Kreis Südwestpfalz Wohin Eisenbahnfreunde pilgern
Ein großes Projekt will Paul-Peter Götz aus dem Kaiserslauterer Stadtteil Erfenbach in Angriff nehmen. Er baut eine alte Scheune zum Eisenbahnmuseum um. Seine Pläne gehen aber noch viel weiter. Die touristische Erschließung der Bachbahn, lautet sein ehrgeiziges Ziel.
Paul-Peter Götz ist Mitinhaber der gleichnamigen Werbeagentur in Erfenbach und Mitglied der FWG im Kaiserslauterer Stadtrat. Um den Tourismus in der Region anzukurbeln und Leben in seinen Heimatort Erfenbach zu bringen, kam er auf die Idee, die Bahnstrecke von Otterbach nach Reichenbach-Steegen, auf der von 1914 bis 1994 Züge der sogenannten Bachbahn fuhren, touristisch zu erschließen. Eisenbahnnostalgie, lautet das Motto. Die Gleise seien zwar weitgehend verschwunden, aber auf dem Radweg, der noch ausgebaut werden solle, könne entlang der alten Bahntrasse gewandert und mit dem Rad gefahren werden, erläutert Götz. Wobei jede Gemeinde, von Otterbach über Erfenbach und Siegelbach bis nach Rodenbach, Weilerbach, Schwedelbach und Reichenbach ihren Teil zur Eisenbahnnostalgie beitragen könne. Götz erläutert seine Vision: Beginnen solle die Strecke am historischen Westbahnhof, der Haltepunkt der Bachbahn war. Die Lauteraue könne bis zur Lampertsmühle erweitert werden, das sei ein toller Spazier- und Wanderweg. In Otterbach gebe es das 1911 erbaute Stellwerk, in dem hin und wieder Führungen stattfinden, diese könnten stark erweitert werden. Eine besondere Attraktion solle das Eisenbahnmuseum in Erfenbach werden, alle anderen Orte könnten etwas beitragen, sagt Götz. So gebe es in Rodenbach den alten Bahnhof, auch wenn der inzwischen als Wohnhaus genutzt werde. In Weilerbach sei ebenfalls noch ein Stellwerk, wenn inzwischen auch anders genutzt, in Reichenbach stehe das große Silo, wo Züge beladen wurden. „Wenn alle Ortschaften mitmachen, kann das was werden“, meint Götz. Er hat schon Kontakt zu Gemeinden entlang der alten Bahnstrecke und zur Zukunftsregion Westpfalz aufgenommen. Es gab erste Gespräche, folgen soll ein Treffen, bei dem konkret über die Idee diskutiert werden könne. Götz schwebt vor, die Route entlang der alten Bahntrasse in Sachen Eisenbahnnostalgie aufzurüsten. An der Strecke sollten Exponate stehen – Weichen, Schilder, Andreaskreuze. Rastplätze sollten so gestaltet werden, dass man etwa auf alten Eisenbahnpuffern Sitzmöglichkeiten schafft. Es müsse Informationen über die historische Bachbahn geben, Infotafeln, wo man übernachten oder essen kann, ebenso Spielmöglichkeiten für Kinder. Vorstellbar sei der Verleih von Elektrorollern, sogenannten Segways. Über den ÖPNV seien die Orte gut angebunden, es gebe stündlich Rückfahrmöglichkeiten nach Otterbach oder Kaiserslautern. Götz hat außerdem eine große Attraktion im Auge. Er wünscht sich, dass die alte Dampflok, die am früheren Ausbesserungswerk der Bahn in der Pariser Straße in Kaiserslautern steht, nach Otterbach kommt – auf ein altes Gleis der Bachbahn am früheren Stellwerk Lampertsmühle. Vielleicht könne man sogar Kontakt zu Eisenbahnfreunden aufnehmen und versuchen, die Dampflok gegen eine Diesel- oder Dampflok zu tauschen, wie sie früher auf der Bachbahn fuhr. Während das Projekt auf das Engagement der Stadt und der Gemeinden entlang der Trasse angewiesen ist, auch Sponsoren gesucht werden müssen, hat Götz in Sachen Eisenbahnmuseum bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Der Ausbau der alten Scheune in der Ortsmitte ist in vollem Gange, Ende nächsten Jahres soll sie fertig sein. Mieter soll der Modelleisenbahnclub Kaiserslautern werden, der das Museum betreiben kann. Es soll ein Café geben, Modelleisenbahnen mit verschiedenen Spurweiten sollen aufgebaut werden, denkbar sei eine Verkaufsausstellung eines Modelleisenbahngeschäfts, sagt Götz. Eine weitere Idee: Er will einen alten Eisenbahnwaggon aufschneiden und mit historischen Sitzbänken aus einem Waggon bestücken, quasi als kleines Kino. Dort soll dann ein besonderer Film laufen: der von der letzten Fahrt der Bachbahn. Der letzte Personenzug fuhr am 27. Mai 1972, einem Samstag um 7 Uhr in Reichenbach ab, die Fahrt wurde aus dem Führerhaus gefilmt. Hauptattraktion des Museums wird jedoch der Nachbau der Bachbahn sein. Das bereits über 100 Meter lange Exponat der Eisenbahnfreunde soll sich durch den ganzen Raum ziehen, Erweiterungsflächen sind vorgesehen. „Die Bahn wird immer weitergebaut, das ist eine unendliche Geschichte“, betont Götz. |dür