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Freitag, 04. Januar 2019 Drucken

Landau

Landau: Beteiligte Familien sprechen über Schlägerei am Ostringcenter

Von Falk Reimer

Derzeit gelten zwei der Beteiligten als Beschuldigte.

Derzeit gelten zwei der Beteiligten als Beschuldigte. (Symbolfoto: dpa)

Die Schlägerei sei vor dem Salon gewesen, sagt dessen Chefin.

Die Schlägerei sei vor dem Salon gewesen, sagt dessen Chefin. (Foto: Böckmann)

Mittwoch, 14 Uhr: Die Polizei versperrt vor dem Landauer Ostringcenter halbseitig die Straße mit vier Einsatzfahrzeugen. Es ist von einer Schlägerei mit bis zu zehn Beteiligten und fünf Verletzten die Rede. Der Grund war wohl ein Familienstreit, der nach der Eröffnung eines Friseursalons völlig eskaliert ist. Doch noch ist vieles unklar.

Es war der große Aufreger am Mittwoch, 2. Januar: eine Massenschlägerei am Landauer Ostringcenter –  am helllichten Tag, gegen 14 Uhr. Im Einsatz: acht Beamte und ein Krankenwagen. Fünf Verletzte werden im Anschluss in den beiden Landauer Krankenhäusern behandelt. Zunächst ist von bis zu zehn Beteiligten die Rede, derzeit würden aber nur zwei Personen als Beschuldigte geführt, teilt die Polizei am Donnerstag mit. Was ist warum passiert? All das bleibt in der ersten Aufregung völlig unklar.

Familie sei gekommen, um den Ruf des Ladens zu zerstören

Der Tag danach: Im Friseursalon ist die Stimmung trist. Es sind mehrere Männer dort. Einem sieht man die Folgen der Auseinandersetzung am Vortag deutlich an: Ihn ziert ein blutunterlaufenes Auge. Bis die Chefin kommt, dauert es einige Minuten. Sie sei noch bei der Polizei, heißt es. Als sie eintrifft, klagt sie: „Sie sind gestern gekommen, um den Ruf des Ladens zu zerstören.“ Mit "sie" meint die Besitzerin des Salons den anderen Teil der großen Familie. Denn darum handele es sich: einen Familienstreit, der eskalierte, als der Salon eröffnet hat. Denn die anderen Mitglieder der deutsch-irakischen Familie haben zwei weitere Friseursalons in Landau.

Täter hatten angeblich keinen Baseballschläger, sondern Silikonpistole

Jene „andere“ Seite der Familie hatte zuvor von sich aus Kontakt mit der RHEINPFALZ aufgenommen. Der Grund: An der Berichterstattung vom Vortag, die im Wesentlichen auf ersten Auskünften der Polizei und Augenzeugenaussagen basiert, sei einiges falsch. So sei beispielsweise kein Baseballschläger im Einsatz gewesen, sondern eine Silikonpistole. Also eine Kartuschenpresse.

Die Frau im Friseursalon bestätigt dies – einer der wenigen Punkte, in denen sich beide Parteien einig sind. Beide wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Beide Seiten bestätigen auch, dass es sich um einen Familienstreit handelt. Worum es dabei aber genau geht, damit will niemand rausrücken. Aber beide Seiten sehen sich als Opfer.

Es wurde ein Onkel aus Amerika eingeflogen, der schlichten sollte

Um den schon lange schwelenden Streit auszuräumen, habe der eine Teil der Familie, der sich bereits mit zwei Salons etabliert hat, extra einen Onkel aus Amerika eingeflogen, der schlichten sollte. Die Vertreterin dieses Familienzweigs erzählt, es habe ein Gespräch im Salon im Ostringcenter geben sollen, „doch die haben uns in einen Hinterhalt gelockt“. Acht Männer hätten sie und den Onkel attackiert, dabei sei dem Besucher mit der Silikonpistole ein Loch in die Hand gestochen worden.

Dem widerspricht die Chefin des Salons energisch. Es habe eine gezielte Attacke auf den Laden gegeben, um den Ruf des Geschäfts zu schädigen. Ein Familienmitglied zeigt ein knapp 15 Sekunden langes Handyvideo. Zu sehen ist ein Mann mit Smartphone am Ohr, der laut in einer fremden Sprache spricht und immer wieder versucht, in den Salon einzudringen. Die anderen, darunter eine weitere Frau, hindern ihn daran. Das Video wurde offensichtlich vor der Schlägerei aufgenommen. Was vor oder nach der Aufnahme geschehen ist, ist aber nicht zu sehen. Das Verhalten der Menschen im Salon im Ostringcenter wirkt im Video defensiv.

Salonbesitzerin: „Wir müssen es schaffen, den Familienstreit ohne Gewalt zu schlichten.“

An der anschließenden Schlägerei seien lediglich vier Personen beteiligt gewesen, sagt die Salonchefin. Sie selbst sei zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort gewesen. Sie wünsche sich vor allem Frieden und Ruhe, sagt sie. „Wir müssen es schaffen, den Familienstreit ohne Gewalt zu schlichten.“

Viele Aspekte dieser Aussagen werden von der Polizei bestätigt: Ja, es sei eine Kartuschenpresse eingesetzt worden. Derzeit werde gegen zwei Beschuldigte ermittelt. Insgesamt seien acht Menschen am Tatort vernommen worden. „Darunter auch unbeteiligte Zeugen.“ Die Zahl der Beschuldigten könne noch steigen, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Zum Motiv oder zum Ablauf der Geschehnisse wollen sich die Beamten noch nicht äußern. Es handele sich wohl um eine Familiensache mit Körperverletzungsdelikten. „Ob gefährliche oder einfache Körperverletzung vorliegt, muss die Staatsanwaltschaft entscheiden“, heißt es aus der Polizei-Pressestelle. Es stünden noch Vernehmungen an, erst dann sehe man klarer.

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