Sickinger Höhe RHEINPFALZ Plus Artikel „Wir brauchen unbedingt nass und wärmer“

Dieses goldgelbe Rapsfeld zwischen dem Naturschutzgebiet Hausgiebel bei Maßweiler und der Pottschütthöhe wäre bei Sonne eine ide
Dieses goldgelbe Rapsfeld zwischen dem Naturschutzgebiet Hausgiebel bei Maßweiler und der Pottschütthöhe wäre bei Sonne eine ideale Bienenweide.

Der erste Grünschnitt für die Silagemieten wächst schlecht. Die Apfelbäume und Birnbäume blühen bei diesem kühlen Wetter schon über drei Wochen ohne Veränderung. Die Landwirte und Hobbygärtner vermissen Regen und Wärme. Für die Bienen ist es zu nass und kühl. Aber wenigstens gab es keinen Frost mehr.

Die Landwirte haben ihren Mais, Grassamen, teilweise Klee und Luzerne ausgesät. Das Erdreich sei schon wieder viel zu trocken. Landwirt Hubert Wilhelm aus Schmitshausen hat unweit des Aussichtsturms am Wochenende roten Klee gesät. Mit der Ackerwalze hat er ihn angedrückt, damit er schnell keimen kann. Während der Feldarbeit hat es schon wieder deutlich gestaubt. Wilhelm glaubt, dass die Felder in diesem Frühjahr noch trockener sind als im vergangenen Jahr. Man täusche sich, wie viel es im April und jetzt im Mai schon geregnet hat: „Für ein Frühjahr zum Wachsen viel zu wenig“, sagt Wilhelm. Das sehe man auch deutlich an dem Grünland neben seinem Acker, wo eigentlich schon kräftiges Gras zum Mähen stehen müsste. Es habe aber gerade eine Höhe von gut zehn Zentimetern und stehe noch nicht einmal richtig dicht. Auf älterem Grünland ist der Aufwuchs richtig schlecht, berichtet auch Jörg Klein aus Winterbach.

Wachstum tritt auf der Stelle

Bei der nächtlichen Kälte und dem Raureif bis in den Morgen hinein sei es kein Wunder, dass die Pflanzen im Wuchs nicht vorankommen, findet Wilhelm. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass die Wetterforscher vom kältesten April der letzten 40 Jahre sprechen. Die Regenausbeute sei jetzt bis Mitte Mai auch nicht ausreichend. Für seinen Kleesamen dürfte er jedoch alles richtig gemacht haben, denn mit der Feuchtigkeit, die er jetzt bekommt, und mit dem doch etwas besser aufgewärmten Erdreich, da sollte er bald aus der Erde spitzen. Das hoffen auch alle Bauern für ihren Mais und den Grassamen. Beim Getreide sei auch deutlich zu erkennen, dass es nach Regenfeuchte verlangt, so Wilhelm. Die Größe sei deutlich hinter dem, was man erwartet. „Wir brauchen unbedingt nass und wärmer“, sagt Wilhelm. Nur so könnte die alten Bauernweisheit überhaupt noch in etwa in Erfüllung gehen: „Ist der Mai feucht und nass, füllt’s dem Bauern Scheun und Fass.“

Der Landwirt Jörg Klein aus Winterbach hat schon Weidegras und Kleegras für das Silo gemäht. Es habe für ihn am Anfang der vergangenen Woche keinen Sinn mehr gemacht, noch auf Regen zu warten, denn bis der beim Wachstum hilft, sei das Futter zu alt und habe an Qualität eingebüßt.

Wie im vergangenen Jahr sei der erste Schnitt kein Volltreffer, erzählt Klein. Der erste Schnitt habe bei ihm nur einen Ertrag von ungenügenden 50 Prozent gebracht, was traurig sei. Es fehle erheblich an der notwendigen Menge. Nun setze man wieder alle Hoffnung auf den zweiten Schnitt, aber es sei fraglich, ob er den erhofften Ausgleich bringen wird, so Klein.

Auch im vergangenen Jahr sollte der zweite Schnitt alles herausreißen, aber es blieb erneut bei einer schwachen Ausbeute. Darum sind die Landwirte enorm angespannt, wie es in diesem Jahr laufen wird. Es sei der Wunsch aller Bauern, dass der Futtervorrat sich deutlich über dem notwendigen Grenzwert bewegt. Nicht ausreichend Futter zu haben, sei ein besonders beunruhigendes Gefühl. Die Landwirte wollen ihr Stallvieh immer satt füttern können, bis es wieder genügend neues Futter im Frühjahr gibt. „Ist der Vorrat an Futter zu knapp und die Qualität noch unter normal gut, dann drückt dies die Milchleistung und den guten Allgemeinzustand des Stallviehs, was einfach nicht wünschenswert ist“, sagt Klein.

Obstblüte fast eingefroren

„Es ist schon ein besonderes Frühjahr, die ersten Kirschbäume und Mirabellen blühten bereits um Ostern. Es folgten die Birnen, aber auf die Apfelblüte musste man bis fast zum Monatsende warten“, sagt Arnold Kölsch vom Obst- und Gartenbauverein Maßweiler. Wer jetzt im Mai auf den Frühling hoffte, der wurde weiterhin enttäuscht, denn es blieb bis auf das kurze Sommerwochenende weiterhin kühl und oft trüb. Dies hat dazu geführt, dass die Apfelblüte über drei Wochen hinweg nur kleine Fortschritte gemacht hat. Dies geht jetzt auch noch so weiter, schüttelt Kölsch den Kopf. Einziger Lichtblick sei, dass es noch kein wirkliches Frostproblem gab, aber nun ziehen die Eisheiligen ins Land, was oft äußerst gefährlich sei für die Obstbäume und die Grumbeere und Tomaten im Garten, beteuert Kölsch. Besonders bedauerlich findet er, dass der Bienenflug bei diesen Tiefsttemperaturen nicht auf Touren komme. Bei den Frühkirschen sei trotzdem schon zu erkennen, dass einige winzig grüne Früchte hängen geblieben sind. Die letzte Blühphase bei den Obstbäumen wird jetzt durch die Regentage schnell eine Ende finden, glaubt Kölsch, sodass man die Hoffnungen auf die Bestäubung durch den Wind setzen muss.

Die Imker in unseren Dörfern waren guter Hoffnung, dass im Mai die passenden Tage der Bienen zum Honigsammeln kommen. Nach dem warmen Wochenende ist schon wieder Schluss, obwohl jetzt der Raps in voller Blüte steht und auch neben den Obstbäumen noch viele andere Pflanzen blühen.

Der Regen und das noch immer kühle Wetter machen einen Strich durch die Erwartungen der Imker. Das sei umso enttäuschender, da einige ihre Bienen in den Gemarkungen an geeignete Standorte gebracht haben, damit die Bienenweide unmittelbar vor ihrer Nase liegt, sodass sie schnell vom Erntefeld zurück in den Bienenstock kommen.

x