Kreis Südwestpfalz „Wir blasen keine Federn in die Luft“

Nach dem Werksausschuss hat gestern auch der Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land den Wirtschaftsplänen der Verbandsgemeindewerke für 2016/17 einstimmig zugestimmt. Wie am 28. November berichtet, droht im Bereich Abwasser in beiden Jahren ein Minus von jeweils mehr als einer halben Million Euro. Das sei nicht seine Schuld, erklärt der frühere Werkleiter Peter Wild gegenüber der RHEINPFALZ. Er wirft seinem Nachfolger vor, Geld leichtfertig auszugeben.
Peter Wild, bis 1. Mai Leiter der Verbandsgemeindewerke, betont im RHEINPFALZ-Gespräch, er habe seinen Aufgabenbereich geordnet übergeben. Als er in Ruhestand ging, hätten die Rücklagen der Werke noch mehr als 710 000 Euro betragen, plus rund 654 000 Euro in der Kasse. Sein Nachfolger Eckart Schwarz habe von ihm „keine defizitären Werke übernommen“, betont Wild. Das hatte Schwarz in der Ausschusssitzung auch nicht gesagt. Allerdings hatte er die finanzielle Lage als „alarmierend“ bezeichnet. Für 2016 ist im Bereich Abwasser ein Verlust von 516 000 Euro vorgesehen, 2017 von 580 000 Euro. Wilds Erklärung: „Maßnahmen werden falsch finanziert.“ So werde etwa die Sanierung der Ortsdurchfahrt Kleinsteinhausen, bei der die Werke die Leitungen erneuern, durch Kredite gestemmt. Ein Förderprogramm des Landes für die Sanierung von Abwasserkanälen hätte es jedoch erlaubt, 80 Prozent der Kosten über ein zinsloses Darlehen zu finanzieren. Doch habe Schwarz es versäumt, einen Antrag zu stellen, sagt Wild. Der Wirtschaftsplan sieht vor, dass die Werke nächstes Jahr 520 000 Euro Kredite für Investitionen aufnehmen können, 2017 dann bis zu 1,2 Millionen Euro. Wild wirft Schwarz vor, er gebe zu viel Geld aus. „Maßnahmen gehören auf den Prüfstand“, fordert er. Angesichts von jeweils mehr als einer halben Million Euro minus dürfe man sich „nur noch wenig Luxus erlauben“. Er nennt Beispiele: So brauche man im neuen Bürogebäude der Werke in Contwig nicht zwingend neue Möbel. Man könne die alten, die derzeit in Zweibrücken bei den Werken stehen, mitnehmen. Zudem gebe man zu viel Geld für Fällmittel aus. Diese Chemikalien werden in Kläranlagen verwendet, um Phosphorverbindungen aus dem Wasser zu entfernen und fadenförmige Bakterien zu bekämpfen. Man sei auf ein teures Mittel umgestiegen, obwohl ein früher verwendetes, günstigeres Produkt dieselbe Wirkung habe, sagt Wild. Dass die Werke ein Elektroauto anschaffen wollten, sei unnötig: „Das braucht man doch nicht, es sind genug Fahrzeuge da.“ Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker sagte gestern auf RHEINPFALZ-Nachfrage, die Vorwürfe seien ihm nicht bekannt. Die Ortsdurchfahrt Kleinsteinhausen stehe erst 2017 an − entsprechend habe man bis 30. Juni 2016 Zeit, um Zuschüsse zu beantragen, und das werde man auch tun. Gundacker hatte bereits erklärt, die steigenden Verluste seien zu erwarten gewesen. Man habe „bewusst gegen den Gewinnvortrag gearbeitet“, also die Rücklagen abgeschmolzen. Dass dann die Gebühren und Beiträge, die die Bürger zahlen müssen, bald erhöht werden müssen, sei klar. Wann genau und um wie viel, steht noch nicht fest. Dass die Verluste steigen, habe auch mit den Abschreibungen für die Kläranlagen Contwig und Battweiler zu tun, ergänzte Eckart Schwarz. Er und Gundacker betonten im RHEINPFALZ-Gespräch, man achte sehr wohl aufs Geld: „Wir blasen keine Federn in die Luft.“ Die Möbel der Werke seien 25 bis 30 Jahre alt und würden ersetzt. Ob ein Elektroauto angeschafft wird, sei noch nicht entschieden. Es handele sich lediglich um Pläne, über deren Umsetzung der Werksausschuss mitentscheidet. Und ja, man benutze ein teureres Fällmittel − aber schon länger, nicht erst, seit Schwarz da ist. Das Mittel sei wirksamer gegen die fadenförmigen Bakterien als das alte. Schwarz hatte sich in der Ausschusssitzung bei seinem Vorgänger für dessen Unterstützung bedankt und gesagt, Wild habe einen wohlgeordneten Betrieb übergeben. Allerdings geschah das in jenem Sitzungsteil, bei dem Zuhörer nicht zugelassen sind, und auch Wild war nicht dabei. (sbn)