Wiesbach
Zwei Tonis feiern Jubelhochzeit
Über entfernte Verwandtschaft haben sich die beiden schon als Kinder kennengelernt. Der 92-jährige Antonius Buchmann ist laut eigener Einschätzung ein gebürtiger „Merzeher Knorze“, also aus Martinshöhe, während seine Frau eine geborene Antonie Brödel aus Wiesbach ist. Schon als Zwölfjähriger wusste Antonius Buchmann: „Die heirate ich mal“, als er seine Antonie öfter traf.
Näher kamen sich beide dann erst einige Jahre später, als die heute 90-Jährige als 18-jähriges Mädchen dem „Merzeher Knorze“ bei der Fastnachtsmusik im Gasthaus erneut auffiel. Am 9. Oktober 1953 heirateten beide standesamtlich in Käshofen und einen Tag später kirchlich und katholisch in Wiesbach. Heute haben „es Toni“ und „de Toni“ vier Kinder, acht Enkel und sieben Urenkel, der achte Urenkel ist gerade unterwegs.
Mit dem Namen Antonius Buchmann verbindet man in Wiesbach und Umgebung auch politische Arbeit und ehrenamtliches Engagement. Von 1979 bis 1999 war er Ortsbürgermeister und zuvor zehn Jahre im Gemeinderat aktiv. Ebenfalls zehn Jahre hat er sich im Verbandsgemeinderat engagiert, für die CDU. Beruflich war Antonius Buchmann bei dem nicht mehr existierenden Homburger Federhersteller Vogelsang angestellt, zuletzt als Betriebsratsvorsitzender, bevor er zur Deutschen Bahn wechselte, wo er als Schaffner und Fahrkartenkontrolleur noch verbeamtet wurde.
Antonie Buchmann hat keinen Beruf gelernt. „Die Weibsleit misse de Haushalt fiehre“, habe ihre Mutter immer gesagt. Hilfseinsätze beim Bauern und winterliche Nähkurse in Zweibrücken durchbrachen laut ihren Schilderungen die Haushaltsroutine daheim. Sie war es auch, die die vier Kinder großzog. Denn: „Der war überall, nur nicht Zuhause“, sagt sie rückblickend über ihren Toni. Der hatte nicht nur seinen Beruf und das Ortsbürgermeisteramt inne, sondern engagierte sich auch in jedem einzelnen Verein des Orts: ob der Sportverein, den er mitbegründet hatte und wo er zweiter Vorsitzender, Fußballschiedsrichter und Kassier war, ob der Verwaltungsrat der Kirche, in dem er mitwirkte, ob als Spielleiter oder als Stimme in gleich vier Chören.
2016 wurde Antonius Buchmann zum Wiesbacher Ehrenbürger ernannt. Heute ist sein Sohn Klaus in seine Fußstapfen getreten als Ortsbürgermeister. „Der Toni hat die Familie ernährt, und ich habe mich um die Kinder gekümmert“, erinnert sich Antonie Buchmann lebhaft. „Ich habe die Familie vernachlässigt“, zeigt „de Toni“ im Gespräch späte Einsicht und überrascht damit seine Frau. Urlaub sei nie drin gewesen. Früher habe man kein Geld gehabt, und heute habe man keine Lust, sagt Antonie Buchmann, die 1986 die Theatergruppe des SV Wiesbach mitbegründet hat. Zudem hat sie 75 Jahre lang im katholischen Kirchenchor gesungen, von der Gründung bis zu dessen Auflösung vor einigen Jahren.
Am Samstag wird die Gnadenhochzeit der Tonis in der katholischen Kirche Wiesbach mit einem Festgottesdienst und anschließendem Sektempfang mit Imbiss im Gemeindehaus gefeiert. „Ale freundschaftlich verbundenen Menschen sind herzlich eingeladen“, sagt das Jubelpaar.