Heltersberg
Wieso für einen 82-jährigen Chorsänger ein Leben ohne Musik „total sinnlos“ wäre
Angefangen hat es vor 67 Jahren. Damals besuchte Rolf Asel in Schopp mit Freunden eine Gaststätte. Es ging lustig zu, es wurde gesungen. Der damalige Vorstand des örtlichen Gesangvereines war zeitgleich Gast und hörte den Jungen zu. Zwei von ihnen, darunter Asel, lud er zur Singstunde ein. Das hatte nachhaltige Folgen: Noch immer singt der Bub von damals mit Begeisterung im Chor. Zu sehen und zu hören ist das beispielsweise beim Konzert des Gesangvereins Gemütlichkeit Heltersberg in der örtlichen Festhalle. Denn was in Schopp begann, wo Asel aufwuchs, hat sich im vergangenen halben Jahrhundert in Heltersberg fortgesetzt: Stets spielte die Musik in seinem Leben eine große Rolle. Frei nach Loriot, dass ein Leben ohne Musik möglich, aber total sinnlos wäre, sagt der 82-Jährige und lacht: „Aber total!“
Folglich nimmt der Gesang in seinem Wochenplan großen Raum ein. Asel ist erster Tenor beim Gesangverein Gemütlichkeit. Aktuell probt er mit dem Chor intensiv für das große Konzert am Samstag. „Wir wissen schon, was wir singen, aber es wird noch nicht verraten“, sagt er. „Querbeat“ lautet der Titel des Programms, das der musikalische Leiter des Gesangvereins, Wolf-Rüdiger Schreiweis, mit den vier Chören erarbeitet hat. Das Motto lässt erahnen, was vom gemischten Chor, dem Männer- und dem Frauenchor sowie dem Ensemble Next Generation zu erwarten ist: ein bunt gemischter musikalischen Reigen. „Da ist für jeden etwas dabei“, so Asel. Eben querbeet – oder in diesem Fall „Querbeat“ – durch die Welt der Musik.
Ein musikalischer Tausendsassa
Diese im Allgemeinen, der Gesang im Speziellen „waren und sind ein ganz wichtiger Teil meines Lebens“, erzählt der Senior, der vor seinem Ruhestand bei Pfaff und Opel arbeitete. Es ist nicht übertrieben, ihn als musikalischen Tausendsassa zu bezeichnen. Neben seinem „Job“ als erster Tenor spielt er bei der Arnbachtaler Blasmusik mit, Tenorhorn und Knopfakkordeon sind seine bevorzugten Instrumente. Auch dort greift er jedoch regelmäßig zum Mikrofon und singt. Und einmal wöchentlich ist Asel mit der Heltersberger Wandergruppe unterwegs, alles „Jungs“ im Rentenalter – dann wird natürlich gewandert, aber auch bei der Einkehr musiziert. „Ich habe für jeden ein Liederbuch zusammengestellt.“ Darin seien alle Lieder enthalten, die von den Männern gerne gesungen werden – oft auch zur Freude anderer Gäste. „Wir waren mal in Merzalben eingekehrt, da war zufällig eine Frauengruppe. Die ruft regelmäßig den Wirt an und fragt, wann wir wieder singen“, erzählt Asel schmunzelnd.
Besonders freut er sich darauf, wenn am Samstag Volkslieder gesungen werden – all das, was gemeinhin als Volksmusik bezeichnet wird, „höre, spiele und singe ich am liebsten“. Klassik oder Heavy Metal hingegen, „das geht nicht“, bekennt Asel. Die Lieder, die er mag, finden sich auch in besagtem Buch der Wanderfreunde. Ob das Palzlied, Pfälzer Wind oder Am Brunnen vor dem Tore – „es ist alles dabei, was man kennt“, sagt Asel. Mit Knopfakkordeon, mehreren Gitarren und Rhythmusinstrumenten, die er auch gebaut hat, begleiten sich die wandernden Sänger selbst. Stimmen sie den Bajazzo an, wissen Wirte und Stammgäste der Lokalen, in denen sie öfter einkehren, „jetzt ist Schluss – das ist immer unser letztes Lied“, verrät Asel.
Auch beim TuS aktiv – als Platzwart und in der „dritten Halbzeit“
Kein Wunder, dass sein Terminkalender entsprechend prall gefüllt ist: Neben der wöchentlichen Wanderung und den regelmäßigen Proben stehen darin zahlreiche Auftritte. Mit den Arnbachtalern, mit dem Gesangverein, aber auch in der Kirche unterstützt Asel die eine oder andere Veranstaltung musikalisch. Dass die Heltersberger vor Jahrzehnten einen so talentierten Mitbürger bekommen haben, der auch andere zum Singen motivieren kann, war – je nach Sichtweise – Zufall oder gute Politik. Asel und seine aus Heltersberg stammende Ehefrau Christel wollten bauen. Und weil die Bauplätze in ihrem Heimatort billiger waren, „haben wir in Heltersberg gebaut“, sagt Asel. Über den Neuzugang aus Schopp haben sich nicht nur die Mitglieder des Gesangs-, sondern auch des Sportvereins gefreut. Denn beim TuS Heltersberg hat sich der Zugezogene viele Jahre lang intensiv um die Platzpflege gekümmert. Er hatte zuvor bereits in Schopp gekickt, schnürte dann beim TuS die Fußballschuhe. „Ich war aber nie so gut im Fußball“, bekennt er. Am besten sei er immer in der dritten Halbzeit gewesen, sagt Ehefrau Christel augenzwinkernd. Und in dieser wurde – man ahnt es – ebenfalls oft gesungen.
Info
Der Gesangverein Gemütlichkeit lädt für Samstag, 22. März (Beginn 19.30 Uhr), zum Konzert „Querbeat“ in die Heltersberger Festhalle ein. Es werden auch langjährige Sänger und Sängerinnen geehrt. Der Eintritt (Abendkasse) kostet zwölf Euro.