Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Boxen: Das Comeback – Nach 66 Jahren fliegen auf dem Frankweilerer Sportplatz wieder Fäuste

So sah 1954 eine Siegerehrung in Frankweiler aus.
So sah 1954 eine Siegerehrung in Frankweiler aus.

Faustkämpfe in Frankweiler, das gab es vor zig Jahren mal. Mitten auf dem Fußballplatz. Am Wochenende fliegen dort erneut die Fäuste. Am Sonntag bei einem öffentlichen Training. Wie es 1954 war und was 20 Boxer aus vier Städten nun ins 850-Seelen-Dorf zieht.

Was war der Anlass für Boxkämpfe in Frankweiler und wer stieg damals in den Ring? 66 Jahre ist es her. Anders als das Fußball-Wunder von Bern, der WM-Erfolg Deutschlands 1954, wurde die Boxveranstaltung des ASV Landau auf dem Sportplatz in Frankweiler nicht verfilmt. Doch es gibt Bilder. Manfred Knoll, der ehemalige Vorsitzende der Landauer Boxabteilung, und Henry Bartsch vom TuS Frankweiler, der für das Wochenende ein Trainingslager für Boxer organisiert hat, haben nachgeforscht.

Mitten auf dem Platz wurde damals ein Ring aus Holz aufgebaut, auf die Kampffläche ein Teppich gelegt. Die Zuschauer standen entweder auf dem Platz oder saßen am Hang. „Wo heute das Clubhaus steht“, sagt Bartsch. Es waren wohl mehrere Vergleichskämpfe zwischen Boxern vom ASV und von einem anderen Verein.

Joola einer der Ringsponsoren

Einer sei Uli Hartmann gewesen. Knoll kannte ihn: „Er war später auch mal Trainer im ASV, wohnte in Landau und hat jetzt eine Wirtschaft in Würzburg.“ Seinem Gegner war auf den ersten Blick nicht anzusehen, dass er Boxer ist. Zumindest nicht, wenn man auf sein eher an Ballett erinnerndes Schuhwerk schaute. Ringsponsor war unter anderem Joola, damals noch Geschäft für Haus- und Küchenwaren, heute Unternehmen für Tischtennisartikel. Der Cheftrainer war zu der Zeit Karl Zeis, der über 50 Jahre im Verein war. Er starb 2005.

Boxen in Landau hatte in den 70er- und 80er-Jahren seine Hochzeit, danach sank das Interesse. Knoll erinnert sich an einen besonderen Trainer aus jüngerer Vergangenheit: Stefan Kessler übernahm das Cheftraineramt 2007. Von seinem Training würden viele Landauer Boxer wie Bujar Tahiri, Benjamin Gavazi oder Diyab Dabschah heute noch zehren. Disziplin sei ihm wichtig gewesen. „Im Training hat keiner erzählt. Sonst konnte er seine Sporttasche nehmen und in 14 Tagen wieder kommen“, erinnert sich Knoll. Kessler hat sich mittlerweile zurückgezogen.

Hygienekonzept vorgelegt

Das Einweihungsfest 1954, bei dem nicht nur geboxt, sondern auch geturnt wurde, zog etliche Menschen an. Bartsch hofft, dass auch im Trainingslager auf eben jenem Sportplatz, wo früher auch Handball gespielt wurde, das Interesse groß ist. Am Sonntag gibt es zwischen 14 und 16 Uhr ein öffentliches Training.

Zuvor und am Samstag trainieren 20 Profi-Boxer aus Landau, Karlsruhe, Wiesbaden und Frankfurt gemeinsam. Darunter sollen Deutsche Meister und Europameister sein. Aufgrund der Corona-Einschränkungen hat sich Bartsch dazu entschieden, nicht mehr als 20 Kämpfer einzuladen. Er musste einigen absagen. „Wir mussten ein Hygienekonzept vorlegen, das Sicherheit und Gesundheit der Sportler gewährleistet“, sagt er.

Bei schlechtem Wetter in der Halle

Die Einheiten - zwei am Samstag und drei am Sonntag - werden unter anderem Diyab Dabschah, der bei der geplanten Landauer Boxgala der Elite-Boxing-Fight-Night am 26. September im Universum Kinocenter im Hauptkampf steht, und dessen Trainer Tyson Gray vom Karlsruher SC leiten. Sollte das Wetter nicht mitspielen, zieht die Gruppe um in die Dagoberthalle. Einige Boxer werden auch bei der Gala im September sein.

Aktuell seien 150 Zuschauer bei der Gala im Kino erlaubt, sagt Bartsch. Er hofft auf eine weitere Lockerung der Corona-Verordnung. Tickets gibt es im Universum-Kino und im Lokal Die Hexestub in der Trappengasse. Beim Kauf müssen Name, Adresse und Telefonnummer hinterlegt werden.

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