Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Land: Bauern freuen sich über Regen und beklagen Verluste durch Trockenheit

Jonathan Klein aus Winterbach bereitet sein Feld am Niederhauser Berg zur Aussaat von Weizen vor.
Jonathan Klein aus Winterbach bereitet sein Feld am Niederhauser Berg zur Aussaat von Weizen vor. Foto: Hack

Nach trockenen Sommermonaten fiel im Oktober der von Bauern lang ersehnte Regen. Die Feuchtigkeit hat der Pflanzenwelt in der Region neues Leben eingehaucht. Für die Bauern gilt es jetzt, die Felder herzurichten: In Regenpausen muss das Wintergetreide ins Erdreich zum Keimen eingebracht werden. Für jede die Ackerkrume abtrocknende Sonnenstunde sind sie dankbar. Schlecht ist die frühe Aussaat im August beim Raps gelaufen.

„Endlich sind die Wiesen wieder grün. In den Gärten haben Feldsalat, Gemüse, Tomaten, Karotten und Kopfsalat nach Monaten schädlicher Hitze wieder ein frisches Aussehen“, sagt Karl Ehresmann aus Winterbach. Seinen Regenmesser im Garten kontrolliert er täglich. Im März und April fielen jeweils 55 Liter Regen, im Mai 87, im Juni 36, im Juli 24, im August 18 Liter und schließlich 50 Liter im September und 142 im Oktober. In den heißen Sommermonaten gab es mancherorts auf der Sickinger Höhe sogar noch weniger Niederschläge. Kaum verwunderlich also, dass die Böden in Wald und Flur ausgetrocknet waren. Der Regen hat auch im Garten von Gerhard Kau aus Battweiler Wunder gewirkt. Die Salatsorten Friese, Lollo Rosso, Zuckerhut, Endivien und Kopfsalat haben sich erstaunlich gut entwickelt. Selbst Blumenkohl, Rot-, Spitz-, Weißkraut und Wirsing übertrafen alle Erwartungen Kaus. So sehr sich Gärtner über den Regen gefreut hatten, genauso mussten sie zuletzt auch auf der Hut sein: Salat, Tomaten, die letzten Zucchini und Gurken mussten abgedeckt werden, damit der Bodenfrost die Pflanzen nicht zerstört.

„Gut war, dass jeder Tropfen Regen in den Boden eingezogen ist. Es gab keinen Unwetterregen, der über die harte Erdkruste hinweggeschossen ist. Trotzdem brauchen wir in den Wintermonaten weitere Niederschläge; die Natur hat einen riesigen Nachholbedarf“, sagt Willi Hunsicker aus Schmitshausen. Nachdem im Schmitshauser Wald in den vergangenen Monaten einige Quellen völlig versiegt waren, gibt es jetzt wieder etwas Wasser. In den Klammen fließe aber noch kein Wasser, und auch der Waldweiher beim Wanderweg im Brecherswald habe noch immer wenig Wasser, beschreibt Hunsicker seine Beobachtungen.

Bei der Gasstation am Niederhauser Berg hat Jonathan Klein aus Winterbach das abgeerntete Maisfeld für die Einsaat mit Weizen vorbereitet. Er hat die von Vater Jörg aufgebrachte Gülle ins Erdreich eingearbeitet. Das soll das Wachstum der Jungsaat anregen. Voraussetzung: In der Vorweihnachtszeit gibt es noch einige wärmere Tage. Dass der Wind die Felder trockne, sei kein Problem, nur die Sonne müsse sich häufiger zeigen, um die Felder ideal bestellen zu können, meint Klein. Roggen und Wintergerste hat Bauer Klein bereits ausgesät – spielt das Wetter mit, könnte es Brot- und Futtergetreide geben.

Auf der anderen Straßenseite nach Niederhausen, an der Hangseite zur Battweiler Höhe, bearbeitet Klaus Schwuchow aus Niederhausen sein Feld. Wie seine Kollegen freute er sich über jeden Tropfen, der vom Himmel fiel. Der Regen hätte einigen Feldern gut getan, die bereits Anfang Oktober eingesät waren. Dort spitzt das neue Grün bereits aus der Erde – auch dank der milden Temperaturen im bisherigen Herbst.

An der Straße nach Knopp-Labach hat Landwirt Fritz Löhr aus Wallhalben noch Kleegras gemäht, das dank des Regens noch etwas gewachsen ist. An mehreren Orten kann man auf der Sickinger Höhe sehen, dass bedingt nachgewachsenes Grünfutter in Folie gewickelt wird, da die Bauern Bedarf bei den Wintervorräten haben. Deshalb wurden zuletzt auch noch einige Talwiesen gemäht. Auch für das Weidevieh und die Pferde auf den Koppeln gibt es nach langer Dürre endlich wieder saftiges Gras. Ein verlängerter Spätherbst mit milden Temperaturen bei Sonnentagen würde den Bauern das Leben erleichtern.

Für die Rapssamen

war es zu trockenBeim Ende August ausgesäten Raps lief viel schief, als die Bauern auf den angekündigten Regen vertrauten. Der Boden war zwar warm, aber viel zu trocken, sodass die Samenkörner nicht austreiben konnten. Der angekündigte Regen war der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Das Saatgut lag über einen Monat lang im Boden und hatte unter der Sonne zu leiden. Die Folge war, dass auf einigen Feldern kaum mehr als zehn Prozent der Körner ausgetrieben haben. Ein enormer Verlust für die Landwirte: Saatgut wurde verbraucht, die Ernte blieb gering, der Arbeitsaufwand wurde nicht belohnt. Außerdem mussten die Landwirte Geld aufbringen, um die Felder nun anders zu bestellen. Dies bringt auch noch unerwünschte Probleme beim notwendigen Fruchtfolgewechsel mit sich. Dieser ist notwendig, um die Felder schonend zu bewirtschaften.

Es gibt Rapsfelder auf der Sickinger Höhe, da haben weniger als 20 Prozent der Samenkörner ausgetrieben.
Es gibt Rapsfelder auf der Sickinger Höhe, da haben weniger als 20 Prozent der Samenkörner ausgetrieben. Foto: Hack
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