Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Böchingen: Rätselraten um rote Pumps an Ortseingängen

Schuh am Ortseingang Richtung Walsheim.
Schuh am Ortseingang Richtung Walsheim. Foto: lam

Seit Montag zieren knallrote Stöckelschuhe alle sechs Ortseingänge von Böchingen. Nur ein Scherz? Oder hat die Pumps-Aktion einen ernsten Hintergrund? Und was hat eigentlich der Hauensteiner Riesen-High-Heel damit zu tun?

Nanu, was ist denn das? Das wird sich so mancher gefragt haben, als er dieser Tage die Ortsgrenzen von Böchingen passierte. Irgendjemand hat an allen sechs Ortseingängen knallrot lackierte Stöckelschuhe aufgestellt, gut sichtbar auf Metallstangen befestigt. Der Hintergrund blieb zunächst im Dunkeln. Ortsbürgermeister Reinhold Walter (CDU) konnte sich am Montagnachmittag auf RHEINPFALZ-Anfrage noch keinen Reim darauf machen. „Da hat sich wohl ein Witzbold einen Spaß gemacht.“ Deshalb wollte er die Schuhe auch wieder entfernen lassen. Am späten Abend sah die Lage aber schon ganz anders aus.

Er hatte schon vermutet, dass die Aktion mit dem Hauensteiner Riesen-Schuh zu tun haben könnte. Und damit lag er goldrichtig. Der knallrote Stöckelschuh in Übergröße wirbt an der B 10 für das Schuhdorf. Der High Heel muss jetzt aber versetzt werden, weil der Standort nach Ansicht des Landesbetriebs Mobilität nicht sicher ist und die Verkehrsteilnehmer ablenkt. Bis er abgebaut ist, gilt auf diesem Straßenabschnitt Tempo 30.

Resolution für Tempo 30

Nun hat Gemeinderatsmitglied Roland Friebis-Cornelius (parteilos) den Zusammenhang bestätigt: „Wenn es auf der B 10 klappt, dass wegen des roten Schuhs nur noch maximal 30 Stundenkilometer gefahren werden darf, dann dachte ich mir, dass es vielleicht auch in Böchingen funktioniert“, outete er sich als Aufsteller der roten Schuhe. „Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich nie gesagt, dass die Schuhe wieder weg müssen. Ganz im Gegenteil. Das ist eine super Idee. Ich stehe da voll dahinter“, so Ortschef Walter. Die Idee kam Friebis-Cornelius, als er in der RHEINPFALZ den Leserbrief von Joachim Kuhn aus Freckenfeld las. Dieser stellte fest, dass wegen des Schuhs in Hauenstein innerhalb kürzester Zeit Tempo 30 möglich gewesen sei, während viele Ortschaften vergeblich um mehr Verkehrssicherheit für ihre Bürger kämpfen müssten.

„Diese Ansicht teile ich absolut“, erklärt Friebis-Cornelius. Er will im Ort Tempo 30 durchgängig, und nicht nur vor dem Kindergarten, erreichen. Er hofft, dass sich viele Bürger in Böchingen seiner Aktion anschließen, um damit ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Schon seit Jahrzehnten kämpft die Gemeinde darum, in allen Durchgangsstraßen Tempo 30 einzuführen. Messungen, Appelle und Vorschläge seitens der Gemeinde haben bislang bei den Behörden kein Gehör gefunden. In seiner Sitzung am nächsten Dienstag will der Gemeinderat eine Resolution verabschieden, die an die Kreisverwaltung gesandt werden soll, damit sich diese erneut der Thematik Tempo 30 annimmt.

Formalitäten statt Sicherheit

Böchingen ist ein „Durchgangsdorf“, die Ortseingänge befinden sich auf Kreis- oder Landesstraßen. Gehwege sind im Dorf aufgrund der Enge der Straßen fast nirgendwo vorhanden. Genau das könnte die Einrichtung von Tempo 30 begründen. Es wurde auch schon versucht, die Frankweilerer Straße gegenüber der Gleisweilerer Straße vorfahrtsberechtigt zu machen, was aber nicht möglich ist, da eine Kreisstraße einer Landesstraße untergeordnet sein muss. „Es geht manchmal wohl mehr um die Einhaltung von Formalitäten, als um die Sicherheit“, fürchtet Friebis-Cornelius. Er und Walter fürchten um die Sicherheit von Kindern und älteren Menschen.

Der Ortsbürgermeister hatte im Zuge der Sanierung der Straße von Frankweiler nach Nußdorf – als der Verkehr über Böchingen umgeleitet wurde – die Kreisverwaltung gebeten, zumindest für diese Zeit Tempo 30 einzurichten. Eine Antwort bekam er nie. Auf der Hauptstraße in Richtung Burrweilerer Straße soll auf den Boden der Schriftzug „30“ aufgebracht werden, darauf wartet man nun aber schon seit 15 Monaten. Auch hier hat Walter auf Anfrage keinerlei Reaktion aus dem Kreishaus erhalten, wie er sagt.

Ortseingang Richtung Burrweiler.
Ortseingang Richtung Burrweiler. Foto: lam
Vorbild: der Hauensteiner Riesen-Stöckelschuh.
Vorbild: der Hauensteiner Riesen-Stöckelschuh. Foto: Franz-Josef Schächter
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