Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Annweiler: Rolf Stahlhofen gastiert beim Rheinland-Pfalz-Tag

Rolf Stahlhofen - hier 2017 mit Xavier Naidoo (links).  Archivfoto: KUNZ
Rolf Stahlhofen - hier 2017 mit Xavier Naidoo (links). Archivfoto: KUNZ

Rolf Stahlhofen kommt zurück in die Südpfalz. Mit einigen nicht ganz unbekannten Freunden, darunter „Bilder von dir“-Sänger Laith Al-Deen, ist er zum Abschluss des Rheinland-Pfalz-Tags in Annweiler zu erleben. Wie er es aus dem Heim für verhaltensauffällige Jugendliche auf die großen Bühnen schaffte.

Was heutzutage viele gar nicht mehr wissen: Rolf Stahlhofen, dessen Musik man von zahlreichen Plattenveröffentlichungen unter eigenem Namen oder als Mitglied der Söhne Mannheims kennt, kommt aus der Südpfalz und hat viele Jahre seines Lebens in Landau verbracht. Hier machte er auch erstmals musikalisch auf sich aufmerksam, als er als Frontmann der heute als Kultgruppe geltenden Combo Der mit dem Rolf tanzt durch die Südpfalz tourte und damals ein zahlenmäßig noch recht überschaubares Publikum unterhielt. Der 1968 in Bayern geborene Sänger verbrachte seine Kindheit und die frühe Jugend in Saudi-Arabien, Nigeria, Algerien und England, bevor er im Alter von 15 Jahren wieder nach Deutschland kam und erstmal als sogenannter schwer erziehbarer Jugendlicher im Jugendwerk St. Josef landete. Als Roadie der Landauer Band Pegasus kam er zum ersten Mal näher mit dem Musikgeschäft in Berührung und begegnete Menschen wie Michael Frey (Fisherman′s Friends) oder Uli Degenhardt (Hobo), die in der Landauer Musikszene mitmischen. Mit 18 begann er als Roadie zu arbeiten und machte sich bald schon als Roadmanager bei Chaka Khan einen Namen.

Eine schwarze Stimme, hineingeboren in den Körper eines Weißen

Seine Fähigkeiten als Organisator und sein Geschick im Umgang mit Menschen sprachen sich schnell herum. So konnte er für Shows der Rolling Stones, Pink Floyd oder Guns ’N’ Roses anheuern. Aber Stahlhofen hatte noch eine andere Begabung: Der Mann kann nämlich auch singen, und wie! Ice-T bezeichnete ihn einmal als einen Schwarzen, der in den Körper eines Weißen hineingeboren worden ist. Nach Jam-Sessions mit Chuck Berry, Kool & The Gang und vielen anderen Größen des Showbiz kehrte er 1993 nach Landau zurück und gründete unter dem bereits erwähnten Gruppennamen Der mit dem Rolf tanzt seine erste eigene Band. Anschließend landete er als Sänger bei The Wright Thing, einer besonders in der Rhein-Neckar-Region sehr populären Formation um den Engländer Jason Wright, aus der schon viele namhafte Musiker hervorgegangen sind und später in den Bands von Herbert Grönemeyer, Helmut Zerlett, Amy Winehouse und Chaka Khan landeten. Hier traf Stahlhofen erstmals auf Xavier Naidoo. Schnell stellten die beiden fest, dass sie eine Art Seelenverwandtschaft verband. Abends, nach den Wright-Thing-Konzerten, wenn die beiden noch mit Adrenalin vollgepumpt waren, schrieben sie zusammen Texte und komponierten Songs. Es war schließlich Xavier Naidoos Idee, mit weiteren Freunden und Kollegen die Söhne Mannheims zusammenzustellen. 1995 war es so weit. Was danach kam, ist jedem Musikfan hinreichend bekannt. Das Söhne-Debütalbum „Zion“ schlug ein wie eine Bombe, das Stück „Geh davon aus“ mit Gesang von Rolf Stahlhofen wurde zum Riesenhit, die Mannheimer Band war plötzlich in aller Munde. Stahlhofen aber wurde der Rummel um seine Person irgendwann zu viel, und so konzentrierte er sich ab 2003 zunehmend auf seine Solokarriere. Seine Erstveröffentlichung unter eigenem Namen, die LP „Zeit was zu ändern“, stieg direkt in die Charts ein, genau wie die daraus ausgekoppelte Single „Große Mädchen weinen nicht“.

„Mir war die Geschichte mit den Söhnen ein wenig zu groß geworden“

Trotz der Solokarriere kam es 2015 zur Reunion mit den „Söhnen“. „Ich bin ja stets bekennender Söhne Mannheims Fan geblieben“, erzählt Stahlhofen. „Mir war die Geschichte nur ein wenig zu groß geworden. Ich mag nicht so viele Berater und Anwälte um mich herum haben, wie es damals, nach unserem Durchbruch, der Fall war.“ Inzwischen hat sich die Aufregung ein wenig gelegt. Stahlhofen und der zwischenzeitlich ebenfalls ausgestiegene Xavier Naidoo sind wieder fest bei den Söhnen integriert und haben zwei höchst erfolgreiche Longplayer mit ihnen aufgenommen. Nebenher findet Stahlhofen noch genügend Zeit, sein eigenes Ding durchzuziehen. Warum er sich so viel Arbeit zumutet und zweigleisig fährt, erklärt der „Dicke mit der Glatze“, wie er sich selbst nennt, in der für ihn typischen Art so: „Es ist die Lust am Singen. Ich hatte schon immer ein großes Maul und deshalb hat mich der Herrgott wahrscheinlich auch auf die Bühne gestellt. Ich habe eine Band im Rücken, die groovt wie die Sau. Mit ihr für ein begeistertes Publikum zu spielen, ist das Schönste, was ich mir vorstellen kann.“ Er hat sein eigenes Rezept, das ihm hilft, sich trotz seiner großen Popularität Bodenständigkeit zu bewahren: „Das wichtigste ist es, Mensch zu bleiben und zu dir selbst zu finden. Um das zu erreichen, brauchst du aber auch eine Portion Egoismus, du musst deine Welt kleiner machen. Wenn du keine Arschlöcher um dich herum haben willst, musst du zuerst einmal damit anfangen, selbst keines zu sein. Ist dieser Schritt getan, ergibt sich der Rest von selbst.“

Termin

Rolf Stahlhofen ist zum Abschluss des Rheinland-Pfalz Tags in Annweiler am Sonntag, 30. Juni, um 21 Uhr auf der Landesbühne auf dem Messplatz zu erleben.

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