Kreis Südliche Weinstraße
Südliche Weinstraße: Manche Kitas aus Protest gegen Kita-Gesetz am Donnerstag geschlossen

Trotz Nachbesserungen der Regierung in Mainz bleibt das Kita-Gesetz des Landes umstritten. Vor allem die Erzieherinnen und Erzieher sind verärgert. Deswegen wird in einigen Einrichtungen am Donnerstag zu Protestaktionen aufgerufen.
Die Mitarbeiter in vielen Kitas haben die Nase voll, denn das sogenannte „Gute-Kita-Gesetz“ ist für sie ein schlechtes „Wir wollen nicht zurück zur Bewahranstalt unter dem Motto „Hauptsache sauber, trocken, satt und heil“, sagen sie. Aus Protest bleiben einige Kindertagesstätten am Donnerstag geschlossen, darunter auch die Kita „Kugelstern“ in Edenkoben. In einem Elternbrief wurden die Mütter und Väter um Verständnis gebeten, dass aus Protest gegen die Novellierung die Betreuung morgen ausfallen soll. „Es ist kein Streik, sondern eine Aufklärungsaktion, die ab 8 Uhr mit Plakaten und Transparenten in der Radeburgerstraße geplant ist. “ In Mainz sei das Kita-Gesetz zwar nachgebessert worden, aber es gebe nach wie vor Engpässe für das Personal, sagte Susanne Grunewald gestern auf Anfrage. Ein Erzieher für zehn Kinder werde den Bedürfnissen nicht gerecht. Beim Mittagessen müssten manche Kleinen gefüttert werden. „Das ist nicht wie bei einem Hund, dem man eine Schüssel vorsetzt“, gab die Erzieherin zu bedenken. Und beim Mittagsschlaf könne man sie nicht einfach wie Puppen hinlegen.
Verärgerung auch in anderen Gemeinden
Nach der Aufklärungsaktion ist ein Marsch durch Edenkoben vorgesehen, zu dem auch Erzieherinnen aus der Umgebung erwartet werden. „Ein Zeichen setzen für die Forderung nach mehr Personal“, dazu sind auch Eltern aufgerufen. Sollten Eltern wegen der Schließung der Kita Probleme bekommen, sollen sie sich bei den Erzieherinnen melden. Dann werde die Betreuung in einer anderen Einrichtung gesichert, sagt Susanne Grunewald.
Auch in anderen Gemeinden gibt es Verärgerung über das derzeit vorliegende Gesetz, das nicht am Wohl der Kinder orintiert sei, heißt es. Christa Heise ist Leiterin der kommunalen Kita „Buntspecht“ in Altdorf. 75 Kinder, auch aus Böbingen, besuchen die Einrichtung, für die derzeit 8,25 Stellen genehmigt sind. „Wir sind gefrustet und deprimiert“, sagt die Leiterin, die seit 32 Jahren Erzieherin ist. Sie ist überzeugt, dass mit dem neuen Gesetz die Bildung auf der Strecke bleibe und Kindertagesstätten wieder zu „Bewahranstalten“ werden, weil viel zu wenig Personal zur Verfügung stehe.
Das Problem: Für zehn Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren sieht das Kita-Gesetz einen Erzieher vor. „Mit diesem Personalschlüssel können wir die Anforderungen nicht erfüllen. Ein Zweijähriger hat andere Bedürfnisse als ein Sechsjähriger“, sagt Christa Heise. Dass für alle Kinder ein Mittagessen bereit stehen soll, sieht sie ebenfalls als nicht machbar an, denn dafür sei in dieser, für die Erzieher schon heute stressigen Situation nicht mehr Personal vorgesehen. „Wenn alle essen sollen, rotieren wir und die Räumlichkeiten reichen nicht“, sagt sie. Der Personalschlüssel sei zu niedrig, Kollegen hätten Burnout oder seien krank, das werde sich dann noch verstärken. Schon jetzt gebe es Umschulungen und Berufswechsel bei Erziehern. „Wir kämpfen für die Zukunft der Kinder, die Politiker und Verantwortlichen müssen wachgerüttelt werden. All die schönen Versprechungen können nicht ohne zusätzliches Personal umgesetzt werden“, heißt es in einem Brief an die Eltern.
„Das Gesetz bedeutet einen Rückschritt“
Dagmar Löbs ist seit 1981 Erzieherin und leitet die Kita „Waldgeister“ in Pleisweiler-Oberhofen, die auch die Kinder aus Niederhorbach besuchen. Für 50 Kinder sind derzeit 5,68 Personalstellen genehmigt. „Das Gesetz bedeutet einen Rückschritt, der alle Erkenntnisse über die frühkindliche Entwicklung und ihre Bedeutung für die Zukunft der Kinder über den Haufen wirft“, schimpft die Leiterin. Individuelle Betreuung, Erziehung und Bildung seien nicht mehr gewährleistet, sagt sie und hofft auch auf die Solidarität der Eltern. Sie ist frustriert, dass Kitas unter Druck gesetzt wurden, unter anderem mit der Androhung arbeitsrechtlicher Schritte, damit sie an der Protestaktion nicht teilnehmen „Wir wollen keinen Rabatz machen, wir wollen, dass es den Kindern gut geht“, meint Dagmar Löbs. „Die individuelle Betreuung wird unter dem Gesetz leiden. So wollen wir nicht arbeiten, unter den vorgesehenen Bedingungen wird das aber nicht mehr verantwortungsbewusst und gut möglich sein“, sagt sie.
Wie die Kita in Pleisweiler-Oberhofen wollte sich auch die katholische Kindertagesstätte Klingenmünster an der Schließungsaktion beteiligen. Doch die Einrichtung bleibt geöffnet, wie Heike Pfaff mitteilt. „Wir werden aber an dem Morgen eine Infoveranstaltung mit Plakaten und Stellwänden machen“, hieß es gestern in einer Mail.
Sicht des Jugendamts
„Die Kreisverwaltung ist nicht in die geplanten Demonstrationen in verschiedenen Kitas involviert“, teilte Sprecher Heiko Pabst nach Rücksprache mit der zuständigen Abteilung „Jugend, Familie und Sport“ auf Anfrage mit. Die Entscheidungen über solche Proteste seien mit dem jeweiligen Träger abzustimmen. „Auch bei einem gewissen Verständnis für verschiedene Formen der Demonstrationen sollte diese rechtskonform und nicht zum Leidwesen der Eltern erfolgen“, so der Kreissprecher.