Hinterweidenthal
Wirtschaftsleben: Obst und Gemüse aus der Region kommen an
Kartoffeln gehen immer. Vor allem die festkochende Sorte Annabelle schätzen seine Kunden, berichtet der Obst- und Gemüsehändler. Das sei aber nicht immer so gewesen, erzählt er. Vor allem nach dem Krieg sei die Sorte Quarta sehr beliebt gewesen: In deutschen Küchen sei sie einfach für alle Speisen verarbeitet worden. Doch die Ernährungsgewohnheiten hätten sich verändert, stellt er fest. Auch, weil sich die Gesellschaft verändert habe, mehr Menschen aus dem Süden zugezogen seien. Und die, meint Moutous Moumin, selbst griechischer Landsmann, bevorzugten eher mehlige Kartoffelsorten wie etwa Agria. Und so teilten sich inzwischen festkochende und mehligere Sorten die Gunst der Verbraucher, und Quarta liege nicht mehr auf Platz 1. Geändert hat sich nach seiner Beobachtung ebenfalls das Einkaufsverhalten. Während vor Jahren Kartoffeln meist säckeweise gekauft wurden, gehen sie heute oft in kleineren Mengen über die Theke – heute, meint der Händler, gebe es eben auch weniger Heizungskeller in den Häusern, wie sie früher noch als Lagerraum dienten.
Kunden schätzen Produkte aus der Region
Moutous Moumin weiß, was seine Kunden mögen. Seit 2005 verkauft er Obst und Gemüse aus der Pfalz an seinem festen Stand in Hinterweidenthal und auf dem Zweibrücker Wochenmarkt, dazu weitere regionale Produkte wie Wein oder Neuen Wein. Nur wenige Lebensmittel, etwa Exoten wie Bananen oder Orangen, bezieht er über den Großhandel. Alles andere kommt aus der Region. Brokkoli, Bohnen, Kräuter, Salat, Pastinaken oder Wassermelonen kommen von Bauern in der Vorderpfalz, Weine von Winzern in der Südpfalz. Auch Pflanzen wie Gräser oder Salatpflanzen bietet er an, ebenfalls von Gärtnereien aus der Region. Produkte aus der Region, die seine Kunden schätzen. Acht, neun Produzenten fährt er in der Regel ab, wenn er donnerstags, an seinem Einkaufstag, Obst und Gemüse frisch einkauft und sich damit zugleich für die Wochenmärkte eindeckt.
Freitags und samstags steht er auf dem Wochenmarkt in Zweibrücken. Um sieben Uhr geht es dort los. Zahlreiche Kisten aus dem grünen Lieferwagen müssen ausgepackt und bereit- und aufgestellt werden. Eine harte körperliche Arbeit. Und ein Einsatz bei Wind und Wetter, auch im Winter. 59 Jahre ist Moutous Moumin nun, aber solange es ihm gesundheitlich gut gehe, sagt er, wolle er auf jeden Fall weiter arbeiten.
Verkaufshalle in Planung
Zu den Märkten kommt der feste Hauptverkaufsstand in Hinterweidenthal, den Moutous Moumin gemeinsam mit seiner Frau bedient. Dort, am Ortseingang aus Richtung Bahnhof und am ehemaligen Sägewerk gelegen, hat er sich 2005 mit seinem Unternehmen angesiedelt, erst zur Pacht. Der Name „Wasgau-Kiosk“ stammt noch aus der Anfangszeit, als es dort einen Imbiss gab. Der dafür genutzte Kiosk wird aber längst als Lager für Obst, Gemüse und Pflanzen genutzt, verkauft wird auf der großen Fläche davor. Vor etwa zwölf Jahren hat Moutous Moumin dann das 2400 Quadratmeter große Gelände gekauft. Jetzt steht die nächste größere Investition an: Neben dem Kiosk wird eine offene Verkaufshalle auf etwa 170 Quadratmetern Fläche gebaut. Eine Investition, die sich insgesamt auf etwa 50.000 Euro beläuft.
Zu Hause ist der vierfache Vater in Contwig. Wie er da auf Hinterweidenthal als Betriebsstandort kam, hat er schnell erklärt. Vor seinem Start als Obst- und Gemüsehändler haben er und seine Frau als selbstständige Kurierfahrer Arzneimittel an Apotheken ausgeliefert und sind auf ihren Touren öfter durch Hinterweidenthal gekommen. Dort verkaufte am Sägewerk ein Händler Obst und Gemüse – von dem Moumin für seine Nachttour oft einen Apfel oder eine Birne erstand. Mit der Umstellung auf den Euro 2001 habe sich aber bald ihr Kurierdienst kaum noch gelohnt, weswegen sie umsattelten und in Hinterweidenthal ihr neues Geschäft aufbauten.
Jeder Kunde ist wichtig
In Deutschland leben sie seit 1989. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Moutous Moumin, der zuvor fünf Jahre lang auf einem Handelsschiff in vielen Ländern unterwegs gewesen war. Sie hätten sich eine bessere Zukunft gewünscht, blickt er zurück. Denn in seiner Heimat in West-Thrakien gebe es keine Industrie, dort lebten die Menschen sehr bescheiden von ihrer Landwirtschaft. Die Kontakte in die alte Heimat pflegt er, auch wenn ein längerer Urlaub aufgrund des Geschäfts nicht möglich ist. Deswegen leidet er auch mit den Menschen in jenen Dörfern, die in diesem Sommer von verheerenden Bränden heimgesucht wurden.
Die weitgehend grüne Pfalz ist ein guter Ort für Moutous Moumin. Auch wenn er sich manchmal weniger Bürokratie wünschen würde: Seine Entscheidung, in Deutschland neu anzufangen, hat er nicht bereut. Reich werde er nicht mit dem Geschäft, stellt er fest und lacht. Aber sie könnten davon leben. Dank mancher Urlauber, die ins Dahner Felsenland kommen, aber auch dank vieler Stammkunden, die regelmäßig bei ihm einkaufen. Sei es nun ein Sack Annabelle oder nur ein Apfel und eine Birne. Jeder Kunde, sagt Moutous Moumin, sei für ihn gleich wichtig.
Die Serie: Wirtschaftsleben
In unserer Serie „Wirtschaftsleben“ berichten wir montags über Unternehmen, Beschäftigte und wirtschaftliche Entwicklungen im Landkreis Südwestpfalz.