Zweibrücken-Land / Battweiler
Wo Radfahrer Probleme haben
850 Mängel sind im Radwegekonzept des Kreises aufgelistet, wie Dominik Könighaus, Planer bei der R+T Verkehrsplanungs-GmbH, am Donnerstagabend in Battweiler bei einer Bürgerversammlung erläuterte. Mal hänge auf einem für Radler durchaus geeigneten Feldweg das falsche Schild, wie in Bechhofen. Oft fehle es an der grundlegendsten Infrastruktur für Radfahrer, wie in vielen Ortsdurchfahrten. Käshofen wurde hier von Könighaus als besonders prägnantes Negativbeispiel genannt. Im Fall von Bechhofen lasse sich schnell durch den Austausch der Schilder Abhilfe schaffen. Aktuell dürfen Radler rein rechtlich dort nicht fahren, da Fahrzeuge aller Art verboten sind. Ein Schild, das nur Kraftfahrzeuge verbietet, würde aber ausreichen. Ähnlich sieht es in einer Straße in Hornbach aus, die als Sackgasse für Autos konzipiert ist. Ortsunkundige Radler werden jedoch nicht darüber informiert, dass sie passieren können.
An anderen Stellen fehlt es an Farbe wie in Contwig. Dort sei die Markierung des Radschutzstreifens abgefahren und sollte mit gut sichtbarer roter Farbe erneuert werden, was laut Könighaus nicht viel Geld koste. Teurer dürfte die Beseitigung von Schlaglöcher n sein. Die nerven nicht nur Autofahrer sondern sind für Radler richtig gefährlich.
Lücke zwischen Contwig und Stambach
Für das Radwegekonzept wurden die Nutzer um ihre Meinung gefragt. 700 machten bei der Umfrage mit, und kreisweit die meisten Nennungen als dringendster zu beseitigender Mangel hat die Radwegelücke zwischen Contwig und Stambach erhalten. Hier fehlten ein Schild und eine Querungsinsel, die den gefahrlosen Übergang von der Straße auf den Radweg ermöglichen könnte. Wobei die Querung möglichst langgestreckt ausgeführt werden sollte, um dem Radler eine zügige Querung zu ermöglichen ohne abzusteigen.
Auf Feld- und Waldwegen haben Radler oft mit schlechten Fahrbahnen zu kämpfen. Im Wald werden laut Könighaus die Wege durch Rückearbeiten des Forstes oft komplett unbrauchbar. „Da kommt keiner mehr mit dem Mountainbike durch“, so seine Einschätzung. Hier sollte der Forst mit Informationen auf die Radler zugehen, damit diese nicht mitten im Wald vor einer Schlammpiste stehen. Auf Feldwegen fände sich zu oft grober Schotter und ein bewachsener Mittelstreifen, der das Befahren einschränke. Negativbeispiel ist hier der Weg von Battweiler nach Schmitshausen, wo Könighaus eine neue wassergebundene Decke als Ausweg vorschlug.
In den Dörfern kaum Radwege
Problematisch sei oft, dass außerorts zwar ein Radweg vorhanden sei, der jedoch am Ortsschild auf die Hauptstraße führe und dort ungeschützt weitergefahren werden müsse, während die Autos in großer Zahl mit Tempo 50 am Radfahrer vorbeifahren. Besonders negativ ist dem Planungsbüro hier die Ortsdurchfahrt von Käshofen aufgefallen. Hier müsse mit einem einseitigen Schutzstreifen reagiert werden. Auf beiden Seiten sei dies nicht möglich, da die Straße zu schmal ist. In Stambach sieht es besser aus in der Landauer Straße, für die ein beidseitiger Schutzstreifen eine einfache Lösung wäre. Langfristig sollte hier allerdings ein Komplettumbau mit drei Meter breitem Geh- und Radweg angestrebt werden, forderte Könighaus. Das bremse auch den Autoverkehr auf der derzeit viel zu breiten Straße.
Aus dem Publikum wurde grundsätzlich Kritik an den abmarkierten Schutzstreifen geübt. Diese verleiteten Autofahrer dazu, ganz knapp an dem Schutzstreifen vorbei zu fahren und die vorgeschriebenen 1,50 Meter Abstand nicht einzuhalten. Radschutzstreifen machten die Situation oft gefährlicher für Radler als ohne, meinte ein Zuhörer.
Zusammenarbeit mit dem Saarland schwierig
Schwierigkeiten sehen die Planer beim Radverkehr in Richtung Saarland. Die wünschenswerte Verbindung zwischen Bechhofen und Homburg sei auf der derzeitigen Landstraße ohne Radweg sehr gefährlich. Die Autofahrer seien mit 100 Stundenkilometer dort unterwegs. Für Radler brauche es einen eigenen Radweg, was jedoch nicht so einfach sei wegen der Besitzverhältnisse. Zudem sei eine Blockadehaltung des Saarlandes zu beobachten, meinte Könighaus. „Die haben andere Prioritäten“, meinte Holger Keller, der bei der Kreisverwaltung für den Radwegeausbau zuständig ist.
Eine Lösung könnte einfach durch den Ausbau eines Wirtschaftswegs gefunden werden, wie ein Zuhörer vorschlug. Was die Kreisbeigeordnete Martina Wagner generell als nicht einfach ansieht. Landwirte seien teilweise gegen die gemeinsame Nutzung von Feldwegen durch Radler und Traktoren. Zudem müsste die Finanzierung eines Feldwegeausbaus für Radler aus den von Landwirten gespeisten Wegekassen bestritten werden. „Die wollen keine Radfahrer auf ihren Wegen“, so Wagner. Was das Käshofer Grüne-Kreistagsmitglied Fred Konrad nicht gelten lassen will. Er nutze oft Feldwege mit dem Rad und habe noch nie einen Konflikt mit einem Landwirt erlebt. „Man muss einfach Rücksicht nehmen“, so sein Vorschlag.
Verbandsbürgermeister warnt vor zu hohen Erwartungen
Für die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land haben die Planer einen kurzfristig nötigen Bedarf an Maßnahmen in Höhe von 70.000 Euro ausgemacht. Mittelfristig seien 8,3 Millionen Euro nötig, um weitere Mängel zu beseitigen, langfristig 14 Millionen Euro. Bei finanzschwachen Kommunen könne eine Förderung von bis zu 90 Prozent erreicht werden, wobei Verbandsbürgermeister Björn Bernhard vor zu hohen Erwartungen warnte. Investitionen in Radwege seien freiwillige Ausgaben, die nicht jede Kommune machen dürfe – auch nicht bei 90-prozentiger Förderung. Bernhard betonte jedoch auch, dass alle daran interessiert seien, das Radwegenetz auszubauen. „Das wird etwas dauern“, so Bernhard.
