Vinningen / Niedersimten RHEINPFALZ Plus Artikel Zum neuen Jahr ein Generationenwechsel in der Backstube

Seit Montag sind die Bäckermeister Anneliese und Martin Donker in Ruhestand. Die Bäckerei führt ab sofort Sohn Philipp Donker (v
Seit Montag sind die Bäckermeister Anneliese und Martin Donker in Ruhestand. Die Bäckerei führt ab sofort Sohn Philipp Donker (von links) und er hat bereits Pläne für die Zukunft.

„Wenn der Vater mit Sohne“ heißt ein berühmter Filmklassiker. „Wenn der Vater mit dem Sohne backt“, hieß es bisher in der Bäckerei Donker in Vinningen. Seit Jahresbeginn steht Vater Martin Donker nur noch aushilfsweise in der Backstube, wenn Sohn Philipp um Hilfe bittet. Denn seit diesem Jahr leitet der 35-jährige Bäckermeister die Donker-Bäckereien.

„Wir waren sehr überrascht, als unser Sohn uns gegenüber mitgeteilt hat, er wolle den Betrieb weiterführen“, erzählt das Ehepaar Martin und Anneliese Donker. Die beiden Bäckermeister haben sich 1983 auf der Meisterschule in München kennen- und lieben gelernt und führen seit 1987 den eigenen Betrieb, zunächst von 1987 bis 1999 in der Pirmasenser Königstraße auf dem Horeb und seither in Vinningen in der Hauptstraße mit einer Filiale in Niedersimten.

Während bislang für Martin Donker, der direkt über der Bäckerei wohnt, der Arbeitstag gegen Mitternacht begonnen hat und das über Jahrzehnte, freut sich der 63-Jährige auf einen anderen Lebensrhythmus. „Ich werde definitiv nicht mehr jede Nacht runter in die Backstube gehen, denn wir ziehen nach Erfweiler“, sagt er lächelnd. Anstatt nachts Brötchen zu backen, wird das Ehepaar Donker künftig öfter bei kulturellen Veranstaltungen zugegen sein, vor allem der Jazz hat es Martin Donker angetan. Im Dahner Jazzclub will er sich nützlich machen. Das Ehepaar wird endlich mal wieder Skiurlaub machen und freut sich darauf, öfter zu reisen.

Corona- und Kriegsfolgen prägen Geschäft

Zuletzt war das Geschäft geprägt vor allem von den Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. „Dass die Rohstoffe und Energie so teuer werden, das hätten wir niemals erahnt“, stellt Anneliese Donker fest. Dabei setzen die Donkers auf Produkte aus der Region. Das Mehl beispielsweise beziehen sie von einem Müller in Rieschweiler. Und auch bei anderen Zutaten wird auf das Ursprungsland geachtet. „Kürbiskerne sind schwer erhältlich“, sagt der Bäckermeister, auch die von Donker geschätzten australischen Rosinen sind schwer zu bekommen. Positiv sei festzustellen, dass die Kundschaft bereit sei, für Qualität auch einen etwas höheren Preis zu zahlen als für günstige Massenproduktionen in Discountern.

Noch gut erinnert sich Donker daran, dass in früheren Zeiten die Kundschaft in der Bäckerei die Brötchen gekauft hat und anschließend zum Metzger ging, um die Wurst zu kaufen, um die Brötchen zu belegen. „Der Snackbereich mit fertig belegten Brötchen, Brezeln und Baguette fehlte früher gänzlich, das ist heute Standard“, stellt Martin Donker rückblickend fest. Und noch ein Unterschied fällt dem Bäckermeister auf: Früher wurde die Ware durchgängig bar bezahlt, während heute vor allem junge Leute auch geringste Beträge für einige Brötchen mit der Scheckkarte oder dem Handy bezahlen.

Nachfolger mit eigenen Vorstellungen

Die Geschäftsübergabe vom Vater auf den Sohn ist bereits vollzogen. Mitunter waren die gemeinsamen Zeiten von Vater und Sohn in der Backstube für beide fordernd: „Wir hatten schon die eine oder andere Diskussion, weil die Vorstellungen auseinanderklaffen“, räumen Vater und Sohn ein. Sohn Philipp, er hat ebenfalls einen Meisterbrief und hat in mehreren renommierten Betrieben bundesweit Berufserfahrung sammeln können, hat konkrete Vorstellungen und Visionen für die Zukunft: „Das Sortiment wird beibehalten, die Backstube modernisiert und eine Konditorin habe ich bereits eingestellt. Sie unterstützt uns schon seit Dezember“, erläutert er.

Was auch erhalten bleibt, ist die Rezeptur der von der Kundschaft so geschätzten Rahm- und Zimtbutterkuchen, merkt er an. Bis zu 40 solcher Leckereien verkauft Donker zu Stoßzeiten täglich. Die derzeit beschäftigten Mitarbeiter, zwei Bäckergesellen, eine Konditorin und mehrere Teilzeitkräfte im Verkauf sowie eine Auszubildende zur Bäckereifachangestellten, möchte Philipp Donker aufstocken: „Es muss nicht unbedingt ein gelernter Bäcker sein, der unterstützt, es darf auch gerne ein interessierter Quereinsteiger sein“, sagt er. Sein Motto: „Lernen durch machen.“

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