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Landau

Durchsuchung bei FCK-Ultras: Landauer Kripo wusste von nichts

Von Markus Müller

Bei den Durchsuchungen stellten die Bundespolizisten unter anderem Baseballschläger, Graffitiwerkzeuge und Festplatten sicher.

Bei den Durchsuchungen stellten die Bundespolizisten unter anderem Baseballschläger, Graffitiwerkzeuge und Festplatten sicher. ( Symbolfoto: dpa)

Keine Übung: Der Einsatz in der Landauer Marktstraße.

Keine Übung: Der Einsatz in der Landauer Marktstraße. ( Foto: Privat)

Razzia in der Marktstraße gegen mutmaßlich kriminelle Fußballfans zunächst als "Übung" deklariert

„Polizei: Vermeintliche Razzia entpuppt sich als Schulung“: Unter diesem Titel haben wir in der Freitagsausgabe über einen Vorfall berichtet, den ein RHEINPFALZ-Leser am Donnerstagmorgen im Bereich der Landauer Marktstraße beobachtet und fotografiert hatte. Auf Nachfrage erklärte die Landauer Kriminalpolizei, dass wohl eine Verwechslung vorliege. Bei einer Schulung seien mehrere Kollegen für eine praktische Übung zum Thema Lasermessungen in der Innenstadt unterwegs gewesen. Einen größeren Einsatz habe es aber nicht gegeben.

Zug mit Duisburg-Fans angegriffen

Am Freitagmorgen stellt sich die Faktenlage jedoch plötzlich vollkommen anders dar: Es gab am Donnerstag sehr wohl eine groß angelegte Aktion, und zwar nicht nur in Landau. Beamte der Bundespolizei durchsuchten die Wohnungen von insgesamt zwölf gewaltbereiten FCK-Anhängern im Alter zwischen 19 und 32 Jahren in Pirmasens, Rinnthal, Neustadt, Lambrecht, Ludwigshafen, Mainz, Malborn sowie in Kelkheim im Taunus in Hessen und Neunkirchen im Saarland. Sie sollen am 22. Oktober 2017 vor dem Fußballspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem MSV Duisburg in Imsweiler eine Regionalbahn mit MSV-Fans angegriffen haben. Damals wurden vier Bundespolizisten verletzt, die rund 30 Angreifer der FCK-Ultras abwehrten.

Kripo: "Von Durchsuchung erst am Freitag erfahren"

Zu den Aufgaben der Bundespolizei gehört es, Bahnhöfe, Gleisanlagen und Züge vor Gefahren zu schützen und dort für Recht und Ordnung zu sorgen. Deswegen ist sie in diesem Fall verantwortlich. Ihr konzertiertes Vorgehen erfolgte nun im Auftrag der Staatsanwaltschaften Kaiserslautern und Trier. Zu Verhaftungen im Zuge der Ermittlungen sei es weder in Landau noch an den anderen Einsatzorten gekommen, teilt ein Sprecher auf RHEINPFALZ-Nachfrage mit.

Die Landauer Kriminalpolizei entschuldigt sich derweil für die irrtümlichen Angaben vom Donnerstag. „Wir haben von der Durchsuchung selbst leider erst am Freitagmorgen erfahren“, beteuert der Kriposprecher, dem das Ganze hörbar unangenehm ist. Weshalb seine Dienststelle nicht eingeweiht wurde, könne er sich nicht erklären.

Bundespolizei: "Keine Rückmeldung aus Rheinland-Pfalz"

Kein Problem. Wir haken noch mal bei der Bundespolizei nach. Deren Sprecher hat gleich eine Erklärung parat: „Unsere Aktion hat um 6 Uhr begonnen. Um 5 Uhr haben wir die jeweils zuständige Landespolizei darüber informiert.“ In Hessen habe das prima funktioniert, die Kollegen dort hätten auch zurückgerufen und ihre örtlichen Dienststellen in Kenntnis gesetzt.

Aus Rheinland-Pfalz sei hingegen keine Rückmeldung gekommen, auch habe die Mitteilung die Kollegen vor Ort offensichtlich nicht erreicht – wie eben die Landauer Kripo. Da habe wohl jemand geschlafen, heißt es.

Landeskriminalamt: "Waren nicht informiert"

Wir wollen es genauer wissen und erkundigen uns beim Landeskriminalamt, ob tatsächlich irgendwo bei der Mainzer Behörde der Kommunikationsfluss ins Stocken kam und falls ja, woran es hakte. Eine Sprecherin gibt den Schwarzen Peter an die Bundespolizei zurück: "Das Landeskriminalamt war als zentrale Koordinierungsstelle nicht informiert."

 

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