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Anne Zellmer: In den hohen Norden und zurück
So was spricht sich unter Freunden herum. Anne Elischer, die nach ihrem Ausscheiden 2011 ins Kandeler Oberligateam gerückt war, Torhüterin Natascha Philipp und schließlich Trainer Eyub Erden, so erzählt es Zellmer, hätten sich gemeldet. So kam es, dass sie am 6. November im Aufgebot für das Spiel gegen den TV Wörth war. Zum bislang einzigen Mal. Ob sie häufiger eingesetzt wird, ist unklar: Frankfurt ist nicht vor der Haustür, wenngleich es nicht so weit weg ist wie Kiel; Erden scheidet nach der Saison aus freien Stücken aus; Zellmer ist 33 Jahre alt und leidet, wie sie mitteilt, an Chondromalazie vom Grad 4 im Schultereckgelenk: eine Knorpelerkrankung. „Ähnlich wie bei Arthrose ist der Knorpel in dem kleinen Gelenk zwischen Schulterdach und Schlüsselbein fast verschwunden. Ist wohl eine typische ,Werfer-Schulter’“, erklärt sie. „Deshalb kann ich nicht mehr so werfen, wie ich das will und konnte.“
In Köln und dann in Kiel studiert
Sie konnte. Mit 14 stand sie in der Rheinland-Pfalz-Auswahl und schaffte es bei der nationalen Sichtung in die Top-16-Auswahl. Ihre Konter waren gefürchtet.
Wie kommt sie nach Kiel, wo sie zuletzt in einer WG in der Nähe der Wunderuno-Arena wohnt, dem Zuhause des THW Kiel? Zellmer studierte Sportwissenschaften, zuerst in Köln (Bachelor 2014). Eine kurze Zeit spielte sie für Bayer Leverkusen II, später beim Pulheimer SC in der Oberliga, in der sie zeitweise aus dem besten Angriff der Liga herausragte. In Kiel nahm sie 2015 das Masterstudium auf und trat für Kiel an. Daraufhin nahm Drittligaaufsteiger TSV Wattenbek Kontakt mit ihr auf, der Ort liegt gut 20 Kilometer südlich.
Crowdfunding und ein Podcast
2018 machte sie den Master in Sportwissenschaften. Zellmer hat freiberuflich als Reha-Trainerin und in der betrieblichen Gesundheitsförderung bei der Stadt Kiel gearbeitet. Als Wattenbek 2020 die Zahlungsunfähigkeit drohte, gehörte sie zu den führenden Leuten, die mit einer Crowdfunding-Aktion knapp 12.000 Euro einsammelten. Zur Aktion gehörten handballspezifische Prämien und Dienstleistungen wie Hundesitting. In einem Podcast erzählte sie darüber.
Im VDES sind angeblich etwa 280 Eisenbahnersportvereine mit rund 100.000 Mitgliedern. Der Verband fördere und erhalte mit Sport und Bewegung schwerpunktmäßig die Gesundheit und Lebensqualität der Mitarbeiter. „Ich organisiere den Sport für die Bahnler“, sagt die Sportwissenschaftlerin und betriebliche Gesundheitsmanagerin, die in Sachsenhausen wohnt. Sie plant Bildungsurlaube, Präsentationskurse, Ergonomieprogramme. Was ist mit Handball? „Ich weiß nicht, wie es sich entwickelt“, sagt Zellmer. Mit der Bahncard 100 kommt sie überall hin.