Lokalsport Südpfalz Athleten und Möglichkeiten im Kopf

91-72462674.jpg

RHEINZABERN (thc). „Hallo, was macht’s?“, begrüßt er den jungen Athleten, der verletzt war, mit Handschlag. „Hallo, Werner“, ruft ein anderer, zu dem ihm einfällt: „Komm’ mal her, mit dir will ich mal reden!“ Fast jeden Werktag, diesmal ist es ein sonniger, wiederholt sich das auf dem Rheinzaberner Trainingsplatz hinter der Gesamtschule, ehe das Training beginnt. Außer Mittwoch. „Man darf auch mal privat sein“, sagt Werner Roth.

1,85 Meter misst er, stattliche (Sportler-)Figur. Er gilt als Trainer-Legende. Der Mann, der heute seinen 80. Geburtstag feiern kann, bleibt jung mit der Jugend. Manuel, David und Luzi rücken gerade nach. Werfer ist der eine, der andere ist Weitspringer, sie will Mittelstrecken laufen. „Sie sind noch nicht lange bei mir“, sagt Roth. Den guten Ruf hat er als Hochsprung-Trainer. Leonie Reuter, Axel Müller, Sebastian Schultz, Charlotte Brauch, Thomas Kriese, Guido Weis, Simon Hochmuth sind oder waren „seine“ Athleten der vergangenen Jahre. Seine erste Liebe galt indes dem Langlauf. Ein altes Foto zeigt Werner Roth Anfang der 1950er-Jahre mit Heinz Ducke, Wilfried Hoffmann, Theo Gilb, Wilhelm Mohr, Leo Eichenlaub, Richard Franzoni, Dieter Graber. In der Schule hatte er angefangen, Turnen, Handball und Leichtathletik. Hinterm Elternhaus wurde trainiert. 1958 machten sich die Leichtathleten im Verein selbstständig, sie lösten sich von den Turnern. Erste Liebe. Über sein Privatleben erzählt Werner Roth lieber nicht viel. Chemielaborant lernte er und war zwölf Jahre bei der BASF. 17 Marathons ist er gelaufen, Bestzeit: 3:03 Stunden. Doch das wurde weniger: Weiterbildung an der Abendschule zum Chemotechniker, Haus gebaut, Familie, dann der Job am Forschungszentrum in Karlsruhe, den er 32 Jahre lang ausübte. Seine Frau Elisabeth ist 79, ihr geht es nicht so gut wie ihm. Sohn Peter ist Polizist, Tochter Barbara ist Lehrerin, seine Enkelin studierte Frühkindliche Pädagogik. Bei einem Vergleichskampf gegen Haßloch sah er Markolf Groß springen und legte sich fest: Hochsprung. „Er hat mich so begeistert, dass ich angefangen habe“, erzählt Roth. Er kaufte sich Lehrbücher, der Sportwissenschaftler Toni Nett war angesagt, ging auf Lehrgänge. 1975, drei Jahre nach dem Spielen von München, erwarb er die Trainer-A-Lizenz. Apropos München: Bei Ulrike Meyfarths Triumph war Roth im Olympiastadion. Sie hatte schon den Fosbury-Flop übernommen, die Technik, mit der Dick Fosbury 1968 in Mexiko antrat. Straddle wurde Geschichte, Rollsprung, Schersprung und Hocksprung waren es schon. Und in München, so ist es überliefert, traf Roth auf Ernst van Aaken, damals der Laufpionier. Das Gespräch mit ihm motivierte ihn, 1973 den ersten Pfälzer Osterlauf zu organisieren. Seit 1983 gibt es die Rheinzaberner Winterlaufserie, für die unter anderem rund 170 Helfer zu organisieren sind. Lange Abteilungsleiter, Kampfrichter, Vertreter für den Sport in kommunalpolitischen Gremien, der unter anderem zuerst für einen Raum in der Turn- und Festhalle und dann für eine gute Anlage hinter der Schule kämpfte: Werner Roth ist multifunktionell. Er begleitete Paul Dobler, einst Marathon-Pfalzmeister, Karl Sengel, der auf Asche die 400 Meter in 49,1 Sekunden gelaufen sei, Martin Gerhard, den starken 800-Meter-Läufer, Thomas Schlindwein, den deutschen Jugendmeister 400 Meter Hürden, Jens Wappler, den Hürdensprinter und Mehrkämpfer. Und Roth kommt auf Ulrich Striegel zu sprechen, den sehbehinderten Weit- und Dreispringer, der an drei Paralympics teilnahm. „Die Motivation ist immer noch da“, sagt Roth und schwärmt davon, als er die zwölfjährige Landauerin Leonie Reuter (heute ist sie 17) bei einem Abendsportfest springen sah: „Da hat sie mich fasziniert, sie ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen.“ Trainer beschäftigen sich immer wieder mit jungen Menschen, mit physikalischen Gesetzen. Mit Körpergrößen, Hebelverhältnissen, Kräften. Viele hält es jung.

x