Kreis Südwestpfalz Zweibrücken/Dellfeld: Neuer Wehrleiter Thorsten Preyer zieht erste Bilanz

„Man muss schon ein bisschen bekloppt sein, um da mitzumachen ? im positiven Sinn“, sagt Thorsten Preyer (Dritter von rechts) üb
»Man muss schon ein bisschen bekloppt sein, um da mitzumachen ? im positiven Sinn«, sagt Thorsten Preyer (Dritter von rechts) über die Feuerwehr allgemein. Das Foto vom März 2017 zeigt ihn mit der Gruppe Absturzsicherung beim Üben auf dem Hornbacher Schulhof.

„So dicht wie jetzt stand die Feuerwehr der Verbandsgemeinde noch nicht zusammen“, sagt Thorsten Preyer. Das muss nicht an ihm liegen, hat aber doch mit seinem neuen Amt zu tun: Preyer ist Nachfolger von Markus Schmidt als Feuerwehrchef der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Schmidts Rücktritt, Streit ums Kommandofahrzeug, Diskussionen um die Drehleiter: Preyer hofft, dass die Feuerwehr bald wieder dank ihrer eigentlichen Arbeit wahrgenommen wird, ohne Schlagzeilen.

Bis die Wehr „wieder im Tagesgeschäft ankommt“, stehe sie noch enger zusammen als sonst. Preyer lobt die Kameradschaft. „Feuerwehrleute sind ein ganz besonderer Schlag“, sagt der 42-Jährige, der nach eigenen Angaben seit 28 Jahren bei der Feuerwehr ist. Für ihn ist sie Hobby und Beruf zugleich, wobei er als Feuerwehrmann des US-Militärs in Miesau gerade pausiert. Seit Ende Mai ist er freigestellter Personalrat, vertritt etwa 350 Zivilangestellte der Army. Bedeutet: Vier Jahre Büroarbeit in Kaiserslautern, keine 24-Stunden-Schichten mehr − eine große Umstellung: 22 Jahre lang habe er nur Schichtdienst gekannt. „Es wird nicht besser oder schlechter, es wird anders“, ist Preyer überzeugt. Der Wechsel ermögliche ihm, ausreichend Zeit in sein Ehrenamt zu stecken, das er am 18. April vorübergehend übernahm. Wenn er einen noch fehlenden Lehrgang absolviert hat, soll er endgültig zum Wehrleiter ernannt werden.

Preyer überlegte erst eine Weile

Preyer ist, wie viele Retter und Helfer, gern vorne mit dabei, übernimmt Verantwortung. Ob er Markus Schmidt als Wehrleiter beerben würde, überlegte er sich dennoch eine Weile. „Ich bin nicht direkt losgerannt. Ich war mir der Tragweite des Amtes bewusst. Wer da direkt Ja sagt, hat nicht erkannt, wie viel Arbeit hintendran steckt.“ Wobei ihm der familiäre Rückhalt sichergewesen sein dürfte: „Ich hab’ die ganze Familie in der Feuerwehr“, erzählt er. Ehefrau Kerstin engagiere sich dort, der Sohn (23) auch, und die Tochter (9) warte nur darauf, endlich in die Jugendfeuerwehr eintreten zu können. „Wenn ich da abends noch mal wegmuss zu einem Termin, heißt es also nicht ,Oh nee, schon wieder Feuerwehr ...’“, erklärt er. Auch bisher habe er nur selten Zeit zum Wandern und Radfahren gehabt. Dennoch will er wohl bis 2020 noch Wehrführer von Dellfeld bleiben. „Wir sind eine sehr junge Einheit“, sagt er, derzeit fehle schlichtweg ein Kandidat für den Posten. Preyer kommt ursprünglich aus Kaiserslautern und aus dem Rettungsdienst, lebt in Falkenbusch, arbeitete zwischendurch auch auf dem Zweibrücker Flughafen. 2014 schon nicht mehr, aber er weiß noch: „Mir hat das Herz geblutet, als der Laden zugeschlossen wurde.“

Bevölkerung nimmt Feuerwehren als zu selbstverständlich wahr

Nach Preyers Beobachtung akzeptiert die Bevölkerung die Feuerwehr noch immer, nehme sie jedoch immer mehr als Selbstverständlichkeit wahr. Kleine Wehren wie Wiesbach und Riedelberg hätten Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden, und auch in anderen Wehren sei es mitunter schwer, tagsüber im Ernstfall genug Freiwillige in Reichweite zu haben. „Aber die Einsatzbereitschaft ist nicht gefährdet“, sagt Preyer. Von hauptamtlichen Kräften, die die Freiwilligen entlasten, wagt er nicht zu träumen. „Aber ein zweiter hauptamtlicher Gerätewart, das wäre eine Entlastung für Arthur Lorenz.“ Der Contwiger Wehrführer macht beispielsweise benutzte Schläuche wieder einsatzbereit. „Die Nachbereitung der Einsätze ist Wahnsinn“, sagt Preyer, bis ein Schlauch wieder startklar ist, habe Lorenz ihn sechs- bis siebenmal in der Hand. Als es Anfang April im Dellfelder Sägewerk brannte, habe Lorenz danach 100 dreckige Schläuche gereinigt, getrocknet und geprüft. Dieses Jahr zählte die Feuerwehr in der Verbandsgemeinde bereits mehr als 50 Einsätze. Gaffer und Rettungsgassen-Blockierer erlebe man in der Verbandsgemeinde vergleichsweise selten. Was Preyer jedoch schon gemerkt hat: Als Feuerwehrchef, der kein Blaulicht am Privatauto hat, kommt er auf der Autobahn nur schwer an die Unfallstelle. Eine Blaulichtlizenz für Wehrleiter wäre seiner Ansicht nach die einfachste Lösung. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Feuerwehrspitze, wie im Haushalt der Verbandsgemeinde vorgesehen, ein sogenanntes Kommandofahrzeug bekommt. In der Folge eines Streits um einen BMW X3 als Kommandofahrzeug war Markus Schmidt an Rosenmontag als Wehrleiter zurückgetreten. „Irgendwann wird das Fahrzeug kommen“, sagt Preyer und stützt Schmidts Auswahl: Marken wie BMW und Mercedes lieferten nun mal die bessere Qualität, und das besagte Exemplar habe nicht mehr gekostet als im Haushalt vorgesehen.

Ein bisschen bekloppt muss man schon sein

„Wir rennen da rein, wo andere rausrennen“, umreißt Preyer das Wesen der Feuerwehr. „Man muss schon ein bisschen bekloppt sein, um da mitzumachen − im positiven Sinn.“ Das gelte auch für ihn, wobei er über die Jahre schon etwas ruhiger geworden sei. Impulsiv sei er allerdings immer noch. Und er sagt deutlich, was er denkt. „Ich bin nicht bequem“, gibt Thorsten Preyer zu. „Der eine wird das gut finden, der andere nicht.“

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