Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücken: Ortsbesichtigung im A8-Massenkarambolage-Prozess

Foto: Moschel
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Sie sollen auch durch den Etzelweg gerast sein. Der blaue Porsche Cayman S und der silberne Mercedes AMG, die an Pfingstsamstag vergangenen Jahres in ein Stauende auf der A8 bei Contwig gefahren sind. Vor dem Unfall sollen sie sich quer durch die Innenstadt und über die Autobahn ein Straßenrennen geliefert haben. Das würde auch die Aussage einer Zeugin bestätigen, die im Etzelweg wohnt und von ihrem Vorgarten aus die beiden Sportwagen durch die Straße rasen gesehen habe. Am Dienstag führte das Landgericht bei dem Haus der Zeugin eine Ortsbesichtigung durch. Mit überraschendem Ergebnis.

Der Garten der Zeugin, in dem sie laut ihrer Aussage am Unfalltag mit ihrem Hund stand, liegt direkt am Etzelweg. Jedoch rund drei Meter höher als die Straße. Je nachdem, wo man in dem Garten steht, ist die Sicht auf die Straße unterschiedlich. Direkt am Gartenrand, der zur Straße hinneigt, kann man rund hundert Meter in den Etzelweg hineinblicken. Aber nur wenige Meter weg von der Straße beträgt die Sichtweite laut Gutachter, der die Strecken am Dienstag ausgemessen hat, nur noch rund 30 Meter.

Keine genaue Geschwindigkeitsschätzung

Je nachdem, wo die Zeugin in ihrem Garten gestanden hat, verändere sich auch die Einschätzung, wie schnell die beiden Sportwagen gefahren sein sollen. Vor Gericht gab sie an, beide Autos wären „wie ein Blitz vorbeigeflogen“. Eine genaue Geschwindigkeitsschätzung konnte sie zwar nicht angeben, jedoch ist sie sich sicher, dass sie schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer gefahren sind. Zudem hätten beide, so die Zeugin vorm Landgericht, kaum Sicherheitsabstand zu einander gehabt. Aufmerksam auf die beiden Boliden sei sie durch die lauten Motoren geworden.

Bisher ist unklar, ob die beiden Sportwagen sich ein Rennen geliefert haben. Fakt ist lediglich, dass beide auf der Autobahn bei Contwig in ein Stauende gefahren sind. Dabei gab es sieben Verletzte und ein Sachschaden im sechsstelligen Bereich. Der blaue Porsche krachte mit der linken Seite in das Stauende auf der rechten Spur. Der silberne Mercedes knallte in einer flugähnlichen Bewegung in das linke Stauende. Dabei riss sein rechtes Vorderrad samt Aufhängung heraus und knallte in das Heck eines VW Golf.

Vorm Amtsgericht verurteilt

Beide Angeklagten, der eine Anfang 20, der andere Anfang 30, wurden bereits im April vorm Amtsgericht wegen eines illegalen Straßenrennens verurteilt. Die Strafe: sieben Monate Bewährung, achte weitere Monate Führerscheinentzug sowie eine Geldstrafe. Sowohl die beiden Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft legten gegen das Urteil Berufung ein.

Für den nächsten Verhandlungstag sind zwei neue Zeugen geladen. Der erste ist Richter Christian Orth, der den Prozess vorm Amtsgericht geführt hat. Er soll die Aussage einer Zeugin überprüfen, die bei der ersten Verhandlung anders ausgesagt hat als bei der aktuellen. Sie behauptete vorm Amtsgericht, dass sie den Porsche vor dem Unfalltag schon öfters gesehen hat, aber dabei nie den Fahrer erkannt hat. Beim Landgericht äußerte sie den selben Sachverhalt, nur mit dem Unterschied, dass sie dort sagte, sie habe den Fahrer schon vor dem Unfall gekannt. Der zweite neue Zeuge ist ein Arbeitskollege des Mercedesfahrer. Er soll ihn am Unfalltag im Etzelweg gesehen haben.

Ein Urteil könnte nach derzeitigem Verhandlungsstand noch in diesem Monat gesprochen werden.

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