Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Einbruchssaison: Der „Stöckchentäter“ sitzt

Alte Terrassentüren und Fenster werden von Einbrechern gerne genutzt.
Alte Terrassentüren und Fenster werden von Einbrechern gerne genutzt. Foto: Silas Stein/dpa

Mit der Zeitumstellung von Samstag auf Sonntag beginnt die „dunkle Jahreszeit“. Das heißt auch, dass reisende Tätergruppen vermehrt versuchen werden, in Wohnhäuser einzubrechen. Die Einbruchszahlen sind rückläufig. Doch die Polizei ist wachsam. Jeder kann dazu beitragen, es den Tätern schwerer zu machen.

Südpfalz. Mit der Zeitumstellung wird es abends wieder früher dunkel. Viele Menschen beenden ihre Arbeit gegen 17 Uhr oder etwas später. Danach wird noch kurz eingekauft. Dann der Schock: Bei der Rückkehr wird festgestellt, dass eingebrochen wurde beziehungsweise es einen Einbruchsversuch gegeben hat. „Die Zahlen sind seit 2015 rückläufig“, sagt der Leiter der Landauer Kriminalinspektion Alexander Welter. Im Bereich der PD Landau – zu der die Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße ebenso gehören wie die Stadt Landau – hat es laut Kriminalstatistik 2015 462 Wohnungseinbruchdiebstähle (WED) gegeben. 2018 waren es 242 – ein historischer Tiefstand, wie Welter sagt. Im Bereich der dazuzählenden Tageswohnungseinbrüche (TWE) – das sind Einbrüche die zwischen 6 und 21 Uhr verübt werden – hat es ebenfalls einen deutlichen Rückgang im Zeitraum gegeben: von 174 (2015) auf 90 vergangenes Jahr.

Einbrecher wieder aktiv

Ein Grund sich darauf auszuruhen sehen die Polizisten der Direktion allerdings nicht. Denn es wird nach wie vor eingebrochen – gerade in den letzten Wochen hat es wieder einige Taten entlang der Ortschaften an der B9 wie beispielsweise im Bereich Rülzheim gegeben. Zu Beginn des Jahres seien die Täter in Frankweiler, Bornheim und Kandel aktiv gewesen. „Doch liegen die aktuellen Zahlen auf dem Niveau des Vorjahres, eher noch etwas darunter“, beruhigt Andre Erdle, der die WED/TWE bearbeitet. Interessant sei, dass die Zahl der Versuche gestiegen ist. Landesweit gab es 2018 45,4 Prozent Einbruchsversuche, im PD-Bereich seien es 51,7 Prozent.

Meist handelt es sich um reisende Täter, die nach dem Einbruch sofort weiterfahren. Die Landesgrenze sei für Täter enorm wichtig. Aus dem Grund werde auch mit den Kollegen in Baden-Württemberg eng zusammengearbeitet. Erdle zufolge stellt die Polizei fest, dass ein Täter oder gut organisierte Tätergruppen inzwischen an einem Ort innerhalb einiger Wochen mehrmals zuschlagen – „die Ortschaft abarbeiten“. Akzeptiert wird das nicht. „Wir haben die Kontrollmaßnahmen inzwischen hochgefahren“, sagen Erdle und Welter.

Aufklärungsquote sinkt

Manche Täter haben bestimmte Verhaltensmuster, an denen sie zu identifizieren sind. Dadurch gelingt es Erdle zufolge, zu erkennen, welcher Tatort einem Täter zuzuschreiben ist. „Der ’Stöckchentäter’ sitzt inzwischen“, sagt Erdle. Gemeint ist ein Einbrecher, der im Umfeld des Tatorts immer Zweige abriss und diese nutzte, um Rollläden zu fixieren. „Dabei hat er – möglicherweise im Stress weil es schnell gehen musste – die Zweige auch durchgebissen“, sagt Erdle und demonstriert dabei einen imaginären Biss. Nicht immer gelingt es, den Täter auch zu überführen. Die Aufklärungsquote bei den TWE sank von rund 24 Prozent im Jahr 2015 auf fast 13 Prozent 2018.

Kostenlose Grundschutzberatung

Es Einbrechern nicht einfach machen lautet das Credo der Polizei. Oftmals haben gerade ältere Menschen größere Summen Bargeld oder Schmuck zuhause. Das Haus ist älter und in den vergangenen Jahren wurde nichts in eine Modernisierung investiert. Dann sind Fenster und Terrassentüren das erste Ziel von Einbrechern, weil es schnell gehen muss. „Haustüren werden sehr selten angegangen“, sagt Erdle. Bei Fenstern und Terrassentüren sollte auf jeden Fall nachgebessert werden, besser sei es noch, neue einzubauen. Auch Rollläden sind kein Einbruchsschutz, weil sie hochgeschoben werden können. Erdle: „Besser ist es, die Rollläden oben zu lassen und mit Licht zu arbeiten “ (siehe zur Sache). Wenn es noch keinen Einbruch gegeben hat, empfehlen die Kriminalbeamten eine Grundschutzberatung, die von den Bezirksbeamten vor Ort angeboten wird und kostenlos ist. Wenn ein Einbruch geschehen ist, erhalten die Bewohner auch Opferbetreuung und mehr. Der Ärger und unter Umständen Angst in den eigenen vier Wänden ist jedoch da.

Info

Tag des Einbruchschutzes „K-Einbruch“, Vorführungen, Sicherungsberatung, Samstag, 27. Oktober, Rathaus, Ludwigshafen.

2. Bürgerforum in Westheim, Thema: Wohnungseinbruch u. a. mit aktuellem polizeiliche Lagebild und Bekämpfungsstrategien sowie Präventions- und Verhaltenstipps . Donnerstag, 14. November, 17 bis 19 Uhr, Bürgerhaus, Martin-Luther-Weg 1, Westheim

Zur Sache: Was es zu beachten gilt

Auf jeden Fall sollten Hausbesitzer niemals ein Fenster gekippt lassen, wenn sie weggehen, denn: „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, sagt André Erdle. Versicherungstechnisch könnte das unter Umständen als grob fahrlässig gewertet werden. Weitere Tipps: Wer in Urlaub fährt, sollte keine Anrufbeantworter besprechen oder in sozialen Netzwerken Urlaubsbilder hochladen. Nachbarn, denen man vertraut, sollten den Briefkasten regelmäßig leeren. Leitern oder Mülltonnen wegschließen, damit Täter diese nicht nutzen können, um an ein Fenster im ersten Obergeschoss zu gelangen. Licht mit Zeitschaltuhren erwecken den Eindruck, dass Bewohner zuhause sind. Geht ein Schlüssel verloren, empfiehlt Erdle, den Schließzylinder auszutauschen und nicht einen Schlüssel nachmachen zu lassen. Auch einen Schlüssel im Außenbereich zu deponieren kann nicht empfohlen werden. Wenn sich Verdächtige auf Grundstücken blicken lassen oder Autos mehrmals durch Straßen fahren, sollten Kennzeichen notiert werden. Auch Fotos sind möglich. Letztere jedoch nicht in sozialen Netzwerken verbreiten.

Weitere Tipps gibt es auf der Homepage der Polizei: https://www.polizei.rlp.de/de/aufgaben/praevention oder www.k-einbruch.de

x