Dahn / Hinterweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wie zwei Jungunternehmerinnen den Lockdown überstehen

Lena Dauenhauer
Lena Dauenhauer

Lena Dauenhauer und Leonie Loreth führen seit vergangenem Jahr ihre eigene Kleinunternehmen – und das mit Anfang 20. Die Tätowiererin und die Kosmetikerin haben der RHEINPFALZ erzählt, wie sie das geschafft haben – trotz pandemiebedingt schwieriger Startbedingungen – und warum es sich lohnt.

Lena Dauenhauer und Leonie Loreth verbinden mehrere Gemeinsamkeiten: Beide haben 2018 ihr Abitur am Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium in Dahn geschrieben, beide haben ihr Hobby zum Beruf gemacht, und beide haben zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown ein Kleinunternehmen gegründet – trotz des erheblichen Risikos.

Tattoo-Studio neben Kirche

Die 22-jährige Lena Dauenhauer hatte sich nach dem Schulabschluss für eine Ausbildung als Friseurin entschieden – obwohl sie da schon wusste, dass das Tätowieren ihre Zukunft ist. „Für den Beruf des Tätowierers gibt es keine gesetzlich geregelte Ausbildung, ich habe mir alles autodidaktisch beigebracht. Ich wollte aber trotzdem etwas Handfestes vorweisen können“, berichtet die Dahnerin. Etwas Handfestes: Das hat sie jetzt mit ihrem eigenen Laden geschafft. Zum 1. August 2020 hat Dauenhauer das Tattoo-Atelier Lebensart gegenüber der katholischen Kirche St. Laurentius in Dahn eröffnet – ein gewagter Standort, wie sie lachend meint. Aber Probleme habe es noch nie gegeben, im Gegenteil. Die Jungunternehmerin, die seit ihrem 17. Lebensjahr zusticht, erhält für ihren Weg in die Selbstständigkeit viel Zuspruch. „Am Anfang gab es ein paar Skeptiker, aber mittlerweile sind selbst die überzeugt“, glaubt sie.

Noch keine finanzielle Hilfe

Denn das Geschäft lief: Zirka 60 Sitzungen habe sie in der Regel pro Monat, und die Warteliste für einen Termin ist lang. Eigentlich wäre sie bis Mai ausgebucht gewesen. Ihre Nadel stand mit dem zweiten Lockdown aber still. Anfang November musste ihr Geschäft in der Kirchgasse, das bis dahin gerade mal drei Monate geöffnet hatte, wegen der steigenden Corona-Inzidenz schließen. Seitdem lebe sie von ihrem Ersparten – von den Überbrückungshilfen habe sie noch keinen Cent gesehen. Dauenhauer weiß: So geht es vielen in ihrer Branche.

In den sozialen Medien machen deshalb deutschlandweit Tätowierer auf ihre Situation aufmerksam. Lena Dauenhauer ist dabei: Auf der Plattform Instagram betreibt sie eine Seite mit rund 3000 Anhängern – eine Zahl, auf die sie stolz ist. Auf ihrem Webauftritt hält die 22-Jährige ihre Kunden auf dem Laufenden und lädt fast täglich Bilder hoch. Im Gegenzug bekomme sie viele liebe Nachrichten, in denen ihr Mut zugesprochen werde.

Bei der Öffnung der Friseure am 1. März hatte sie gemischte Gefühle. „Es ist gut, dass so langsam wieder gelockert wird. Aber ein bisschen unfair ist es schon: Ich kann in meinem Atelier die gleichen Hygienemaßnahmen einhalten wie ein Friseurstudio – wenn nicht sogar besser“, sagt sie. Es ließen sich zwar mehr Menschen die Haare machen als Tattoos stechen, aber das bedeute nicht, dass ihr Beruf nicht wichtig ist. Für Lena Dauenhauer hängt nicht nur ihre Existenz daran, das Tätowieren ist ihre Leidenschaft. Seit Montag dürfen auch die Tätowierer wieder ihr Geschäft betreiben.

Studio im alten Kinderzimmer

Ihre Freundin Leonie Loreth hat nach dem Abitur einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Nach einer zweijährigen Ausbildung zur Kosmetikerin fing sie im vergangenen Jahr in einem Kosmetikstudio in Neunkirchen an. Freunde und Bekannte bekamen von ihren Fähigkeiten schnell Wind: Die Nachfrage im Dahner Tal war groß. Deshalb entschloss sich die 21-Jährige dazu, ihr eigenes Gewerbe anzumelden. Am 1. September begann sie offiziell mit ihren Behandlungen, dafür hatte sie Räume in ihrem Wohnort Hinterweidenthal gemietet.

Im November dann der Schock: Sie musste wieder schließen. Wegen Corona, versteht sich. Dabei war der Andrang riesig, wie sie erzählt. „Zu mir kommen hauptsächlich junge Frauen, aber auch Männer entdecken die Beauty-Behandlungen für sich. Jeder will gut aussehen“, sagt Loreth mit einem Augenzwinkern. Mit Klischees hat sie kaum noch zu kämpfen: „Klar, einige meinen, ich würde nur schminken. Aber da gehört schon mehr dazu.“ Kritische Stimmen habe sie schnell durch ihr Fachwissen ruhiggestellt.

Ihre Anstellung in Neunkirchen hat sie behalten, dort erhalte sie zurzeit Kurzarbeitergeld. Die November- und Dezember-Hilfen für ihr eigenes Unternehmen träfen nach und nach ein, aber auch sie wisse von anderen, die noch nichts bekommen hätten. Zum Jahreswechsel ist sie mit ihrem Studio Sense of Beauty innerhalb ihrer Heimatgemeinde von der Hauptstraße ins Tal umgezogen – in ihr altes Kinderzimmer. Erkennen kann man davon nichts mehr, Treppenhaus und Zimmer sind in den vergangenen Monaten renoviert worden, und ein separater Zugang grenzt das Studio von der Wohnung ab. Fast wie Homeoffice.

Unterstützung ist groß

Während der Schließung nutzte auch sie hauptsächlich Instagram, um zu ihren Kunden Kontakt zu halten. „Ohne soziale Medien geht es heutzutage nicht mehr. Obwohl man die Mund-zu-Mund-Propaganda auf dem Dorf nicht unterschätzen darf“, berichtet Loreth. Positiv überrascht sei sie von der Unterstützung anderer lokaler Unternehmen, gerade während des zweiten Lockdowns. Einen Konkurrenzkampf habe sie nie erfahren; eine gute Entwicklung, wie sie findet. So gönne sie den Friseuren die Öffnung, habe sich aber gewünscht, dass die Kosmetikstudios auch öffnen dürfen. Das ist ab dieser Woche der Fall.

Ohne den Rückhalt ihrer Familien, die sie bei ihren beruflichen Werdegängen unterstützt haben, wäre das alles gar nicht möglich gewesen, da sind sich Loreth und Dauenhauer einig. Den ersten Schritt in Richtung Selbstständigkeit bereuen die jungen Frauen trotz Startschwierigkeiten nicht. Für sie waren die wenigen Monate der Geschäftsöffnung mit die glücklichsten in ihrem Leben. Jetzt kann es weitergehen.

Leonie Loreth
Leonie Loreth
Noch sind die Vorhänge zu, aber Lena Dauenhauer fiebert auf die Wiedereröffnung ihres TattoostudiosLebensart in der Kirchgasse h
Noch sind die Vorhänge zu, aber Lena Dauenhauer fiebert auf die Wiedereröffnung ihres TattoostudiosLebensart in der Kirchgasse hin.
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