber schnell, dass wir jetzt nach vorne blicken und eine Lösung finden, um das Beste aus der Situation zu machen.

Sie haben nach der ersten Sichtung, als Sie mit ihrem Partner Justin van Gerven im Pas de deux gestartet waren und Zweite wurden, gesagt, dass Sie noch nicht alles gezeigt haben. Was können erwarten?
Wir sind fit, wir sind mit neuen Trikots am Start. Es gab ein paar Veränderungen, ein paar Kleinigkeiten in der Kür. Mal gucken, ob sich noch was bis zur WM, falls wir nominiert werden, ändert.

Das klingt jetzt aber zuversichtlich, dass Sie am Wochenende im Doppel das Ticket nach Ungarn lösen.
Das ist schon das Ziel, deshalb planen wir es auch ein.

Baut sich bei Ihnen bis zum Start am Wochenende noch Spannung auf?
Nein, im Moment eigentlich gar nicht. Wir fühlen uns im Doppel sicher, sind zuversichtlich und freuen uns, wenn wir unsere Leistung abrufen und zeigen können.

Die Herxheimerinnen Hannah Steverding und Sophie Kuhn haben sich riesig über das Wiedersehen mit den deutschen Kaderathleten gefreut. Ging es Ihnen auch so, obwohl Sie doch Konkurrenten sind?
Ja, auf jeden Fall habe ich mich gefreut. Ich persönlich empfinde überhaupt keinen Konkurrenzkampf. Man versteht sich gut und man kennt sich gut. Jeder weiß, was der andere da an Arbeit reinsteckt. Man respektiert sich und gönnt es sich gegenseitig. Ich muss da nicht auf die Leistung der anderen gucken, sondern nur, wie zufrieden ich bin. Man freut sich auch, wenn andere gute Leistungen zeigen.

Mit Blick auf die WM: Wissen Sie, wie stark die Konkurrenz ist?
Nein, dieses Jahr hat man nicht so ganz den Überblick wie sonst. Man sieht die anderen nicht wie sonst, weil keine internationalen Turniere stattgefunden haben.

Läuft das Psychologie-Studium in Köln wieder normal?
Ich absolviere gerade ein Praktikum in einer psychiatrischen Klinik und bin in den letzten eineinhalb Wochen dieser drei Monate. Ich bekomme viele Einblicke, habe die Möglichkeit, therapeutische Aufgaben zu übernehmen, und kann deshalb einiges für mich mitnehmen.

Chiara Congia
Chiara Congia
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